Die Entstehung von Fußball außerhalb des UK und des deutschen Kaiserreichs

Die Entstehung von Fußball außerhalb des UK und des deutschen Kaiserreichs

„Die Gründerväter der FA hatten damit aus einem alten Kampf- und Wett-Spiel ihrer Standeskultur einen rational organisierten Sport gemacht, der überall und von jedermann […] ausgeübt werden konnte.“.1)Eisenberg, Christiane: Einführung. In: Christiane Eisenberg (Hg.): Fußball, soccer, calcio. Ein englischer Sport auf seinem Weg um die Welt. München 1997. S. 7-21, hier S. 9.

In fast allen hier untersuchten Ländern waren es englische Geschäftsleute, Ingenieure, Studierende und Reisende, auch Botschaftsnagehörige, die in Deutschland nicht auf Fußball verzichten wollten und ihn hier indirekt und ungewollt bekannt machten – meistens um die 1880er Jahre.2)Vgl. Eisenberg, Christiane: Einführung. In: Christiane Eisenberg (Hg.): Fußball, soccer, calcio. Ein englischer Sport auf seinem Weg um die Welt. München 1997. S. 7-21, hier S. 9.

Fußball schlug dann Wurzeln, wenn es seinen aktiven und passiven Kennern gelang, das Spiel mit konkreten Dingen aufzuladen; das war fast überall das Militärische durch den übersteigerten Nationalismus und den Hegemonialfantasien der Großmächte.3)Vgl. Eisenberg, Christiane: Einführung. In: Christiane Eisenberg (Hg.): Fußball, soccer, calcio. Ein englischer Sport auf seinem Weg um die Welt. München 1997. S. 7-21, hier S. 9.

Durch wen wurde Fußball bekannt gemacht? Welchem sozialen Milieu gehörten die ersten Fußballer an? Weitere Entwicklung
Argentinien Durch englische Einwanderer nach Argentinien (Zwischen 1890 und 1914 etwa eine Million). Der erste Verein war der 1867 von Engländern gegründete Bueos Aires Football Club. Die ersten Vereine setzten sich aus verschiedenen Nationalitäten unterschiedlicher sozialer Lage zusammen. 1883 Eröffnung einer nationalen Amateuerliga (auch von Engländern), in der noch in den 1890er Jahren die britischen Vereine dominierten. Um 1900 wurden einige neue Vereine von Argentiniern gegründet, die nicht mehr der Fairplay-Idee anhingen, sondern Fußball als Freizeitbeschäftigung, zur Pflege emotionaler Beziehungen und zur Demonstration von Loyalität und Engagement betrieben.

Verband behielt bis 1906 Englisch als offizielle Verkehrssprache bei.

Erst 1934 wurde aus football das spanische fútbol.

Brasilien Durch englische Reisende, Geschäftsleute, Ingenieure und Einwanderer. Fußball wurde Spiel der Oberschicht und vor allem als Wehrsport ausgeübt. Ein Statussymbol. Familien übten Druck auf Eliteschulen aus, Fußball im Schulsport zu behandeln, damit ihre Kinder größere Chancen erhielten, auf die Eliteinstitutionen und die Militärakademien aufgenommen zu werden.
Österreich Durch englische Geschäftsleute, Ingenieure, Studierende und Reisende Alle außer Arbeiter Die Zuschauerzahlen der 1890er Jahren beliefen sich auf 300 bis 400 pro Spiel – man wollte sie aber lieber senken als erhöhen, und erhöhte daher den Eintrittspreis von 10 Kreuzer auf 20 Kreuzer.

Ab 1900 deutlicher Anstieg an Fußballspielern aus Arbeitermilieu, aber der kleinbürgerliche Charakter blieb noch bis zum ersten Weltkrieg bestehen.

Ab den 1900er war es möglich, Profifußballer zu werden.

Frankreich und Italien Durch englische Geschäftsleute und Reisende; in der Frühen Neuzeit war ein ähnliches Spiel als calcio bzw. soule bereits bekannt, aber eine Kontinuität anzunehmen entbehrt jeder Quellengrundlage. Durch englische Geschäftsleute, Ingenieure, Studierende und Reisende In Frankreich wurden die Fußballregeln nicht angewendet: Es gab Vereine, die die Fußball- oder die Rugby-Variante spielten, aber auch solche, die die Varianten abwechselten (z. B. Paris Football Club) oder gemischt (z. B. Lavre Athletic Club 1884). Mit dem Football-Association-Mitglied Civil Service spielte eine französische Mannschaft beispielsweise nach Rugbyregeln. Denn im Spielbericht steht: „Die Londoner siegten mit einem Strafgoal […] und 1 Versuch gegen 0.“ 4)Sport und Spiel 3 (1893), 18.02.1893, S. 2.
USA Vermutlich durch Engländer, aber bereits in den 1860er Jahren Studierende Ab 1869 Wettbewerbsspiele statt, nachdem die Spielregeln so einigermaßen vereinheitlicht waren, dass ein Wettbewerb möglich wurde.

1872 spielte man nur in den Colleges von Yale, Columbia und Stevens Fußball. Harvard blieb bei der Mischvariante, die sie vom College in Boston der 1860er Jahre übernommen hatten. Auf der Suche nach einem Gegner spielte Harvard 1873 gegen die kanadische McGill University in Montreal, die Rugby spielte. Sie einigten sich darauf, eine Halbzeit die Boston-Spielvariante, eine Halbzeit Rugby zu spielen. Harvard war hellauf begeistert von Rugby und spielte ab 1876 nur noch Rugby. Viele Nachahmer führten dazu, dass 1902 keine einzige US-Universität mehr Fußball spielte.

Fußball war auch in den USA das Spiel der Gentlemen, die nach den Regeln des Fairplays spielten – das galt auch für Rugby. Die Zuschauer in den USA wollten aber eine Show geboten bekommen, für die sie viel Geld zahlten. So entstand schnell der professionelle American Footballer und die Colleges versuchen umso mehr Geld zu verdienen, um noch bessere Footballer einzukaufen und noch erfolgreicher zu werden. Fußball hatte keine Chance, mitzuhalten. Jeder Versuch, Fußball in den USA populär zu machen, scheiterte – so auch 1994.

Russland und UdSSR Englische und deutsche Angestellte, die in Russland arbeiteten Angestellte Popularität von Fußball nahm erst mit der Gründung einer russischen Liga (1931) deutlich zu

 

Literatur

Zu Argentinien: Vgl. Archetti, Eduardo: Argentinien. In: Christiane Eisenberg (Hg.): Fußball, soccer, calcio. Ein englischer Sport auf seinem Weg um die Welt. München 1997. S. 149-170.

Zu Brasilien: Vgl. Caldas, Waldenyr: Brasilien. In: Christiane Eisenberg (Hg.): Fußball, soccer, calcio. Ein englischer Sport auf seinem Weg um die Welt. München 1997. S. 171-184.

Zu Österreich: Vgl. John, Michael: Österreich. In:
Christiane Eisenberg (Hg.): Fußball, soccer, calcio. Ein englischer Sport auf seinem Weg um die Welt. München 1997. S. 65-93.

Zu Frankreich und Italien: Vgl. Lanfranchi, Pierre: Italien und Frankreich. In: Christiane Eisenberg (Hg.): Fußball, soccer, calcio. Ein englischer Sport auf seinem Weg um die Welt. München 1997. S. 41-64.

Zu den USA: Vgl. Markovits, Andrei S./Hellerman, Steven L. S.: USA. In: Christiane Eisenberg (Hg.): Fußball, soccer, calcio. Ein englischer Sport auf seinem Weg um die Welt. München 1997. S. 185-212. Sowie: Pritchett, Henry S.: College Ideals of Sportsmanship. In: Sewanee 43 (1935). S. 398-405.

Zu Russland und UdSSR: Vgl. Riordan, Jim: Russland und UdSSR. In: Christiane Eisenberg (Hg.): Fußball, soccer, calcio. Ein englischer Sport auf seinem Weg um die Welt. München 1997. S. 131-148.

 

Fotocredits

NN: Athletics and football. London 1887. [Seite unbekannt]. CC PDhttps://commons.wikimedia.org/wiki/File:Assoc_football_match.jpg (letzter Zugriff: 30.10.2017).

 

Cite this article as: Petra: Die Entstehung von Fußball außerhalb des UK und des deutschen Kaiserreichs. In: Nachspielzeiten, 30. Oktober 2017. URL: http://nachspielzeiten.de/die-entstehung-von-fussball-ausserhalb-des-uk-und-des-deutschen-kaiserreichs/ (zuletzt aufgerufen: 14. Dezember 2017).
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Fußnoten   [ + ]

1. Eisenberg, Christiane: Einführung. In: Christiane Eisenberg (Hg.): Fußball, soccer, calcio. Ein englischer Sport auf seinem Weg um die Welt. München 1997. S. 7-21, hier S. 9.
2. Vgl. Eisenberg, Christiane: Einführung. In: Christiane Eisenberg (Hg.): Fußball, soccer, calcio. Ein englischer Sport auf seinem Weg um die Welt. München 1997. S. 7-21, hier S. 9.
3. Vgl. Eisenberg, Christiane: Einführung. In: Christiane Eisenberg (Hg.): Fußball, soccer, calcio. Ein englischer Sport auf seinem Weg um die Welt. München 1997. S. 7-21, hier S. 9.
4. Sport und Spiel 3 (1893), 18.02.1893, S. 2.

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