Minzöl und H2O2 – Hygienetipps nach Girulatis

Minzöl und H2O2 – Hygienetipps nach Girulatis

Nicht nachmachen.

„Während dieser Zeit [10 min Halbzeitpause] wird der Trainer Mundspülwasser für die Mannschaft zurechtgemacht haben. Es ist nämlich ganz unnötig, ja sogar direkt schädlich, heißen Kaffee oder gar Selterswasser zu genießen. Eine ausgiebige Mundspülung, welche den im Rachen und in der Mundhöhle angesammelten Schleim beseitigt, bringt schon die ersehnte Kühlung des Mundes und beseitigt das Verlangen nach Getränken. Gibt man dann noch eine Scheibe Zitrone, so wird jeder Spieler erfrischt sein. Ein gut desinfizierendes, dabei billiges Mundwasser wird hergestellt aus 1 Teil Wasserstoffsuperperoxyd und 5 Teilen Wasser.“ 1)Girulatis, Richard: Fußball. Theorie, Technik, Taktik. Leipzig 4^[1923]. S. 95.

Wasserstoff(super)peroxid ist ein starkes Bleich- und Desinfektionsmittel, dass aber üblicherweise als 0,3% Lösung als Mund- und Rachenwasser benutzt wird. Girulatis empfiehlt aber eine 16,67% Lösung – eine Konzentration, für die man heute im Handel eine Endverbleibserklärung braucht und den Kauf melden muss. Selbstaluhutnahe Websites nutzen „nur“ 3% Lösung, dann aber sogar als innere Einnahme, da es sauerstofffördernd ist (es teilt sich bei der Reaktion in Wasser und Sauerstoff).

Manch einer, der Girulatis‘ Empfehlung umsetzte, dürfte sich über seine strahlend weiße Zähne so gefreut haben, dass ihm das immer blasser werdende Zahnfleisch vielleicht gar nicht aufgefallen ist. Woher Girulatis seine Empfehlung bezog und wie weit verbreitet dieses Mundwasser vor rund 100 Jahren war, ist mir nicht bekannt.

 

Ein anderer Tipp Girulatis‘ ist dagegen nicht gesundheitsschädlich.

„Nach Beendigung des Spieles soll jeder Spieler ein Bad nehmen und dann tüchtig abgerieben werden. Wo Badegelegenheit fehlt, [S. 98] genügt ein Schwamm, um den Körper zu befeuchten, alsdann gebrauche man das Handtuch tüchtig. Der Körper muß unter allen Umständen vom Schweiß befreit werden. Bei warmen Wetter empfiehlt es sich, nach dem Waschen und Frottieren den Oberkörper mit einer Alkohollösung zu behandeln. Rezept: In 1 Liter 96prozent. Alkohol löst man 5 Gramm kristall. Menthol und verdünnt dann mit ½ Liter Wasser. Man tränkt einen kleinen Wattebausch mit dieser Lösung und reibt Brust und Rücken damit ein. Wenn man des öfteren[!] über die eingeriebenen Stellen hinwegpustet, so erzielt man eine wunderbare, kühlende Wirkung. Für jeden Spieler muß der Wattebausch erneuert werden. Nach einer solchen Behandlung, die nur vom Trainer ausgeführt werden sollte, fühlen sich die Spieler, selbst nach einem sehr schweren Spiel, wie neugeboren.“2)Girulatis, Richard: Fußball. Theorie, Technik, Taktik. Leipzig 4^[1923]. S. 97-98.

Menthol hat eine kühlende Wirkung auf die Haut und wirkt gegen Juckreiz, Schmerzen, Krämpfe und Gallenprobleme, erleichtert das Einatmen und ist lokalanästhetisch und antimikrobiell.

Durch die Mischung von einem Liter 96% Ethanol und 5 g Mentholkristallen (racemisches Menthol) entsteht eine 0,5%ige Menthollösung, in der die 5 g Mentholkristalle zu 50 ml gelöst wurden. In weniger als 96% Ethanol sind die Kristalle schwer löslich, in Wasser sowieso. Allerdings schmelzen die Kristalle auch schon bei 34°C.
Diese 0,5% Menthollösung wird dann mit 500 ml noch mal zu einer 0,33% Lösung verdünnt, das ist ein gutes Stück weniger als in Tigerbalm, Pferdebalsam und anderen Mitteln, um Haut und Muskeln zu kühlen.

Fotocredits

FK1954: Mentholkristalle. CC PDhttps://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Menthol.jpg (letzter Zugriff: 13.11.2017).

 

Cite this article as: Petra: Minzöl und H2O2 – Hygienetipps nach Girulatis. In: Nachspielzeiten, 13. November 2017. URL: http://nachspielzeiten.de/minzoel-und-h2o2-hygienetipps-nach-girulatis/ (zuletzt aufgerufen: 14. Dezember 2017).
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Fußnoten   [ + ]

1. Girulatis, Richard: Fußball. Theorie, Technik, Taktik. Leipzig 4^[1923]. S. 95.
2. Girulatis, Richard: Fußball. Theorie, Technik, Taktik. Leipzig 4^[1923]. S. 97-98.

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