Regel 4: Die Ausrüstung der Spieler

Regel 4: Die Ausrüstung der Spieler

Die Regelwerke von Cambridge, Uppingham und der ersten Version der Footpoll Association nennen nichts zu der Spielerkleidung, doch zeigen kolorierte Zeichnungen von Fußballspielen aus der Jahrhunderthälfte des 19. Jahrhunderts schon ein Trikotals Oberbekleidung, eine knielange Hose und Schuhe. Sofern die Oberkleidung nicht einheitlich oder farblich ähnlich war, trugen die Mannschaften unterschiedliche Kopfbedeckungen oder eine Mannschaft trug eine (uneinheitliche) Kopfbedeckung, die andere keine. Im Regelwerk der Sheffield FA wurden unterschiedlich farbige Kappen zur Unterscheidung der Mannschaften vorgeschrieben (1858 und 1862, nicht mehr 1871). Damit Zuschauer die Spieler erkennen konnten, wurde in Zeitungsvorberichten in die taktische Aufstellung neben dem Namen der Spieler auch die Farbe ihrer Kopfbedeckungen abgedruckt.1)Vgl. Brown, Paul: Please do not strain the ropes – a football programme from 1875. In: Goalpost. URL: http://www.goalpostbooks.co.uk/please-do-not-strain-the-ropes/.
Die Spielerkleidung hat sich seit dem Anfang des reglementierten Fußballs kaum mehr verändert. Heute gehören ein Jersey, Hose, Strümpfe, Schienbeinschoner und Schuhe zur zwingend vorgeschriebenen Grundausrüstung eines Spielenden.
Der Schiedsrichterin bzw. dem Schiedsrichter obliegt seit 1891 die Kontrolle der Spielerausrüstung.

Die Hose: Noch bis 1904 musste die Spielerhose über die Knie gehen, danach über den Knien für mehr Beinfreiheit enden, aber die Oberschenkel bedecken, um die Muskulatur warm zu halten. Außerdem sollte sie nicht zu weit sein, damit sie nicht flattert.2)Hofmann, H.: Etwas über die Kleidung der Spieler. In: Deutsches Fußball-Jahrbuch 10 (1913). S. 281-288, hier S. 283-284. Girulatis empfahl in seinem Buch über Fußball außerdem, dass die Hose aus leichtem Satin hergestellt ist, lose und bequem sitzt und durch ein Gummiband durch den Hosenband regulierbar ist.3)Vgl. Girulatis, Richard: Fußball. Theorie, Technik, Taktik. Leipzig 4^[1923]. S. 99.

Die Schienbeinschoner und Strümpfe: Schienbeinschoner wurden 1880 in der FA eingeführt und gemahnt, sie nicht aus oder mit Metall herzustellen, um das Verletzungsrisiko zu senken. In den 1910er Jahren wurden von der FA und vom DFB Metalleinlagen verboten.
Die unter oder über den Schienbeinschonern sitzenden unterschenkellangen Strümpfe sollten nicht einengend sein, aber auch nicht so locker sitzen, dass sie bei der Bewegung heruntersinken.4)Hofmann, H.: Etwas über die Kleidung der Spieler. In: Deutsches Fußball-Jahrbuch 10 (1913). S. 281-288, hier S. 282-283.

Die Schuhe/Stiefel: Es mag verwundern, aber die Schuhpflicht wurde erst 1950 eingeführt (in Indien erst 1963). Dennoch wurden üblicherweise Schuhe getragen. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts wurde wie bei den Schienbeinschonern gemahnt, 1905 dann verboten, die Schuhe mit Metall zu spicken. Stattdessen musste man für die Stollen auf Leder, später Gummi, dann Plastik, Aluminium oder ähnliches Material zurückgreifen. Zu häufig waren Metallstücke nicht gut verarbeitet und ragten aus der Ausrüstung heraus und verletzten so leicht den Gegner. Die Stollen (früher Klötze genannt) mussten noch bis in die frühe Nachkriegszeit hinein mindestens 12 mm Durchmesser haben, seitdem zwischen 6,35 mm und 12,7 mm.
Girulatis empfahl in seinem Fußballbuch unterschiedliche Schuhe, je nach Position: festere Stiefel mit breiter Spitze für Verteidiger, leichte Stiefel mit biegsamer Sohle für Stürmer5)Vgl. Girulatis, Richard: Fußball. Theorie, Technik, Taktik. Leipzig 4^[1923]. S. 100.
Damit die Schuhsohle durch ein Spiel auf aufgeweichter Erde und Lehm nicht völlig verdreckt, gab Hofmann den Tipp, sie vorher mit Petroleum oder einem anderen leichtflüssigen Öl einzureiben, um sie nach dem Spiel leicht reinigen zu können.6)Hofmann, H.: Etwas über die Kleidung der Spieler. In: Deutsches Fußball-Jahrbuch 10 (1913). S. 281-288, hier S. 282.

Die Oberbekleidung („Jersey“, „Trikot“): Die Oberbekleidung bestand schon seit zahlreichen Jahrzehnten meistens aus Jerseystoff (auf frz. Trikot), der weder zu eng, noch zu weit anliegt und am besten einfarbig war. Hier galt es auch zu beachten, dass die Farbe beim Waschen nicht ausblute, gab Hofmann zu bedenken.7)Hofmann, H.: Etwas über die Kleidung der Spieler. In: Deutsches Fußball-Jahrbuch 10 (1913). S. 281-288, hier S. 286-287. Bis 1935 musste die Oberbekleidung langärmlig sein.
Seit 1933 (FA) / 1939 (DFB) ist auf ihnen auch eine Rückennummer aufgedruckt, die seit 1995 personengebunden ist und daher auch den Spielernachnamen trägt. Vor 1995 entsprach die Rückennummer der Spielposition. Seit 2011 sind Rückennummern über #40 verboten.

1: Torwart
2 und 3: Verteidiger
4 und 6: Außenläufer
5: Mittelläufer
7: Rechtsaußen
8: Halbrechter
9: Mittelstürmer
10: Halblinker (Spielmacherposition)
11: Linksaußen

Neben der klassischen Spielerausrüstung gab es eine Reihe weiterer Bestimmungen und Regelung zur Spielerausrüstung:

Thermohosen: Wer lange Hosen unter seinen üblichen Spielerhosen tragen möchte, muss seit 1997 darauf achten, dass diese enganliegend ist und farblich der Hautfarbe der Spielhosen entspricht.

Suspensorium: Girulatis empfahl, eine Badehose als Suspensorium und als Schutz vor einer Blasenentzündung zu tragen und warnte vor dem Tragen von Ledergurten und Strümpfen mit zu engen Strumpfbändern, die die Blutzirkulation unterbanden.8)Vgl. Girulatis, Richard: Fußball. Theorie, Technik, Taktik. Leipzig 4^[1923]. S. 99.

Torhütertrikots in anderen Farben: Seit 1909 müssen Torwarte andersartige Trikots als die Mannschaften tragen.

Auswärtige Mannschaft muss andere Farben tragen: Seit 1920/21 muss die auswärtige Mannschaft deutlich andersfarbige Trikots tragen als Spiellerinnen bzw. Spieler der Heimmannschaft.

Werbung auf Trikots: Seit 2002 gibt es Bestimmungen zu Fußballspielenden und Werbung: Sie ist nur auf der Oberbekleidung erlaubt, keinem anderen Kleidungstück. 2015 wurde ergänzt, dass die Kleidung auch keine politischen, religiösen oder persönlichen Slogans tragen darf. Spielende, die ihr Trikot ausziehen und auf dessen Unterleibchen Slogans oder Werbeaufschriften zum Vorschein kommen, werden vom Organisator des betreffenden Wettbewerbs mit einer Strafe belegt.

„Die verschiedenartigen, oft blitzschnellen Wendungen und Bewegungen, die an Mannigfaltigkeit dem Repertoire des Turners nicht viel nachstehen, können weder mit Leichtigkeit, noch auch mit Luft in einem beengenden Gewande ausgeführt werden; an unserer modernen Bekleidung ist aber alles beengend, von den schweren geschlossenen Schuhen bis zu den steigen Hüten. Eine einsichtsvolle Spielleitung gestatt wohl auch sonst das Ablegen der Oberkleider, Westen, Halskrägen, Manchetten und Halsbinden; mit dem Aufschlagen der Hemdärmel haben wir nur einen Schritt mehr zum kurzärmeligen Tricot; dem wohlgestärkten Leinenhemde, dessen schöner Schein bei der Spielarbeit halb zerfließt, ist die Concurrenz mit dem schmiegsamen Flanell nicht zukömmlich. Jeder sorgsame Familienvater weiß, wie es mit den pantalons seines Sohnes nach einem Spiele aussieht; beseitigen wir den Untertheil also gleich lieber künstlich mit der Schere und ersetzen ihn durch lange Strümpfe, sowie die Stiefeletten oder Röhrenstiefel durch Halbschuhe, so ist die von mit angestrebte Reform im wesentlichen an den Gliedern beendigt; auch am Haupte, wenn man sich noch zur Einführung einer leichten Spielmütze entschließt. Der scheinbare Mehraufwand bedeutet durchaus eine Ersparnis, was den Eltern begreiflich gemacht zu werden verdient; im schlechtesten Hausgewand auf den Spielplatz geschickt, würde sich die ganze Gesellschaft doch etwas zu sonderbar ausnehmen, jedes bessere Gewand aber wird bald zum schlechtesten, da es für so stürmische Verhältnisse nicht geschaffen ist.
Die bei den meisten Spielen unentbehrliche Unterscheidung der Parteien durch Farben wird am besten an der leichten Spielmütze sichtbar gemacht; angeheftete Abzeichen haben immer ihr Mißliches, die Farben werden daher dem Stoffe einverleibt. Ob man nun Kappen wählt, welche auf der vorderen und rückwärtigen Hälfte verschieden gefärbt sind – ein Umdrehen bewirkt dann den Wechsel on der Parteizugehörigkeit – oder solche, welche außen und innen verschiedene Farben zeigen und beim Wechsel umgestülpt werden, darüber man der Geschmack entscheiden; die ersteren müssen 2 Schirme haben und sehen etwas bunt aus, auch werden bei dem unvermeidlichen Herabfallen im Spiele leicht die Seiten vertauscht; gegen die letzteren spricht die Abnützung durch den Kopfschweiß, dafür sind aber Irrthümer durch absichtsloses Umdrehen weniger zu befürchten, und sie können eine unsymmetrische, gefälligere Form haben; jedenfalls müssen dieselben waschbar sein und können daher keine steigen Schirme haben.“9)Vgl. Lechner, Ludwig: Schule und Jugendspiele. Teil 1: Leitfaden für Freunde des Jugendspieles und Spielleiter insbesondere. Wien 2^1897.  S. 28-29.

Cite this article as: Petra: Regel 4: Die Ausrüstung der Spieler. In: Nachspielzeiten, 29. Juni 2017. URL: http://nachspielzeiten.de/regel-4-die-ausruestung-der-spieler/ (zuletzt aufgerufen: 25. Februar 2018).
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Fußnoten   [ + ]

1. Vgl. Brown, Paul: Please do not strain the ropes – a football programme from 1875. In: Goalpost. URL: http://www.goalpostbooks.co.uk/please-do-not-strain-the-ropes/.
2. Hofmann, H.: Etwas über die Kleidung der Spieler. In: Deutsches Fußball-Jahrbuch 10 (1913). S. 281-288, hier S. 283-284.
3. Vgl. Girulatis, Richard: Fußball. Theorie, Technik, Taktik. Leipzig 4^[1923]. S. 99.
4. Hofmann, H.: Etwas über die Kleidung der Spieler. In: Deutsches Fußball-Jahrbuch 10 (1913). S. 281-288, hier S. 282-283.
5. Vgl. Girulatis, Richard: Fußball. Theorie, Technik, Taktik. Leipzig 4^[1923]. S. 100.
6. Hofmann, H.: Etwas über die Kleidung der Spieler. In: Deutsches Fußball-Jahrbuch 10 (1913). S. 281-288, hier S. 282.
7. Hofmann, H.: Etwas über die Kleidung der Spieler. In: Deutsches Fußball-Jahrbuch 10 (1913). S. 281-288, hier S. 286-287.
8. Vgl. Girulatis, Richard: Fußball. Theorie, Technik, Taktik. Leipzig 4^[1923]. S. 99.
9. Vgl. Lechner, Ludwig: Schule und Jugendspiele. Teil 1: Leitfaden für Freunde des Jugendspieles und Spielleiter insbesondere. Wien 2^1897.  S. 28-29.

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