Regelgeschichte

3 kuriose Fußballregeln

3 kuriose Fußballregeln, die es früher wirklich einmal gab.

Wer berührt zuerst den Ball im Aus?

Wenn der Ball ins Aus geht, rennen alle Spieler zum Ball. Denn wer ihn zuerst im Aus berührt, darf in wieder ins Spielfeld werfen bzw. kicken.

Klingt nach einer lustigen Spielvariante für den Pausenhof? War aber auf jeden Fall mal Teil der FA Rules.

Einwurf

Die FA Rules wurden 1863 zum ersten Mal veröffentlicht und schrieben darin vor, dass derjenige, der den Ball im Seitenaus als erstes berührte, den Ball von der Stelle ins Feld werfen musste, an der der Ball ins Aus gegangen war. Die FA Rules legten auch fest, dass der Einwurf im rechten Winkel erfolgen musste. (Letzteres wurde 1867 auch in die Sheffield FA Rules aufgenommen, wurde aber 1868 hinfällig, weil die Regeln einen Kick-In, keinen Einwurf, vorschrieben.) Die FA Rules ergänzten danach, dass eine wiederholte Ballberührung durch den Einwerfenden nicht erlaubt ist (ab 1866) und dass die anderen Spieler mindestens 6 Yards (5,5 Meter) vom Ball entfernt bleiben mussten, bis dieser wieder im Spiel war (1871).

🆕 1873 erfolgte dann die Änderung auf Vorschlag von Maidenhead FC und Nottingham Forest FC: Der Einwurf wird dem Gegner jenes Teams zugesprochen, das den Ball ins Seitenaus gespielt hatte.

Abstoß und Eckstoß

Bei Abstoß und Eckstoß verhielt es sich in den FA Rules ab 1863 ähnlich: Wenn der Ball ins Toraus ging (und nicht ins Tor selbst), war es entscheidend, welches Team ihn zuerst  im Toraus berührte.
➡️ War es hinter dem eigenen Tor, gab es einen Schuss vom Torpfosten aus. Und zwar an der Stelle, an der der Ball die Torlinie überquert.
➡️ War es hinter dem gegnerischen Tor, gab es einen Schuss vom Berührungspunkt als Freistoß (= unbehinderter Schuss) ins Feld. Dabei durften ab 1866 nur Spieler des Teams, das den Schuss ausführte schon vorher auf dem Feld stehen. Das andere Team musste bis zur Ausführung im Toraus stehen.

🆕 Interessanterweise wurden Abstoß und Eckstoß nicht zeitgleich in die heutige Form geändert, sondern 1867 (Abstoß) und 1872 (Eckstoß). Den Punt vom Toraus gab es in der FA noch fünf Jahre, nachdem der heutige Abstoß eingeführt wurde. Währenddessen beschrieben den Sheffield FA Rules den Abstoß gar nicht (war ihnen vielleicht allzu offensichtlich), dafür aber bereits 1868 den Eckstoß nach heutigen Verständnis.

Wobei sich der Abstoß zunächst noch etwas vom heutigen unterschied. Denn er erfolgte zunächst von dem Torpfosten, der dem Punkt näher war, an dem der Ball hinter das Tor ging.

Der Eckstoß ist seit 1872 ein Freistoß – bis 1924 indirekter Freistoß – aus jener Ecke, die dem Punkt, an dem der Ball hinter die Torlinie ging, näher ist. Alle Spieler müssen mindestens 6 Yard (5,5 Meter) vom Ball entfernt sein, bis der Ball getreten wird. 1874 wurde auf Vorschlag des Maidenhead FC der Viertelkreis von 1 Yard (1 Meter) an der Ecke ergänzt.

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Entwicklung des Einwurfs (und Kick-In)

Entwicklung des Abstoßes

Entwicklung des Eckstoßes

 

Spring-ins-Tor

Bis 1871 gab es den Fair Catch auch im Fußball: Wer einen Ball direkt aus der Luft fing, bevor er den Boden berührte, erhielt einen Freistoß (= unbehinderten Schuss) von der Stelle. Er musste ihn aber nicht anzeigen, weil im Fußball ein running game verboten war.

Die Regeln der Harrow School kannten dazu noch eine weitere Finesse: Konnte man den Ball binnen drei Yards (= 2,7 Meter) vor dem gegnerischen Tor fangen, musste man „Three Yards“ beim Fangen rufen. Dann konnte man versuchen, mit Ball ins Tor zu springen und so ein reguläres Tor zu erzielen. Ein klassischer Freistoß war nach diesem Fair Catch aber auch möglich.

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Entwicklung der Freistöße

 

Der Torhüter sollte den Ball immer fausten, damit er nicht Gefahr läuft, ins Tor geschubst zu werden

Bis 1949 war es erlaubt, den*die Torhüterin fair anzugehen, d.h. mit angelegtem Arm. Aber nur, wenn er*sie den Ball hielt. Diese Spielweise hielt sich allerdings noch bis in die 1950er und 1960er Jahre und wurde nicht immer als Foul unterbrochen. Deswegen fausteten früher viele Torhüter*innen den Ball seitlich ins Toraus. Denn ein Eckstoß war weniger gefährlich als ein*e heranstürmende*r Spieler*in, der mit einem sanften bis härterem Bodycheck den*die Torhüter*in samt Ball ins Tor beförderte.

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Entwicklung der Fouls und des erlaubten Handspiels von Torhüter*innen