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Fußballprofi – und danach?

In diesem Blogartikel geht um Profifußballspieler zwischen 1885 und 1914 in England: Über ihren Lohn, ihre Arbeitsstelle, ihre Zukunft nachdem Profifußball. Seitdem hat sich manches verändert und manches nicht.   Servant & Master Die Beziehung zwischen dem Fußballspieler und dem director, der meist sowohl Trainer als auch Manager des Vereins war, war die klassische Hierarchie zwischen einem Meister („master“) und einem Bediensteten („servant“. Diese Begriffe verwendete die zeitgenössische Presse, um Hierarchien zu beschrieben und zementieren. Tatsächlich hatte der Fußballer wenig bis keine Kontrolle auf Arbeitspläne oder Konditionen des Vertrags. Alles wurde von director ihm vorgegeben, der Spieler war nur Ausführender. Im Grunde war es nicht anders wie zwischen einem Arbeiter und dem Unternehmer, nur war der Fußballer zugleich Maschine und Bediener der Maschine. Er erhielt seine Identität über die Position auf dem Spielfeld. Die meisten Profifußballer der ersten Jahrzehnte kamen aus einem eher prekären Familienverhältnis und ein möglicher Verdienst von 4 Pounds pro Woche lockte viele. Ungelernte Arbeiter verdienten meist weniger als 2 Pounds/Woche. Dass sich die meisten Vereine die Ausgaben von 4 Pounds wöchentlich …

Fußballtransfer Emblem Players Union

Das Thema Fußballtransfer

Das Thema Fußballtransfer und die Transfersummen sind nicht erst seit den letzten Jahren ein Thema, dass die Gemüter erhitzt. Eine Reise ins England des 19. Jahrhunderts, ins Victorian Age, kurz nachdem hier der Fußball professionell wurde. Profifußball = Transfergebühren Mit Beginn des erlaubten Profifußballs gab es zunächst einige Fußballtransfer-Restriktionen, die Lohn der Spieler und ihren Wohnort betrafen. Diese Einschränkungen wurden im Laufe der Jahre immer mehr gelockert und zu Beginn des 20. Jahrhundert schien es, als sei ein Ende der dieser in Sicht. Das beschrieb auch John Cameron in seiner 1908 erschienen Schrift Association Football and How to play it: Es sei schon vieles besser geworden, da die Spieler das Recht auf einen besonderen Einspruch bei Komitee der Liga haben und der geforderte Betrag für den Fußballtransfer der Spieler stark reduziert wurde. Er wünschte, er würde bald ganz aufgehoben werden, denn „der Spieler soll ein Mensch und kein Sklave sein“ 1)Vgl. Cameron, John: Association Football and How to play it. London [1908]. S. 65.. Natürlich sollen Vereine eine Entschädigung für wechselnde Spieler erhalten, fand Cameron, …

Es VAR einmal … Eine kurze Geschichte des Videobeweises

Wäre das hier ein Märchen, dann wäre der Videobeweis ein magisches Zeichen (ihr wisst schon, welches) und über dessen Ausführungsberechtigung einerseits eine in Rauch gehüllte Gestalt (der Geist des Spiels) und andererseits eine bebrillte, penible Person mit erhobenem Zeigefinger (Fehlentscheidnix)  diskutieren. Aber der Videobeweis ist kein Märchen. Es gibt ihn wirklich – und wirklich lange hat man für und wider ihn diskutiert. Kommt mit auf die Tatsachenreise mit den wichtigsten Ereignissen rund um den Videobeweis. Die Geschichte des Videobeweises ist auch eine Geschichte des Einsatzes von Foto-, Video- und Televisionstechnik und ganz besonders der Zeitlupe Ziel der Filmemacher der Zwischenkriegszeit war es, das technische Können zu zeigen und bei Menschen, die nicht vor Ort an dem Sportereignis teilnehmen konnten, einen sichtbaren Eindruck zu vermitteln. Das änderte sich noch nach dem 1. Weltkrieg, als hinlänglich bekannt war, was per Fotografie und Film möglich war. Neue Geschäftsidee wurde es in England beispielsweise, bei Fußballspielen Schiedsrichterentscheidungen durch die neue Technik der Zeitlupe in Frage zu stellen und Relevanz und Nachfrage zu schaffen. So wurde auch das Finale des …

Wie Trautmann spielte

Am 14. März 2019 kam Trautmann (Originaltitel: The Keeper) in die Kinos. Der Film erzählt das Leben von Bert Trautmann, der als Torhüter von Manchester City weltweit berühmt wurde und 2004 von Queen Elizabeth II. für seine Meriten als Fußball um die deutsch-englische Verständigung als OBE aus. Er verstarb 2013. Von 1949 bis 1964 spielte Bert Trautmann für Manchester City. Wer erwartet, dass ich über die Veränderungen des Torhüterspiels während dieser Jahre schreibe, der hat den gleichen Gedankengang wie ich und muss ernüchtert feststellen: In diesen 15 Jahren betraf keine der Regeländerungen das Spiel des Torhüters. Es ist zugleich die zweitlängste Phase überhaupt, in der sich für Torhüter nichts änderte. An dritter Stelle steht die Phase zwischen 1980 (Torhüter/in darf sich bei der Ausführung des Strafstoßes auf der Torlinie bewegen) und 1992 (Verbot des Rückpasses). Die längste Phase ist die aktuelle, denn seit der Änderung der Vier-Schritte-Regel zu der Sechs-Sekunden-Regel (2000) hat sich für Torhüter nichts mehr geändert. Eine gewisse Änderung wartet aber ab der Saison 2019/20 auf sie: Wenn sie den Abstoß ausführen, muss …

Moderner Fußball um 1900

„[…] it is evident that football is quite an ancient game. Time alters everything, and it has undoubtedly done so in football. Where one used to play with half the village on one side and the same on the other, it is now restricted to sides composed of eleven players. As I have been requested to write on the modern game it is not worth while dwelling upon how it was played a hundred years ago. Football is really supposed to be a Scottish game, but it was in England that a proper Association with defined rules was first started.“ (John Cameron: Association Football and How to play it. London [1908]. S. 7.) Der Begriff des modernen Fußballs ist kein Begriff der letzten Jahrzehnte, wie ich im vergangenen Jahr in zwei Longreads bei 120minuten über England und Deutschland schon veröffentlicht und anschließend im dazugehörigen Podcast dargestellt habe. Sowohl Montague Shearman (1887), Charles William Alcock (1906) und zitierter John Cameron (1908) beschreiben in ihren Schriften über das Fußballspiel, was sich seit der Gründung des ersten Fußballverbandes 1863 bereits …

Vom Anbeginn der Strafstöße

1891 wurde der Strafstoß eingeführt, nachdem er ein Jahr zuvor in derselben Form noch abgelehnt wurde. Es dauerte aber noch elf Jahre, bis der Strafstoß in der uns bekannten Form gespielt wurde.   Strafstoßlinie statt Strafstoßpunkt Bis dahin gab es keinen festen Strafstoßpunkt, sondern eine durchgehende Strafstoßlinie 12 yd (entsprechend den elf Metern in Deutschland) vor dem Tor und parallel zur Torlinie. Der Schütze konnte von jedem Punkt auf der Linie den Strafstoß ausführen. Alle Spieler durften sich maximal 6 yd (5,5 m) dem Ball nähern, auch der gegnerische Torwart. Dafür wurde 18 yd parallel zur Torlinie eine gestrichelte Linie ergänzt. Bis zu dieser durften sich alle Spieler – abgesehen von dem Ausführenden und dem gegnerischen Torwart – nähern.   Der Torraum war bis 1902 noch nicht eckig, sondern aus zwei Halbkreisen, die sich an je einer Seite ergänzten, sodass eine B-Form entstand. Die Kreise waren jeweils 6 yd (= 5,5 m) Radius von den Torpfosten gemessen. Damit der Schiedsrichter es bei der Beurteilung leichter hatte, wurden auf manchen Spielfeldern noch eine kurze Linie 6 …

Wie sah Sporttraining früher aus?

Häufig fragte ich mich, wie früher im Profi- und Amateurbereich trainiert wurde. Wobei ich mit früher die Zeit vor 1914 meine. Ich habe lange Zeit dazu nichts gefunden, wurde nun aber in zwei zeitgenössischen Büchern fündig. Sowohl, was das Training anging als auch den Grund, weshalb ich lange nichts fand: Es gab kein Training, das den heutigen Terminus erlaubt. Dabei ist die Idee des Trainierens keine des 19. Jahrhunderts. Richard Mulcaster (1561) empfahl, dieses Spiel für „rohe Massen“ durch einen „training master“ eine Person, die „jugde over the parties and hath authroritie to commaunce“, zu kontrollieren 1)Zit. n. M. Marples: A History of Football. London 1954. S. 66-67.. Montague Shearman erwähnt zwar (1887), dass es eine Vielzahl von Büchern über Trainingübungen gibt und meint damit vor allem den Leichtathletikbereich, doch Training meinte zu dieser Zeit immer vorrangig die Ess- und Trinkgewohnheiten der Sportler, selten Bewegung. Going into training „Going into training“ meinte 1863 wie auch 1887, dass man seine Ess- und Trinkgewohnheiten zu einem für einen Sportler vermeintlich gesunden Maß reduzierte – aus heutiger Sicht …

Das Morley-Doodle und falsche Berichte

Am 16. August 2018 veröffentlichte Google ein Doodle zu Ehren des 187. Geburtstags von Ebenezer Cobb Morley in Kuba, Peru, Kolumbien, Brasilien, Argentinien, Neuseeland, Australien, China, Vietnam, Indien, Griechenland, Frankreich, Kroatien, Polen, Litauen, Estland, Deutschland und im Vereinigten Königreich. Allein in Googles Beschreibung des Doodles wimmelt es von Fehlern oder zumindest streitbaren Äußerungen, die ich in diesem Beitrag benennen möchte. Und euch dazu animieren möchte, nicht alles für bare Münze zu nehmen. Dass ich mich überhaupt mit der Entwicklung der Fußballregeln und -regelwerke beschäftige, hat mangelndes quellenbasiertes Arbeiten als Ursache. Auf der Suche nach Jahreszahlen merkte ich, dass sich Jahreszahlen widersprachen und das nur in allerseltensten Fällen auf die zeitgenössische Quelle (z.B. Zeitungsberichte) verwiesen wird. Die Annahme, dass viele einfach Informationen von zwei, drei Seiten beziehen und diese nicht weiter überprüfen, bestätigt sich immer wieder. So auch bei diesem Doodle. == Nachträglich Anmerkung: Ich habe nach Erstellen des Posts die Links nicht mehr überprüft. Gut möglich, dass manche Berichte nachträglich berichtet wurden. == Dass SWP die ersten FA-Treffen auf 1982 datiert und India Today Morley Geburtsjahr auf …

The most desirable code oder The manly game of football? Diskussionen über die ersten FA Rules

Bevor das Regelwerk der Football Association am 8. Dezember 1863 verabschiedet wurde, gab es fünf Treffen, um die Statuten und das Regelwerk für diesen Verband von Fußballclubs festzulegen; ein Regelwerk, das für alle Mitglieder bindend sein sollte. Die Treffen Zwischen dem 26. Oktober und 8. Dezember 1863 fanden sechs Treffen statt, alle in der Freemasons‘ Tavern in London, nämlich am 26.10., 10.11., 17.11., 24.11., 1.12. und schließlich am 8.12. Die Leitung oblag dem späteren FA-Vorsitzenden Arthur Pember. Bei dem ersten Treffen waren 14 Vereine, beim letzten acht Vereine vertreten, da sieben Vereine vorzeitig wieder aus dem Verband austraten, ein anderer später hinzukam. Insgesamt 44 Vereinsvertreter nahmen an den Versammlungen teil, aber nur sechs blieben ab 1864 in die FA involviert 1)http://www.scottishsporthistory.com/uploads/3/3/6/0/3360867/meeting_attendees.pdf. Am 24. November 1863 gab es das vierte Treffen und die Gründung der FA wäre durchaus schon an diesem Tag möglich gewesen, wäre es nicht zu Diskussionen um running und hacking, d.h. um das Laufen mit dem Ball in der Hand und um das gezielte Treten gegen einen Gegenspieler gekommen. Cambridge Rules als Vorbild? …