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Rules around 1870 – Football, Rugby and Miscellaneous

In Charles William Alcock’s short piece of writing The Book of Rules of the Game of Football, here online in a 1871 edition from New York, the well-known footballer of the first decades of the FA republished seven contemporary rules. For most of them it isn’t mentioned when the rules were lastly changed, but for some of them I could  trace it back. They are: FA Rules, 1870 Sheffield FA Rules, 1869 Eton Field Game, 1862 Winchester College, before 1871 Rugby School, between 1863 and 1870 Harrow School, before 1871 Cheltenham College, before 1871. In contrast to the comparisons published rules of the late 1840s, late 1850s, early 1860s (all only in German) and their comparison and my thoughts on it, in this post also rules with allowed handling and hacking are considered, viz. the rules of rugby (at the Rugby School in the 1860s) and mixed variants (Winchester College and Cheltenham College, partly also Eton Field Game). In this post I want to illustrate the diversity of the possibility football matches of the 1860s. …

Regelwerke um 1870 – Fußball, Rugby und Vermischtes

In Charles William Alcocks kurzer Schrift The Book of Rules of the Game of Football, hier in einer Ausgabe aus New York von 1871 online, gibt der bekannte Fußballfunktionär der ersten Jahrzehnte der FA sieben aktuelle Regelwerke wieder. Nicht immer ist genannt, wann diese Regelwerke erstellt bzw. zuletzt geändert worden waren, doch für manche lässt es sich rekonstruieren. Es sind: FA Rules, Stand von 1870 Sheffield FA Rules, Stand von 1869 Eton Field Game, Stand von 1862 Winchester College, Stand vor 1871 Rugby School, Stand zwischen 1863 und 1870 Harrow School, Stand vor 1871 Cheltenham College, Stand vor 1871. Im Gegensatz zu den gestern veröffentlichten Vergleichen von Regelwerken der späten 1840er, späten 1850er, frühen 1860er Regeln und deren Vergleich bzw. Entwicklung, geht es hier auch um die Regeln des Rugbys (an der Rugby School in den 1860er Jahren) und Mischvarianten (Winchester College und Cheltenham College, zum Teil auch Eton Field Game). Ich möchte die Vielfalt des Fußballspiels der 1860er Jahre verdeutlichen, denn für football gab es keine zwei eindeutigen Regelwerke, unterschieden in Assoziationsfußball (nach FA …

Vergleich: Regelwerke von 1847-1863

Nachdem häppchenweisen Vergleich verschiedener Regelwerke für Fußball ohne oder mit wenig erlaubtem Handspiel bietet es sich an, die Entwicklung der einzelnen Regeln durchzugehen. Sie sind außerdem schon in den einzelnen Beiträgen zu den Fußballregeln aufgeführt. Die einzelnen Vergleiche: Regelwerke vom Ende der 1840er Jahre Regelwerke vom Ende der 1850er Jahre Regelwerke vom Anfang der 1860er Jahre Regelwerke um 1870 – Fußball, Rugby und Vermischtes   Spielfeldmaße Spielfeldmaße sind überhaupt erst in den 1860er Jahren genannt. Da sie sich hier recht ähneln, ist davon auszugehen, dass sie sich bereits zuvor angeglichen haben und daher auch ungeschriebene Vereinbarungen vorhanden waren.   Tormaße Nur in Eton gab es eine Höhenbegrenzung, die bereits 1847 bei 2,13 m lag und sich danach nicht änderte. Alle anderen Regelwerke kannten innerhalb dieser Zeitspanne keine Höhenbegrenzung. Die Breite des Tores variierte, sofern sie überhaupt angegeben war. In Eton blieb sie konstant bei 3,35 m, in Harrow (1858) waren Tore 3,66 m breit, in Cambridge (1863) 4,57 m, bei der FA (1863) sogar 7,32 m. Es scheint, dass Tore früher wesentlich schmaler waren als heute. …

Football Rules without handling 1847-1863

After the piecemeal comparison of some different sets of rules for football without or with little allowed handling, all of them will are compared in this blogpost. The individual comparisons (all in German): Rules, end of 1840s Rules, end of 1850s Rules, begin of 1860s   The field of the play The measures of the field of the play were only mentioned in the 1860s. Since they are quite similar here, it can be assumed that they have already been aligned and that unwritten agreements were therefore also in place. Goal measures Only in Eton there was a height limit which was already 7 ft in 1847 and did not change afterwards. All other rules did not mention any height limitation within this period. The width of the goal varied, if it was specified at all. In Eton it remained constant at 11 ft, in Harrow (1858) goals were 4 yd wide, in Cambridge (1863) 5 yd, at the FA (1863) even 8 yd. It seems that goals used to be much narrower than today. …

Vergleich: Regelwerke vom Anfang der 1860er Jahre

Nachdem ich nun die Regelwerke aus den letzten Jahren der 1840er Jahre, und den letzten Jahren der 1850er Jahre vergleichen habe, sind nun Regelwerke vom Anfang der 1860er Jahre dran, d.h. Regelwerke, die zeitgleich mit den FA Rules entstanden sind. Das sind die Rules of Blackheath Football Club von 1862, die Laws of Eton Field Game von 1862, The Simplest Game (Uppingham School) von 1862, die Rules of Football as played at Shrewsbury School von 1863, die Cambridge University Rules von 1863 und die FA Rules von 1863. Auch hier vergleiche ich nur Regelwerke für Fußball ohne oder mit wenig erlaubtem Handspiel. Ein erster Blick – Gemeinsamkeiten und Unterschiede Wie in den etwa fünf Jahre vorher entstandenen Regelwerke haben auch hier alle Bestimmungen zu Handspiel, unerlaubtem Spiel und der Torerzielung, außerdem noch der Abstoß und das Abseits. Hier nun der Blick auf die einzelnen Regeln: Seitenwahl Die Seitenwahl wird in Cambridge und bei der FA durch den Münzwurf entschieden. Für Blackheath, Eton, Shrewsbury und Uppingham gibt es keine schriftlich fixierten Vorgaben. Anstoß Der Anstoß ist bei allen …

Vergleich: Regelwerke vom Ende der 1850er Jahre

Zuletzt habe ich Regelwerke aus den letzten Jahren der 1840er Jahre verglichen, nun sind es drei Regelwerke für Fußball ohne oder mit wenig erlaubtem Handspiel, die ca. zehn Jahre später veröffentlicht wurden. Nämlich die Laws of Eton Field Game von 1857, die Rules of Harrow Football von 1858 und die Sheffield Rules von 1858.   Ein erster Blick – Gemeinsamkeiten und Unterschiede In allen Regelwerken finden sich Angaben zu folgenden Regeln: Handspiel, unerlaubtes Spiel Einwurf/Einschuss, Abstoß und Eckstoß sowie Torerzielung. Also eine größere Überschneidungsmenge wie zwischen den Eton Field Game Rules von 1847 und den Surrey Rules von 1849. Da sich die hier verglichenen Regelwerke unterscheiden sich nicht so erheblich, weswegen ich hier die einzelnen Regeln inhaltlich vergleiche. Seitenwahl Durch Münzwurf in Harrow. Keine Angaben für Eton und Sheffield. Bei Harrow wurde ergänzt, dass es bei Schulspielen keinen Münzwurf gab, sonst die Mannschaft des Schulleiters die Seiten auswählte. Tormaße Keine Angabe in Sheffield und die Angaben in den anderen drei Städten variiert. Die Torbreite lag in Harrow bei 3,66 m, in Eton 3,35 m breit. Eine …

Vergleich: Regelwerke vom Ende der 1840er Jahre

Bei Wikimedia sind zwei Fußballregelwerke zur Mitte des 19. Jahrhunderts online, nämlich die Laws of Eton Field Game von 1847 und die Rules of Surrey Football Club von 1849. Ich beschränke mich auf Regelwerke für Fußball ohne oder mit wenig erlaubtem Handspiel. Ein erster Blick – Gemeinsamkeiten und Unterschiede Allein die Länge der beiden Regelwerke unterscheidet sich erheblich, den den sechs Regeln aus Surrey stehen über zwanzig der Eton School gegenüber. Und so erheblich, wie sich die Länge unterscheidet, unterscheidet sich auch der Inhalt, denn nur eine Regel findet sich in beiden Regelwerken: Wie ein Tor erzielt wird. Und, das wundert nun irgendwie nur wenig, auch diese unterscheidet beide Regelwerke. An der Eton School wurde es ganz klassisch erzielt: Zwischen den Torstangen und unterhalb einer bestimmten Höhe, die durch die Höhe der Pfosten imaginär sichtbar war. In Surrey muss der Ball dagegen über das Torseil geschossen werden. Tormaße fehlen im Regelwerk von Surrey. Rules of Surrey Football Club von 1849 Das Regelwerk von Surrey war 1849 also sehr knapp. Noch knapper, wenn man ergänzt, dass Angaben …

Vergleich: Laws of the Game 1914 & DFB-Regeln 1923

Die für die nächsten Jahrzehnte letzte Laws of the Game, die ich bislang online finden konnte, habe ich mit Hilfe des Protokolls der IFAB-Sitzung von 1914 in Paris rekonstruiert. Die Sitzung fand wenige Wochen vor Kriegsausbruch statt. Das jüngste Regelwerk des DFB, das ich einsehen konnte, ist von 1923 und befindet sich im Anhang der vierten Auflage von Richard Girulatis Buch „Fußball. Theorie, Technik, Taktik“. Ich möchte diese beiden vergleichen. Es ist zu erwarten, dass sich beide sehr ähneln, da der DFB bereits seit 1904 Mitglied in der FIFA war, die FIFA wiederum 1913 Teil des IFAB war und so das Regelwerk des DFB größtenteils mit den Laws of the Game des IFAB identisch sein muss. Größtenteils identisch, weil zwischen 1914/1918 und 1923 Regeländerungen nichts Ungewöhnliches wären und nationale Eigenheiten im Regelwerk erlaubt sind – zuletzt die Einführung des VAR in Deutschland bevor das IFAB es auch anderen Ländern freistellte es zu nutzen und die FIFA es bei der WM 2018 in Russland einsetzte. So müssten sich durch den Vergleich die ersten Regeländerungen nach dem ersten Weltkrieg …

Regeln für Umpires und Referees | Rules for Umpires and Referees

For the English readers: Please check the page, here is only the translation of the photos of „Rules for Umpires and Referees“ to German. Ich stieß zuletzt auf die Seite The Straw Plaiters, die sich mit der Geschichte des Luton Town Football Club in der viktorianischen Zeit beschäftigt. Dort findet sich auch ein Auszug aus einem Heft(?) über Football laws, tactics and kit 1885 to 1901. Es beginnt mit den Laws of the Game von 1885, dem Gründungsjahr des Luton Town FC. Nachfolgend wurden Fotos eingefügt, die den Schiedsrichtern, den Umpires and dem Referee die Regeln näher erklärten. Umpires gab es zwei, da jeder Club einen stellte. Beide unterstanden dem Referee, einer überparteilichen Instanz, die von beiden Clubs vor dem Spiel einvernehmlich akzeptiert wurde. Alle drei weilten außerhalb des Spielfeldes und reagierten zuvor nur auf Anrufung – der Spieler, sollten diese unterschiedlicher Meinung sein (Umpires) oder auf Anrufung der Umpires, wenn diese sich nicht einigen konnten (Referee) -, entschieden mittlerweile aber bei Regelverletzungen augenblicklich. Signalgeber waren damals Stock (Umpires) und eine Pfeife (Referee). Beschrieben sind …

The IFAB from 1886 to 1914

This blogpost is about its development until the First World War. The minutes of the individual meetings are linked at the end of the article. The Statutes of the IFAB Until 1893 the union of the national associations from England, Scotland, Ireland and Wales called itself International Board. In the meeting on 17th July 1893 this board adopted its constitution: The board is called the International Football Association Board. The four associations, namely the Scottish Football Association (SFA), the English Football Association (FA), the Walloon Association of Football (WAF) and the Irish Football Association (IFA), each send two representatives to the meetings. Supplement on 4th April 1913: Two FIFA representatives were added to the board. The board shall discuss and decide on rule changes and, at the request of the associations and national general meetings, matters relating to association football in its international relations. Suggestions and amendments concerning the regulations must be received by 1st February each year and will be printed and distributed for the national general meetings on 1st March. These two dates have …

Das IFAB 1886-1914

Zuletzt habe ich einen kurzen Beitrag über die Gründungszeit des IFAB geschrieben, nun geht es um seine Entwicklung bis zum ersten Weltkrieg. Die Protokolle der einzelnen Sitzungen sind am Ende des Beitrags verlinkt. Die Satzung des IFAB Bis 1893 nannte sich der Zusammenschluss der nationalen Verbände aus England, Schottland, Irland und Wales International Board, d.h. Internationales Gremium. In der Sitzung am 17. Juli 1893 verabschiedete dieses Komitee seine Satzung: Das Gremium nennt sich International Football Association Board. Die vier Verbände, nämlich der schottische Verband (künftig SFA), der englische Verband (künftig FA), der walische Verband (künftig WAF) und der irische Verband (künftig IFA), senden je zwei Vertreter zu den Sitzungen. Ergänzung am 4. April 1913: Zwei Vertreter der FIFA ergänzen das Gremium. Das Gremium erörtert und beschließt Regeländerungen und auch auf Bitte der Verbände und nationalen Generalversammlungen Angelegenheiten, die den Verbandsfußball in seinen internationalen Beziehungen betreffen. Vorschläge und Änderungswünsche das Regelwerk betreffend müssen bis zum 1. Februar eines Jahres vorliegen und werden für die nationalen Generalversammlungen am 1. März gedruckt und verteilt. Diese beiden Datierung wurde zwei …

Die Entstehung des IFAB und seine Regelwerkänderungen

Dieser Beitrag behandelt die Gründungszeit des IFAB während der Jahre 1882 bis 1886.   Das International Football Association Board, kurz: das IFAB, berät beim ersten seiner beiden jährlichen Treffen im Februar oder März jeden Jahres das Fußballregelwerk. Dieses ist für seine Mitglieder, nämlich die Verbände von England, Schottland, Wales, Nordirland (bis 1921 Irland) und alle Mitgliedsverbände der 1904 gegründeten FIFA. Dabei sind nicht alle FIFA-Mitglieder vertreten, sondern vier von ihnen. Die vier FIFA-Vertreter können nur en bloc abstimmen, die vier Vertreter von England, Schottland, Wales und Nordirland getrennt. Es ist eine Zweidrittelmehr für Regeländerungen erforderlich, sodass weder die FIFA noch die vier Gründungsmitglieder des IFAB einander überstimmen können. Änderungen der Spielregeln treten zum 1. Juli in Kraft. Das IFAB wurde am 2. Juni 1886 in London durch die Verbände von England (FA), Schottland (SFA), Irland (IFA) und Wales (FAW) gegründet. Bereits am 6. Dezember 1882 gab es ein Treffen dieser vier Verbände in Manchester, um ein gemeinsames Turnier zu planen (British Home Championship, 1883/84 bis 1983/84 ausgetragen). Hierfür wollten sie ihre sich noch leicht unterscheidenden …

The origin of the IFAB and its changing rules and regulations

This article treat the founding period of the IFAB during the years 1882 to 1886.   The International Football Association Board, or IFAB for short, discusses the football rules at the first of its two annual meetings in February or March each year. This is for its members, namely the associations of England, Scotland, Wales, Northern Ireland (until 1921 Ireland) and all member associations of FIFA, which was founded in 1904. Not all FIFA members are represented, but four of them. The four FIFA representatives can only vote en bloc, the four representatives from England, Scotland, Wales and Northern Ireland separately. A two-thirds majority is required for rule changes so that neither FIFA nor the four founding members of the IFAB can outvote each other. Changes to the rules of the game will come into force on 1st July. The IFAB was founded in London on 2nd June 1886 by the associations of England (FA), Scotland (SFA), Ireland (IFA) and Wales (FAW). Already on 6th December 1882 there was a meeting of these four federations …

The development of the FA Rules from 1863 to 1882

In 1863 the FA was founded in London. The annual general meetings of the members 1)From 1876 an entrance fee of 5s was due; the annual fee until 1868 was 1 guinea, then another 5s – the latter was about the weekly wage of a worker. there was a board (chairman, secretary, treasurer) as well as a committee whose size changed in the first twenty years (1863: 4 – 1868: 10 – 1872: 17 – 1880: 16). The FA members were forbidden to play games against non FA members and to use other rules than the FA Rules. These were valid until 1874, from their decision in September (until 1865) and February (1866-1874) respectively. From 1874 they became valid at the beginning of the coming season in the autumn of the same year. In contrast to the evaluation of the Sheffield Rules, here I do not proceed chronologically, but (rule) thematically. I hope that this will make it easier for you to read. At this point I would also like to refer to the study …

Die Entwicklung der FA Rules von 1863 bis 1882

1863 wurde die FA in London gegründet. Den jährlichen Generalversammlungen der Mitgliedervereine 1)Ab 1876 war eine Eintrittsgebühr von 5s fällig; die Jahresgebühr lag bis 1868 bei 1 guinea, dann bei weiteren 5s – letzteres war etwa der Wochenlohn eines Arbeiters. stand ein Vorstand (Vorsitzender, Schriftführer, Kassierer) sowie ein Komitee vor, dessen Größe sich in den ersten zwanzig Jahren wandelte (1863: 4 – 1868: 10 – 1872: 17 – 1880: 16). Den FA-Mitgliedern war es verboten, Spiele gegen Nicht-FA-Mitglieder zu spielen und andere Regeln zu benutzen als die FA Rules. Diese hatten bis 1874 Gültigkeit ab ihrem Beschluss im September (bis 1865) bzw. Februar (1866-1874). Ab 1874 wurden sie zum Beginn der kommenden Saison im Herbst des gleichen Jahres rechtskräftig. Im Gegensatz zur Auswertung der Sheffield Rules gehe ich hier nicht chronologisch, sondern (regel-)thematisch vor. Ich erhoffe mir so eine bessere Lesbarkeit für euch. An dieser Stelle möchte ich auch auf die Studie von Tony Brown von 2011 2)Vgl. Brown, Tony: The Football Association 1863-1883. A Source Book. Nottingham 2011. aufmerksam machen, die die gleiche Untersuchung …

Das Morley-Doodle und falsche Berichte

Am 16. August 2018 veröffentlichte Google ein Doodle zu Ehren des 187. Geburtstags von Ebenezer Cobb Morley in Kuba, Peru, Kolumbien, Brasilien, Argentinien, Neuseeland, Australien, China, Vietnam, Indien, Griechenland, Frankreich, Kroatien, Polen, Litauen, Estland, Deutschland und im Vereinigten Königreich. Allein in Googles Beschreibung des Doodles wimmelt es von Fehlern oder zumindest streitbaren Äußerungen, die ich in diesem Beitrag benennen möchte. Und euch dazu animieren möchte, nicht alles für bare Münze zu nehmen. Dass ich mich überhaupt mit der Entwicklung der Fußballregeln und -regelwerke beschäftige, hat mangelndes quellenbasiertes Arbeiten als Ursache. Auf der Suche nach Jahreszahlen merkte ich, dass sich Jahreszahlen widersprachen und das nur in allerseltensten Fällen auf die zeitgenössische Quelle (z.B. Zeitungsberichte) verwiesen wird. Die Annahme, dass viele einfach Informationen von zwei, drei Seiten beziehen und diese nicht weiter überprüfen, bestätigt sich immer wieder. So auch bei diesem Doodle. == Nachträglich Anmerkung: Ich habe nach Erstellen des Posts die Links nicht mehr überprüft. Gut möglich, dass manche Berichte nachträglich berichtet wurden. == Dass SWP die ersten FA-Treffen auf 1982 datiert und India Today Morley Geburtsjahr auf …

The most desirable code oder The manly game of football? Diskussionen über die ersten FA Rules

Bevor das Regelwerk der Football Association am 8. Dezember 1863 verabschiedet wurde, gab es fünf Treffen, um die Statuten und das Regelwerk für diesen Verband von Fußballclubs festzulegen; ein Regelwerk, das für alle Mitglieder bindend sein sollte. Die Treffen Zwischen dem 26. Oktober und 8. Dezember 1863 fanden sechs Treffen statt, alle in der Freemasons‘ Tavern in London, nämlich am 26.10., 10.11., 17.11., 24.11., 1.12. und schließlich am 8.12. Die Leitung oblag dem späteren FA-Vorsitzenden Arthur Pember. Bei dem ersten Treffen waren 14 Vereine, beim letzten acht Vereine vertreten, da sieben Vereine vorzeitig wieder aus dem Verband austraten, ein anderer später hinzukam. Insgesamt 44 Vereinsvertreter nahmen an den Versammlungen teil, aber nur sechs blieben ab 1864 in die FA involviert 1)http://www.scottishsporthistory.com/uploads/3/3/6/0/3360867/meeting_attendees.pdf. Am 24. November 1863 gab es das vierte Treffen und die Gründung der FA wäre durchaus schon an diesem Tag möglich gewesen, wäre es nicht zu Diskussionen um running und hacking, d.h. um das Laufen mit dem Ball in der Hand und um das gezielte Treten gegen einen Gegenspieler gekommen. Cambridge Rules als Vorbild? …

Sheffield FA und London FA 1877

In der Darstellung der Sheffield FA Rules ist es schon angeklungen: 1877 übernahm die Sheffield FA die FA Rules, nachdem über mehrere Jahre immer wieder versucht wurde, Kompromisse zu finden. Es gab immer wieder Treffen, insbesondere zwischen John Charles Shaw und Charles William Alcock. Es gab Annährungsversuche und offene Dissonanzen zwischen den beiden Verbänden über die Regeln für Assoziationsfußball. Auch war immer ein Vertreter des Sheffield FC, ab 1867 der Sheffield FA bei den jährlichen Generalversammlungen der FA in London anwesend und auch im Komitee vertreten. Ich weiß aber aktuell nicht, wie die Beziehung von Sheffield FC bzw. FA zur Londoner FA waren, denn alle Mitglieder mussten zwingend nach FA Rules spielen, was in Sheffield ja nicht praktiziert wurde.

Sheffield FA and London FA 1877

In 1877 the Sheffield FA adopted the FA Rules after several years of trying to find compromises. Between 1863 and 1877, there were meetings again and again, especially between John Charles Shaw and Charles William Alcock. There were attempts at rapprochement and open dissonances between the two associations on the rules for association football. A representative of Sheffield FC, from 1867 the Sheffield FA, was always present at the annual general meetings of the FA in London and also represented on the committee. But I don’t know what the relationship of Sheffield FC or FA to the London FA was like, because all members had to play according to FA Rules, which was definitely not practiced in Sheffield. (If you know it, please use the comments.) Sheffield FA and Football Association organized a game for December 2, 1871 with Sir John Charles Clegg, a game between selections of both associations to try out the rules of the other. Shaw and Alcock were the captains of the two selections. But no agreement was reached yet. But …

Die Entwicklung der Sheffield Rules

Ich bin in diesem Monat auf diese Seite gestoßen, die mehrere Sheffield Rules aufführt. Mehr als nur die vier, die ich bislang genutzt habe. So habe ich die verschiedenen Regeln und die knappe Geschichte der Sheffield FA Rules nun aktualisieren können. Hier soll es nun etwas ausführlicher das Regelwerk aus Sheffield dargestellt werden, aber natürlich nicht so ausführlich, wie es diverse Bücher behandeln, die den Sheffield FC in seinen Anfängen betrachtet. Es ist die Ausarbeitung meines Vergleichs. Meinen ersten Fehler, der mir bei der Analyse ins Auge stach war, dass die Sheffield FA nicht gleichzeitig mit dem Sheffield FC gegründet wurde, sondern erst 1867, also neun Jahre später. Somit nach der Gründung der Football Association. Letztere bestand zwar vor allem außer Londoner Fußballvereinen, aber an der Gründung waren nicht nur Londoner Vereine beteiligt, sondern beispielsweise auch ein Vertreter des Sheffield FC anwesend. So geht es erstmal um die … Sheffield FC Rules (1858-1867) Die Entwürfe und erste veröffentlichte Fassung 1858 Der erste Entwurf Der Sheffield FC wurde am 24. Oktober 1857 vom Rechtsanwalt Nathaniel Creswick …

The development of the Sheffield Rules

This month I came across this page listing several Sheffield Rules. More than just the four I’ve used so far. So I was able to update the different rules and the short history of the Sheffield FA Rules. Here it shall be presented now a little bit more detailed the rules from Sheffield, but of course not as detailed as several books treat it, which considers Sheffield FC in its beginnings. It is the elaboration of my comparison. My first mistake that caught my eye in the analysis was that Sheffield FA was not founded at the same time as Sheffield FC, but in 1867, nine years later. So after the Football Association was founded. The latter existed mainly outside London football clubs, but not only London clubs were involved in the founding, but also, for example, a representative of Sheffield FC was present. So it’s first about the … Sheffield FC Rules (1858-1867) The drafts and the first published version 1858 The first draft Sheffield FC was founded on 24th October 1857 by solicitor …

Was uns die Engländer vor Allem lehrten, war, dass der Ball nicht geschleudert, sondern gerollt werden muss. Das ist sozusagen die Quintessenz des Spieles

Am 19. Februar 1899 machte die Wiener Allgemeine Sport-Zeitung bekannt1)Vgl. NN: Die Oxforder Mannschaft in Wien. In: Allgemeine Sport-Zeitung [Wien], 19.02.1899. S. 192. Letzter Zugriff: 04.03.2018., dass der Oxford University Association Football Club zu Spielen in Prag und Wien über die Ostertage nach Österreich reiste. Einem damals sehr erfolgreichen Club der Football Association, der als Universitätsverein nun in der Liga der Fußballmannschaften von britischen Universitäten und Colleges der Midlands-Region (um Birmingham), spielt. Die Spiele gegen den Deutschen Fußballclub und Slavia (beide Prag) fanden Ende März statt, die Spiele in Wien Anfang April. Der Artikel stellt außerdem die Mannschaft des Oxford University AFC mit vorherig besuchtem College, Größe, Gewicht, Position und weiteren Sportarten, die sie betrieben, vor. Die Spiele fanden in Wien gegen den Wiener Athletiksport-Club statt und zwar gegen eine Mannschaft mit Österreichern und Engländern („gemischte Mannschaft“) und eine Mannschaft mit nur Österreichern („deutsche Mannschaft“). Die „deutsche Mannschaft“ bestand dabei aus drei Spielern der „gemischten“ Startelf ,drei genannten Ersatzspielern und fünf weiteren, die für das Spiel der „gemischten Mannschaft“ nicht berücksichtigt wurden. Um 15:30 Uhr …

What the English teach us most of all was that the ball must not be kicked in the air, but rolled; that is the quintessence of the game

On 19 February 1899 the Wiener Allgemeine Sport-Zeitung1)Cf. NN: The Oxford team in Vienna. In: Allgemeine Sport-Zeitung [Vienna], 19.02.1899. p. 192. Last accessed: 04.03.2018. brought attention to the travel of the Oxford University Association Football Club to Austria for matches in Prague and Vienna during the Easter holidays. Oxford University AFC was 1899 a very successful club of the Football Association, still existing in 2018, but now playing in the league of the football teams of British universities and colleges of the Midlands region (around Birmingham). The matches against the Deutschen Fussball Club and Slavia (both from Prague) took place at the end of March, the matches in Vienna against a „mixed [nation] team“ and „German [Austrian] team“ of the Athletik-Sport-Club at the beginning of April. The article also introduces the players of Oxford University AFC with information about the previously attended college, size, weight, position and other sports they played. At 3:30 pm on 2nd April and 3rd April the matches were played in the Prater (now Ernst Happel Stadium).2)Cf. NN: The Oxford team …

Sport als Gottes-Dienst

Das Stadion oder die Halle als heilige Stätte, Pokale, Sportutensilien wie Fußbälle und Trikots als heilige Gegenstände, die immerwährende Hoffnung, das Unerreichbare zu schaffen, das Nutzen neuer Chance, Fehler wiedergutzumachen und so Buße zu tun, der Aberglaube, immer das gleiche Trikot zu tragen oder immer an der gleichen Stelle zu sein … Sportarten haben einiges mit Glaube und Religion zu tun. Die populärste unter ihnen, das Fußballspiel, kann am einfachsten bisherige Ungläubige überzeugen und gläubig machen. Aber darum soll es in diesem Beitrag gar nicht gehen, sondern vielmehr um muscular Christanity – um das Muskelchristentum.

Englischer Fußball und Pubs

Im frühen 19. Jahrhundert zogen in England  zahlreiche Arbeiter an den Rand der Städte (die so genannte Urbanisierung), wohnten häufig in den gleichen Straßenzüge und Quartieren, meist in Reihenhaussiedlungen und suchten nach ihrer Identität. Auch in den Fabriken blieben sie anonym. Die Straße wurde ein wichtiger Sozialisationsort für die Arbeiter, denn sie gab ihnen Identität. Und die noch nicht völlig regulierte, aber gewalttätigere Form des Fußballs war ein bewährtes Mittel zum Abbau von Aggressionen.

Über Verletzungen beim Fußball um 1900

Das Bild, das Fußballskeptiker und -gegner Ende des 19. Jahrhunderts in Deutschland formten, vermischte die medizinische Sorge, der menschliche Körper sei einer so langen ausdauernden Anstrengung nicht gewachsen, mit der nationalen Ideologie von Turnern und vermischte Statistiken über Verletzungen bei Fußball, Rugby und American Football. 1893 titelte die Westminster Gazette in bedrohlichen Worten, dass das Fußballspiel „71 blühende Jünglinge dahingerafft“ habe. Fußball belastet das Herz und die Lunge zu enorm. Und wenn das nicht zum Tode führt, dann doch die gewalttätige Spielweise, die regelmäßig Knochen bersten lässt. Und dazu noch diese unnatürliche, nach vorne gebeugte Haltung, die so gar nicht deutsch ist. – So die Gegner des Fußballspiels wie auch anderen Sportarten. Die Befürworter von den Sportarten, die Ende des 19. Jahrhunderts nach Deutschland kamen, ließen sich solche Anschuldigungen natürlich nicht lange auf sich sitzen und widerlegten die Anschuldigungen. Immer wieder finden sich in den Sportzeitungen und im Fußball-Jahrbüchern des DFB vor dem ersten Weltkrieg Rechtfertigungen, warum Fußball nicht derart gewalttätig sei wie dargestellt, sondern sogar Vorteile hätte. Todesfälle gab es übrigens weder 1912 noch …

About injuries in football around 1900 in Germany

The image that football sceptics and opponents formed in Germany at the end of the 19th century mixed the medical concern – that the human body could not cope with such a long and enduring effort – with the national ideology of gymnasts, and mixed statistics on injuries in football, rugby and American football. In 1893, the Westminster Gazette in threatening words titled the soccer game „71 blooming youngsters have been killed“. Football puts too much strain on the heart and lungs. And if that doesn’t lead to death, then it’s the violent way of playing that regularly bursts bones. And in addition this unnatural, forward bent posture, which is not at all German. – So the opponents of the football play like also other kinds of sports. The supporters of the sports, English men in Germany at the end of the 19th century and enthusiastic German, refuted the accusations. Again and again the sports newspapers and the DFB’s football yearbooks before the First World War was justifying why football was not as violent as …

Prost Neujahr!

… Es begab sich aber zu der Zeit daß man sich eines alten Brauches entsann, dass das neue Jahr mit Fußball begonnen werden müsse. Da machten sich auch auf die Leipziger Spielvereinigung, aus dem Arbeiterturnverband, in das Gebiet, das da heißt Spielfeld am Heldischen Restaurant … Nunja, von einem alten Brauch zu sprechen, wenn das moderne Fußballspiel erst zehn, zwanzig Jahre im deutschen Kaiserreich bekannt war, erinnert mich sehr an Ebayangebote von uralten, antiken Büchern, die aber aus den 1970er Jahren sind. Aber den Brauch gab es wirklich. Spiel und Sport 4 (1894), 6. Januar 1894, S. 2: „Spielvereinigung im A. T. V. [= Arbeiterturnverband] zu Leipzig. Gleich wie in früheren Jahren, hielt auch dieses Jahr diese Vereinigung ihre Sylvesterfeier[!] durch Vorträge und Gesang in dem an dem Spielfelde gelegenen Helbig’schen Restaurant ab. Nach altem Brauche begaben sich die Mitglieder um ¾ 12 Uhr mit einem Fussball versehen, auf den Spielplatz. Punkt 12 Uhr wurde der erste Stoss gemacht und so das neue Jahr wieder mit Fussball begonnen. Nachdem so ¼ Stunde lang gespielt worden …

Advent in den Blogs – Der Fußball-Weihnachtskalender, Tür 20: What about sports?

„Sport umfasst einen Begriff, den wir nicht durch eine Erklärung zu verdeutlichen im Stande sind.“ Dieser Satz ist aus dem Handbuch des Damen-Sports von Leopold v. Heydenbrand, 1886 in Wien gedruckt (Seite 1). Er ermuntert vielleicht im ersten Moment zu einem leichten Schmunzeln, vielleicht auch zu einem verwunderten Zucken der Augenbrauen. Das Wort Sport gab es nicht vor der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, wurde dann aber sehr schnell in die deutsche Sprache übernommen und nicht eingedeutscht. Das ist schon verwunderlich, da zur gleichen Zeit Konrad Koch und der Zentralausschuss zur Förderung der Volks- und Jugendspiele in Deutschland erfolgreich für die Einführung deutscher Begriffe im Fußball plädierten. Und die Enzyklopädien, Lexika und Handbücher des 19. Jahrhunderts versuchten sich in Übersetzungen, um das unbekannte Wort zu erklären. Etymologisch gesehen trafen sie mit den Begriffen Liebhaberei, Vergnügen, Belustigung, Zeitvertreib, Unterhaltung oder Scherz auch durchaus ins Schwarze, denn „sports“ leitet sich vom mittelenglischen „disport“ und dieses wiederum vom altfranzösischen „desport“ bzw. altitalienischen „diporto“ ab: Belustigung, Freude, Vergnügen. Aber Sport nur mit Vergnügung oder einem Zeitvertreib zu übersetzen ist …

Advent in den Blogs – Der Fußball-Weihnachtskalender, Tür 19: Wissenschaftliches Spiel – Kombinationsfußball

In diesem Beitrag geht es um die Anfänge des combination game im Fußball – um Kombinationsfußball. Wer hat’s erfunden? Nun, das ist umstritten: Manche Quellen nennen schottische Fußballspieler, die ihre eigene Idee eines Fußballspiels nach England brachten und mit ihrem Doppelpassspiel andere Mannschaften locker ausspielten. Oder waren es Clubs aus Sheffield, die in ihrer Football Association das auch für Zuschauer attraktivere „backing up and passing on“ spielten? Durch die Absicherung wurde ein schnelles, sauberes Spiel möglich. Zudem wurden die Begriffe combination game und scientific game schon Jahrzehnte vorher im Rugby und Cricket verwendet und bezeichnete immer eine neuartige Spielweise. Es bezeichnet ein Spiel mit Feinheiten, das vorausgeplant wurde. Der Assoziations-Kombinationsfußball wird schlicht an mehreren Orten in den 1870er und 1880er Jahren entstanden sein. Grund dafür ist auch die erste Veränderung der Abseitsregel 1866 (London Association) bzw, 1871 (Sheffield Association). Bis 1866 gab es eine sehr restriktive Abseitsregel: Abseits ist, wer von den angreifenden Spielern vor die Balllinie kam. Es blieb also als spielerische Möglichkeit nur, den Ball immer nach vorne zu treiben. Wie sollte sie unter …