Alle Artikel in: Aus den Anfängen des Association Football

Fellowes‘ The English Game – wie wahr ist die Story?

In diesem Artikel geht es um die neue Mini-Serie von Julian Fellowes, The English Game, die seit dem 20. März 2020 bei Netflix verfügbar ist. Wie schon im Trailer steht, basiert die Story auf wahren Gegebenheiten. Doch wie sehr? Um es ganz kurz zu machen: Der Kern stimmt, vieles von den Geschichten drumherum nicht. Aber es ist ja auch keine Dokumentation, sondern eine Geschichte, die spannend, schmackhaft und bekömmlich sein soll, wie bei einer Frucht das Fruchtfleisch um den Kern. Dafür plädierte auch mehrfach der schottische Fußballhistoriker Andy Mitchell, der als Berater bei der Serie fungierte. Aber was genau stimmt nicht? Das liste ich euch knapp in diesem Beitrag auf. Damit will ich euch nicht die Serie versauen – und mache es hoffentlich auch nicht. Ich will damit lediglich einer Glorifizierung entgegenwirken, die passieren kann, wenn man alle Ereignisse der Serie für historisch korrekt hält. . CN: Spoiler & Desmytifizierung (ja, das Wort Desmytifizierung gibt es tatsächlich) . . . Fußballspielbegegnungen Bei der Serie gibt es nicht viele Spielbegegnungen. Das FA-Cup 1878/79, Old Etonians gegen …

Fußballprofi – und danach?

In diesem Blogartikel geht um Profifußballspieler zwischen 1885 und 1914 in England: Über ihren Lohn, ihre Arbeitsstelle, ihre Zukunft nachdem Profifußball. Seitdem hat sich manches verändert und manches nicht.   Servant & Master Die Beziehung zwischen dem Fußballspieler und dem director, der meist sowohl Trainer als auch Manager des Vereins war, war die klassische Hierarchie zwischen einem Meister („master“) und einem Bediensteten („servant“. Diese Begriffe verwendete die zeitgenössische Presse, um Hierarchien zu beschrieben und zementieren. Tatsächlich hatte der Fußballer wenig bis keine Kontrolle auf Arbeitspläne oder Konditionen des Vertrags. Alles wurde von director ihm vorgegeben, der Spieler war nur Ausführender. Im Grunde war es nicht anders wie zwischen einem Arbeiter und dem Unternehmer, nur war der Fußballer zugleich Maschine und Bediener der Maschine. Er erhielt seine Identität über die Position auf dem Spielfeld. Die meisten Profifußballer der ersten Jahrzehnte kamen aus einem eher prekären Familienverhältnis und ein möglicher Verdienst von 4 Pounds pro Woche lockte viele. Ungelernte Arbeiter verdienten meist weniger als 2 Pounds/Woche. Dass sich die meisten Vereine die Ausgaben von 4 Pounds wöchentlich …

Fußballtransfer Emblem Players Union

Das Thema Fußballtransfer

Das Thema Fußballtransfer und die Transfersummen sind nicht erst seit den letzten Jahren ein Thema, dass die Gemüter erhitzt. Eine Reise ins England des 19. Jahrhunderts, ins Victorian Age, kurz nachdem hier der Fußball professionell wurde. Profifußball = Transfergebühren Mit Beginn des erlaubten Profifußballs gab es zunächst einige Fußballtransfer-Restriktionen, die Lohn der Spieler und ihren Wohnort betrafen. Diese Einschränkungen wurden im Laufe der Jahre immer mehr gelockert und zu Beginn des 20. Jahrhundert schien es, als sei ein Ende der dieser in Sicht. Das beschrieb auch John Cameron in seiner 1908 erschienen Schrift Association Football and How to play it: Es sei schon vieles besser geworden, da die Spieler das Recht auf einen besonderen Einspruch bei Komitee der Liga haben und der geforderte Betrag für den Fußballtransfer der Spieler stark reduziert wurde. Er wünschte, er würde bald ganz aufgehoben werden, denn „der Spieler soll ein Mensch und kein Sklave sein“ 1)Vgl. Cameron, John: Association Football and How to play it. London [1908]. S. 65.. Natürlich sollen Vereine eine Entschädigung für wechselnde Spieler erhalten, fand Cameron, …

Was uns die Engländer vor Allem lehrten, war, dass der Ball nicht geschleudert, sondern gerollt werden muss. Das ist sozusagen die Quintessenz des Spieles

Am 19. Februar 1899 machte die Wiener Allgemeine Sport-Zeitung bekannt1)Vgl. NN: Die Oxforder Mannschaft in Wien. In: Allgemeine Sport-Zeitung [Wien], 19.02.1899. S. 192. Letzter Zugriff: 04.03.2018., dass der Oxford University Association Football Club zu Spielen in Prag und Wien über die Ostertage nach Österreich reiste. Einem damals sehr erfolgreichen Club der Football Association, der als Universitätsverein nun in der Liga der Fußballmannschaften von britischen Universitäten und Colleges der Midlands-Region (um Birmingham), spielt. Die Spiele gegen den Deutschen Fußballclub und Slavia (beide Prag) fanden Ende März statt, die Spiele in Wien Anfang April. Der Artikel stellt außerdem die Mannschaft des Oxford University AFC mit vorherig besuchtem College, Größe, Gewicht, Position und weiteren Sportarten, die sie betrieben, vor. Die Spiele fanden in Wien gegen den Wiener Athletiksport-Club statt und zwar gegen eine Mannschaft mit Österreichern und Engländern („gemischte Mannschaft“) und eine Mannschaft mit nur Österreichern („deutsche Mannschaft“). Die „deutsche Mannschaft“ bestand dabei aus drei Spielern der „gemischten“ Startelf ,drei genannten Ersatzspielern und fünf weiteren, die für das Spiel der „gemischten Mannschaft“ nicht berücksichtigt wurden. Um 15:30 Uhr …

What the English teach us most of all was that the ball must not be kicked in the air, but rolled; that is the quintessence of the game

On 19 February 1899 the Wiener Allgemeine Sport-Zeitung1)Cf. NN: The Oxford team in Vienna. In: Allgemeine Sport-Zeitung [Vienna], 19.02.1899. p. 192. Last accessed: 04.03.2018. brought attention to the travel of the Oxford University Association Football Club to Austria for matches in Prague and Vienna during the Easter holidays. Oxford University AFC was 1899 a very successful club of the Football Association, still existing in 2018, but now playing in the league of the football teams of British universities and colleges of the Midlands region (around Birmingham). The matches against the Deutschen Fussball Club and Slavia (both from Prague) took place at the end of March, the matches in Vienna against a „mixed [nation] team“ and „German [Austrian] team“ of the Athletik-Sport-Club at the beginning of April. The article also introduces the players of Oxford University AFC with information about the previously attended college, size, weight, position and other sports they played. At 3:30 pm on 2nd April and 3rd April the matches were played in the Prater (now Ernst Happel Stadium).2)Cf. NN: The Oxford team …