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Die Rückpassregel

„Goalkeepers have this strange superpower, which they use to ruin everyone else’s fun.“ Gemeint ist das erlaubte Handspiel von Torhüter:innen. Boris Bischoff empfahl Mitte Oktober 2019 diesen Bericht zur Geschichte der Rückpassregel, auf den ich auch noch mal per Blogeintrag aufmerksam machen möchte. Hey @CollinasErben! Habt ihr das schon gesehen? Hier geht’s um die Veränderung der Rückpassregel: Unsure Footing https://t.co/zZnLu840tB — Boris Bischoff 👨🏽‍🚀🇪🇺 (@borisbischoff) October 18, 2019   Die Einführung der Rückpassregel Anfang der 1990er Jahre Bereits 1981 diskutierte man bei der Jahresversammlung des IFAB (“AGM”) über das Thema Rückpass und Zeitvergeudung. „Is own penalty area timewasting?“ fragte die FIFA. Damals war das Gremium der Ansicht, dass es keine Zeitvergeudung ist, da die gegnerischen Spieler das Recht haben, einzuschreiten. Das war, wie der verlinkte Text schreibt, nach der WM 90 anders. 1991 wurde vom IFAB der FIFA erlaubt, als Experiment bei der U17 Männer-WM 1991 Rückpässe zu verbieten und bei einem Verstoß einen indirekten Freistoß für das Team an der Stelle zu verheben, wo der Torhüter dem Ball mit den Händen berührte. Das Experiment war …

Das Eton Field Game

Das Eton Field Game gehört zu den drei Fußballspielarten an den public schools, die dem Verbandsfußball sehr ähneln. Grund genug, es hier knapp vorzustellen und zwar anhand einer Beschreibung, die 1887 Montague Shearman verfasste.   Eton Field Game Allgemeines Das Spielfeld ist ein offenes Feld, ca. 100-120 yd lang und 80-100 yd breit, dessen Ränder als schmale Linie in den Rasen geschnitten ist. Die Tore sind 12 ft breit und 6 ft hoch, jeweils mit zwei Pfosten und einer Latte begrenzt. Es spielen elf Spieler auf beiden Seiten, wobei es für gewöhnlichen Spielen („ordinary games“) keine Obergrenze gibt. Die Ball hat einen Umfang von 13-14 in, ist also halb so groß wie der des Verbandsspiels. Zum Spiel Elf Spieler arrangieren sich wie folgt: Der Bully („Gemenge“) (bestehend aus einem „post“, „back-up post“, und zwei oder drei „side posts“, insgesamt vier oder fünf Spielern); die außerhalb des Bully, d.h. ein „corner“ auf beiden Seiten des Bully (entspricht genau der Position des Half Back im Rugby-Union-Spiel) und dem „behind-the-bully“ oder „flying-man“, der hinter dem Bully steht; und …

Harrow Game

Das Harrow Game gehört zu den drei Fußballspielarten an den public schools, die dem Verbandsfußball sehr ähneln. Grund genug, es hier knapp vorzustellen und zwar anhand einer Beschreibung, die 1887 Montague Shearman verfasste.   Harrow Game Allgemeines Bis in die 1880er Jahre mussten die Schüler in Harrow mindestens zwei Mal pro Woche Fußballspielen. Dabei glich dieses Spiel noch am meisten der rudimentären Form des Fußballspiels. Grund dafür war die Lage Harrows: Der Ort lag auf einem Hügel, die Fußballfelder am Fuße dieses – mitten auf immer unter Wasser stehenden oder schlammigen Tonboden. Daher war es wichtig, dass sich die Spieler durchgehend bewegen und der Ball schwer und oval sein musste. Regelverletzungen waren selten, weil jedes Vergehen des Anschluss vom Spiel nach sich zog. Die Größe des Spielfeldes und Breite des Tores sind bei Shearman nicht angegeben. Eine Höhenbegrenzung hatte das Tor nicht. Zum Spiel In Harrow wurde im 1-1-9 ohne festen Torwart gespielt: Einem „whole back“ (vorher: „base“), einem „half back“ (vorher: „second base“) und neun Stürmern nämlich jeweils zwei Flügelstürmer auf jeder Seite („upside“ …

Prämien für Sportzeitungsabonnements 1894

Dieser Blogbeitrag hat mehr mit Sportgeschichte als mit Fußballgeschichte zu tun. Aber das macht es nicht minder interessant: Dies sind die Prämien, die die Sportzeitung Spiel und Sport 1894 für die erfolgreiche Werbung von drei, sechs, zehn, 25, 50, 100 und 250 neuen Abonnements vergab.1)Vgl. Spiel und Sport 4 (1894), 6. Oktober 1894. S. 19-20. Hier die Übersicht, nach Abonnements gestaffelt, unterteilt in Sportgeräte und -kleidung sowie Nicht-Sportgeräte und -kleidung Da sich die Spiel und Sport vor allem auf Cricket, Lawn-Tennis und Assoziationsfußball konzentrierte, überrascht es nicht, dass die meisten Prämien Sportgeräte für diese Sportarten waren. Aber auch für Radfahrer, Boxer, Golfer, Skisportler, Schachsportler, Segelsportler, Croqueter und Leichtathleten gab es Prämien für erfolgreich geworbene Abonnements. Tatsächlich übten die meisten Sportler nicht nur eine, sondern gleich mehrere Sportarten aus. Was gab es nun für die einzelnen Sportarten und wie waren die Preise? Pauschal lässt sich das natürlich nicht sagen, da die Qualität und Größe den Preis variieren ließen. Manche Sportgeräte gab es mehrfach als verschiedene Modelle, die teilweise preislich deutlich auseinanderliegen. Und die Übersicht ist sicher nicht …

Advent in den Blogs – Der Fußball-Weihnachtskalender, Tür 20: What about sports?

„Sport umfasst einen Begriff, den wir nicht durch eine Erklärung zu verdeutlichen im Stande sind.“ Dieser Satz ist aus dem Handbuch des Damen-Sports von Leopold v. Heydenbrand, 1886 in Wien gedruckt (Seite 1). Er ermuntert vielleicht im ersten Moment zu einem leichten Schmunzeln, vielleicht auch zu einem verwunderten Zucken der Augenbrauen. Das Wort Sport gab es nicht vor der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, wurde dann aber sehr schnell in die deutsche Sprache übernommen und nicht eingedeutscht. Das ist schon verwunderlich, da zur gleichen Zeit Konrad Koch und der Zentralausschuss zur Förderung der Volks- und Jugendspiele in Deutschland erfolgreich für die Einführung deutscher Begriffe im Fußball plädierten. Und die Enzyklopädien, Lexika und Handbücher des 19. Jahrhunderts versuchten sich in Übersetzungen, um das unbekannte Wort zu erklären. Etymologisch gesehen trafen sie mit den Begriffen Liebhaberei, Vergnügen, Belustigung, Zeitvertreib, Unterhaltung oder Scherz auch durchaus ins Schwarze, denn „sports“ leitet sich vom mittelenglischen „disport“ und dieses wiederum vom altfranzösischen „desport“ bzw. altitalienischen „diporto“ ab: Belustigung, Freude, Vergnügen. Aber Sport nur mit Vergnügung oder einem Zeitvertreib zu übersetzen ist …

Minzöl und H2O2 – Hygienetipps nach Girulatis

Nicht nachmachen. „Während dieser Zeit [10 min Halbzeitpause] wird der Trainer Mundspülwasser für die Mannschaft zurechtgemacht haben. Es ist nämlich ganz unnötig, ja sogar direkt schädlich, heißen Kaffee oder gar Selterswasser zu genießen. Eine ausgiebige Mundspülung, welche den im Rachen und in der Mundhöhle angesammelten Schleim beseitigt, bringt schon die ersehnte Kühlung des Mundes und beseitigt das Verlangen nach Getränken. Gibt man dann noch eine Scheibe Zitrone, so wird jeder Spieler erfrischt sein. Ein gut desinfizierendes, dabei billiges Mundwasser wird hergestellt aus 1 Teil Wasserstoffsuperperoxyd und 5 Teilen Wasser.“ 1)Girulatis, Richard: Fußball. Theorie, Technik, Taktik. Leipzig 4^[1923]. S. 95. Wasserstoff(super)peroxid ist ein starkes Bleich- und Desinfektionsmittel, dass aber üblicherweise als 0,3% Lösung als Mund- und Rachenwasser benutzt wird. Girulatis empfiehlt aber eine 16,67% Lösung – eine Konzentration, für die man heute im Handel eine Endverbleibserklärung braucht und den Kauf melden muss. Selbstaluhutnahe Websites nutzen „nur“ 3% Lösung, dann aber sogar als innere Einnahme, da es sauerstofffördernd ist (es teilt sich bei der Reaktion in Wasser und Sauerstoff). Manch einer, der Girulatis‘ Empfehlung umsetzte, dürfte sich über …