Welche Aufgaben und Anforderungen wurden an die einzelnen Spielpositionen Ende des 19. Jahrhunderts und Anfang des 20. Jahrhunderts gestellt? Was unterschied sie von heute (nicht viel)? Eine stichwortartige Sammlung und ein überarbeiteter und ergänzter Blogbeitrag zu: Die Spielpositionen am Anfang des 20. Jahrhunderts (28.11.2017).

Der Torhüter

„Goalkeepers, like poets, are born, not made.“ (John Cameron: Association Football and How to play it. London [1908]. S. 9.)

  • Anforderungen: schnelles, sehr gutes Auge – Coolness – lange Arme – schnelle Reaktion mit Händen – mentale und physische Stärke – starker Schuss (für Abstoß) – beidfüßig sicher – möglichst 6 feet (1,83 m) groß und 13 Steine (82-83 kg) schwer – geduldig – Einsatzbereitschaft – Urteilsvermögen – Geschicklichkeit – Beweglichkeit – Antizipation
  • Aufgaben: Verteidigung des Tores – sicheres Fangen des Balles aus unterschiedlichen Höhen wie auch vom Boden – genauer Abstoß oder Wurf zu einem Mitspieler – Wegfausten (nur in Notfällen) möglichst immer zur Seite und nicht ins Aus – Unterstützung der backs als mitspielender Torwart und perfektes Verständnis mit backs – Für gute Sicht auf den Ball vor Einwürfen in Tornähe, Eckbällen und Freistößen in Tornähe sorgen – Erahnen, wohin gegnerische Spieler schießen – Abstoß oder -wurf immer seitlich, da dort mehr Platz ist als in der Mitte
  • Training: fallen lassen, springen, sich direkter hintereinander in verschiedene Richtungen drehen können, Ball annehmen und passen, Abstoß, kurze Sprints

 

Die Verteidiger („backs“)

Ab den späten 1880er Jahren spielten alle Vereine im 2-3-5-System mit zwei Verteidigern, einem auf jeder Seite.

  • Anforderungen: Schnelligkeit und Wendigkeit – Coolness – gutes Auge – erfahrene Fußballspieler – gute Physis – groß – muskulös – hohes Maß an Urteilsvermögen
  • Aufgaben: blindes Verständnis mit Torhüter und Halfbacks – Zuspiel mit Innenrist, da akkurater – starker, präziser Schuss, möglichst beidfüßig – bei gegnerischem Ballbesitz deren Raum eng machen – keine hohen Schüsse, sondern direkt ins Seitenaus, im Notfall ins Toraus – nie dribbeln, nie Ball länger halten als es sein muss, d.h. nicht schön, sondern effektiv spielen – nicht Torhüter die Sicht nehmen – gutes Kopfballspiel – nicht schön, sondern effektiv spielen – Kopfballspiel – Gegner fair stoppen – annehmen, spielen und passen des Balls aus allen Positionen, d.h. auch per Dropkick oder Fallrückzieher
  • Training: Kopfballspiel, präzise Tacklings

 

Die Mittelfeldspieler („Läufer“, „halfbacks“)

Ab den späten 1880er Jahren spielten alle Vereine im 2-3-5-System mit zwei Mittelfeldspielern (Halfbacks) an jeder Seite („Außenläufer“) und einem „Mittelläufer“, aus dem sich einige Zeit später die Liberoposition entwickelte.

  • Anforderungen: sehr gute Kondition – Wendigkeit – intelligent – schnell und beschleunigen können – gutes Auge – mittlere Größe – muskulös – sowohl Sprinter als auch Ausdauersportler – schnelle Entscheidungsfindung (mit und gegen den Ball)
  • Aufgaben: Unterstützung Vorwärtsbewegung und Rückwärtsbewegung ihrer Mannschaft – Kopfballspiel – guter Umgang mit Ball – selten dribbeln, sondern Bälle verteilen – antizipieren von Spielsituationen – für Spielaufbau zuständig – Ausführung von Eckstößen – präzises Tackeln der Gegner – in jeder Position beidfüßig Ball spielen können – Pass zu Stürmern möglichst niedrig, um gezielt den Ball zu zu passen, also kein gallery kicking – Passsicherheit
  • Training: leichtes Sprinten

 

Die Stürmer („forwards“)

Ab den späten 1880er Jahren spielten alle Vereine im 2-3-5-System mit zwei Außenstürmern, zwei Halbstürmern und einem Mittelstürmer. Die Außenstürmer flankten, die Halbstürmer bereiteten vor und der Mittelstürmer verwandelte.

  • Anforderungen: Schnelligkeit – mittlere Größe – Geduld – Reflexion – viel Entscheidungskraft – beidfüßig – sorgfältig beobachten – unermüdlich – selbstlos – Wendigkeit – gesunde körperliche Verfassung – robuste Physis
  • Aufgaben: passen – präzises Tackling – Elfmeter ausführen – sich nicht von Bewegungen der Gegenspieler täuschen lassen – Kopfballspiel – beidfüßiges Spiel – Schnelligkeit – muss wissen, wann er nicht dribbeln sollte – gutes Stellungsspiel – sehr gute Ballkontrolle – jeder Stürmer muss seine eigene zugewiesene Position beibehalten – Schwachstelle in der gegnerischen Defensive erkennen
    • Außenstürmer: Passsicherheit – Flanken (auch im Laufen) – viel Ausdauer
    • Halbstürmer: Schusssicherheit und Ballsicherheit – ist der Vorbereiter
    • Mittelstürmer: Schusssicherheit in verschiedenen Situationen – Tore schießen
  • Training: erstmal 6 gegen 6, um Fähigkeiten zu trainieren

 

Kapitän („Spielkaiser“)

 

  • Anforderungen: am besten ein Halfback – langjähriges Vereinsmitglied – kennt „Spielermaterial“ – hat Kenntnis in Mannschaftsaufstellungen – rednerische Begabung – von allen in der Mannschaft geschätzt (Vorbildsfunktion) – Kenntnis in sportlicher Körper- und Gesundheitspflege
  • Anforderungen: Coolness – Entschlossenheit – Energie – Motivator – Selbstbeherrschung – Hohe Fitness – gerecht – Begeisterung – Schärfe – Gefühl für Feinheiten des Spieles – motivierend und zur Ordnung rufend – Fairness vorleben

 

Verwendete Quellen und Literatur:
  • Allgemein:
    • Shearman, Montague: Athletics and football. London 1887.
    • Cameron, John: Association Football and How to play it. London [1908].
    • Alcock, C. W.: Football. The Association Game. London 1906.
    • Girulatis, Richard: Fußball. Theorie, Technik, Taktik. Leipzig 4^[1923].
    • Scharfe, Johannes: Fußball ohne Aufnehmen des Balles. Leipzig 1921.
    • Kohlrausch, Ernst.: Bewegungsspiele. Berlin 3^1914.
  • Torhüter:
    • Rennie, H. G.: The art of good goalkeeping. In: NN (Hg.): Football described by Giants of the Game. London/Dundee 1904. S. 5-6.
  • Verteidiger:
    • Arnott, Walter: The Right Back and his Play. In: NN (Hg.): Football Described by Giants of the Game. London/Dundee 1904. S. 7-8.
    • Doyle, D.: Full Back Play. In: NN (Hg.): Football Described by Giants of the Game. London/Dundee 1904. S. 9-10.
  • Stürmer:
    • Bell, John: The outside left winger. In: NN (Hg.): Football Described by Giants of the Game. London/Dundee 1904. S. 29-30.
    • Campbell, J.: The duties of inside right. . In: NN (Hg.): Football Described by Giants of the Game. London/Dundee 1904. S. 22-24.
    • Mahon, A.: Inside left and how to play there. In: NN (Hg.): Football Described by Giants of the Game. London/Dundee 1904. S. 27-29.
    • Hamilton, R. C.: The centre forward and his importance. In: NN (Hg.): Football Described by Giants of the Game. London/Dundee 1904. S. 24-25.
    • Meredith, W.: How to play outside right. In: NN (Hg.): Football Described by Giants of the Game. London/Dundee 1904. S. 19-20.
  • Kapitän:
    • Beier, Artur: Der Spielführer und seine Tätigkeit. In: Deutsches Fußball-Jahrbuch 10 (1913). S. 261-267.