Teil 5 der Reihe „Ein Spiel im Wandel von 50 Jahren„.

Die schon erschienenen Teile: 18631873188318931913.

 

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Das rechteckige Spielfeld muss mit je einer Fahne in einer Ecke gekennzeichnet werden. Die Fahnen müssen (gerundet) 1,5 m hoch sein. Zusätzlich sind die Seitenlinien und Torlinien als durchgehende Markierung aus Kreideschlamm oder als V-förmigen Furche markiert. Die Größe des Spielfeldes ist variabel: Es muss (gerundet) 101-110 m lang und (gerundet) 64-73 m breit sein. An allen vier Ecken sind Viertelkreises von 1 m Radius eingezeichnet. Tor- und Seitenlinien müssen rechte Winkel bilden. Aus der Strafstoßlinie wird ein Strafstoßpunkt 11 m mittig vor dem Tor. Der Torraum ist kein Halbkreis mehr, sondern ein Quadrat von (gerundet) 5,5 x 5,5 qm vor dem Tor, die Linien rechtwinklig verbunden. Rechtwinklig verbunden sind auch die Linien des Strafraums, ein Rechteck, (gerundet) 16,46 x 40,32 qm.

Die Spieler kommen auf das Feld; es sind im Regelwerk festgeschriebenelf in jeder Mannschaft, obwohl eine Anzahl nicht in den Regeln festgeschrieben ist. Mit ihnen je Mannschaft ein Schiedsrichter („referee“) und zwei Linienrichter („linesmen“). Der Schiedsrichter lässt direkt einen Spieler nicht auf das Spielfeld, da aus seinem Schuh ein Eisenstück ragt. Er muss seine Schuhe wechseln, darf dann am Spiel teilnehmen. Es wird auch bei allen anderen Spielern die Ausrüstung überprüft, denn nicht nur herausstehende Objekte an Schuhen sind ein Grund, vom Spiel ausgeschlossen zu werden, sondern es dürfen auch die Stäbe und Bolzen am Schuhboden maximal (gerundet) 1,27 cm herausragen. Es darf auch nichts spitz oder konisch zulaufendes vom Schuh abstehenEin weiterer Spieler wird ebenfalls zunächst nicht zum Spiel zugelassen. Er trägt einen der kürzlich eingeführten Schienbeinschoner, aus dem aber ebenfalls ein Eisenstück ragt. Auch er muss den Schienbeinschoner wechseln oder ohne ihn spielen. Der Schiedsrichter protokolliert diese und alle folgenden Regelverletzungen. Seinen Bericht muss binnen drei Tagen beim nationalen Verband, der FA, vorliegen.

Die Kapitäne geben sich die Hand. Der Schiedsrichter wirft eine Münze in die Luft. Zuvor haben sich die Kapitäne geeinigt, wer welche Seite nimmt. Die Münzseite, die der Kapitän der Mannschaft A ausgewählt hat, zeigt nach oben. Er hat die Wahl zwischen der Seitenwahl oder dem Anstoß. Er möchte die Seiten tauschen. Damit hat Mannschaft B den Anstoß. Der Schiedsrichter läuft auf dem Spielfeld mit, die Linienrichter laufen an der Seitenlinie entlang.

Der Ball wird von der Heimmannschaft gestellt und ist eine mit aneinandergenähten Lederstücken umhüllte Tierblase mit einem Umfang von (gerundet) 68,8 bis 71,1 cm. Sein Gewicht muss zu Spielbeginn (gerundet) 368-425 g betragen. Das Spiel beginn mit einem Schuss vom Mittelpunkt des Spielfeldes, wobei der anstoßende Spieler nur in die gegnerische Hälfte schießen darf. Alle gegnerischen Spieler müssen 9,15 m vom Ball entfernt sein und alle Spieler müssen in ihrer Hälfte stehen, bis dieser im Spiel ist. Und er ist im Spiel, wenn er sich einmal um die eigene Achse gedreht hat.

Das Spiel geht munter los; einer der Stürmer dribbelt auf das Tor und versucht, den Ball möglichst lange zu spielen. Alle anderen Spieler laufen hinter ihm her, um im Verlustfall den Ball zurückgewinnen zu können. Ein Spieler der Mannschaft B stellt sich dazwischen und lenkt den Ball ab. Er geht über die Seitenlinie ins Aus. Ein Spieler der Mannschaft A hat Einwurf von dem Punkt, an dem der Ball ins Seitenaus ging. Der Linienrichter zeigt an, dass der Ball im Seitenaus ist, der Schiedsrichter zeigt ihm die korrekte Stelle an. Er darf den Ball nur einwerfen und zwar in der folgenden Weise: Mit dem Gesicht dem Spielfeld zugewandt, mit beiden Händen haltend über den eigenen Kopf in irgendeine Richtung, aber aufs Spielfeld. Der Ausführende darf mit einem Teil der Füße auf der Linie stehen, nicht aber ganz im Spielfeld.

Beim Einwurf müssen alle Spieler der Mannschaften A und B (gerundet) 5,5 m Abstand vom Ball haben. Er ist im Spiel, wenn er sich einmal um seine Achse gedreht hat.

Mannschaft A stürmt weiterhin auf das Tor, d.h. einer der Stürmer dribbelt, während alle anderen ihm folgen. Er schießt auf das (gerundet) 7,32 m breite Tor, doch der Ball wird abermals von einem Spieler der Mannschaft B abgelenkt – nun ins Toraus. Mannschaft A erhält einen Freistoß (Abstoß). Der Abstoß muss von einem beliebigen Punkt im eigenen Strafraum geschossen werden und ist erst dann im Spiel, wenn er den Strafraum verlassen hat.(Hätte ein Spieler der Mannschaft B ihn als erstes berührt, hätte diese Mannschaft einen Freistoß (Eckstoß) von der nächsten Eckfahne erhalten. Der Ball hätte im Bereich eines Viertelkreises von einem Meter Radius liegen und alle anderen Spieler mindestens (gerundet) 5,5 m entfernt von dem Ball stehen müssen. Der Ball muss dabei mit dem Umfang auf der Linie sein, muss sie aber nicht berühren.)

So schießt nun ein Spieler der Mannschaft A den Ball vom gegnerischen Torpfosten natürlich nur ein Stück weit, damit der Ball nicht dem eigenen Tor zunahe kommt. Ein Spieler der Mannschaft A nimmt ihn an, doch er verspringt ihm etwas. Ein Mitspieler kann ihn jedoch berühren und hat nur noch drei Gegenspieler vor sich. „Abseits!“ rufen die gegnerischen Spieler, aber sind im Unrecht. Im Moment der Ballabgabe hatte der Spieler drei Gegenspieler vor sich. Erst ab weniger als drei Gegenspielern wäre es Abseits gewesen.

Mannschaft A ist weiterhin am Zug und tankt sich Stück für Stück vor das gegnerische Tor. Ein Spieler zieht ab und schießt den Ball in sechs Meter Höhe zwischen den Torpfosten ins Toraus – und damit leider weit über die Stange, die die Torhöhe auf (gerundet) 2,44 m begrenzt und einen Durchmesser von (gerundet) 12,7 cm haben muss. Es steht weiterhin 0:0.

Es gibt wieder einen Abstoß von der Mannschaft A. Kurz danach stellt ein Spieler der Mannschaft A seinem Gegenspieler ein Bein und hält ihn. Man hört die Trillerpfeife des Schiedsrichters, da er die Regelverletzung erkannt hat. Es gibt einen Freistoß für Mannschaft B an der Stelle, an der die Regelverletzung begangen wurde. Diese wie alle anderen Freistöße sind indirekte Freistöße, d.h. aus ihnen darf nicht direkt ein Tor entstehen, sondern es muss sie zuvor ein weiterer Spieler berührt haben.

Mannschaft B kommt nahe vor das Tor A. Der bisherige Spieler, der am nächsten zum Tor stand, der Torhüter, agiert mittlerweile als Stürmer. Der nun dem Tor am nächsten steht und daher als Torhüter gilt, fängt zur Verteidigung seines Tores den Ball mit den Händen. Wieder Protest und das zurecht. Zwar ist es dem Torhüter im eigenen Torraum erlaubt, zur Verteidigung des Tores ein Handspiel zu begehen. Doch der Schiedsrichter wurde nicht über den Torhüterwechsel informiert und hat ihn daher auch nicht genehmigt. Es gibt einen Strafstoß. Ein Spieler der Mannschaft B legt sich den Ball auf den Strafstoßpunkt. Von ihm abgesehen, dürfen sich alle Spieler bis maximal (gerundet) 5,5 m dem Ball nähern – auch der Torhüter, der nicht auf seiner Linie bleiben muss. Der Ausführende darf den Ball nicht zweimal hintereinander berühren und darf den Anlauf nicht unterbrechen. Der Schiedsrichter erinnert, dass nun festgelegt wurde, dass der Ball direkt aufs Tor geschossen werden muss.(Würde er am Ende der vereinbarten Spielzeit stattfinden, müsste er auf jeden Fall ausgeführt werden. Auch, wenn die Spielzeit dabei abgelaufen wäre.) Der Spieler der Mannschaft B nimmt Anlauf – und der Ball geht ins Tor, das Eisennetz klappert. Es steht 0:1.

Es gibt den Wiederanstoß vom Mittelfeld durch Mannschaft A. Diesen Schuss fängt ein Spieler der Mannschaft B mit den Händen, ohne, dass der Ball zuvor etwas oder jemand anderes berührt hat. Protest, denn es ist ein unerlaubtes Handspiel. Der Schiedsrichter pfeift, gibt einen Freistoß für die Regelverletzung und verweist den Spieler, der das Handspiel begangen hat, des Feldes. Er darf nicht ersetzt werden.

Ein Spieler der Mannschaft A dribbelt den Ball wieder nahe vor das Tor, alle Mitspieler folgen ihm im Windschatten. Doch drei Meter vor dem gegnerischen Tor wird er von einem Gegenspieler unfair von den Beinen geholt. Wieder hört man die Trillerpfeife des Schiedsrichters. Er entscheidet auf Strafstoß. Es gelten die gleichen Bestimmungen wie vor einigen Minuten. Der Spieler der Mannschaft A nimmt Anlauf – und der Ball geht ins Tor, das Eisennetz klappert. Es steht 1:1.

Einige Minuten später gibt es wieder einen Protest. Ein Spieler der Mannschaft A beteuert, dass er den Ball völlig unabsichtlich mit der Hand gespielt habe. Bei der Bewegung passiere es eben mal, dass der Arm etwas in der Luft ist. Dass in diesem Moment der Ball dagegen kommt, sei nicht seine Absicht gewesen. Doch alle Beteuerungen helfen nichts, denn der Pfiff des Schiedsrichters ertönt und er pocht auf das Regelwerk. Hier wurde wiederholt betont, dass es unter jeglichen Umständen verboten sei, den Ball mit der Hand zu berühren und es nebensächlich sei, ob es sich um eine absichtliche oder unabsichtliche Berührung handle. Es folgt ein Freistoß für Mannschaft A.

Der weitere Verlauf des Spieles ist nicht der Rede wert. Nach 2x 45 Minuten, unterbrochen von der Halbzeitpause von maximal 5 Minuten, beendet der Schiedsrichter die Begegnung. Die Spielzeit hätte bei einem Unentschieden auch um 2x 15 Minuten verlängert werden können. Nach der Halbzeit hat die gleiche Mannschaft wie zu Beginn den Anstoß vom Mittelpunkt.

Das Spiel endet 1:1.

 

Titelbild: Adrian Roebuck: An early draft of the original hand-written ‚Laws of the Game‘ drawn up on behalf of The Football Association by Ebenezer Cobb Morley in 1863 on display at the National Football Museum, Manchester. Wikipedia.