Teil 1 der Reihe „Ein Spiel im Wandel von 50 Jahren„.

Teil 2 erscheint am 4.12.2018.

Die schon erschienenen Teile: 18731883189319031913.

 

1863

Das rechteckige Spielfeld von (gerundet) 183 x 91 m muss mit je einer Fahne in einer Ecke gekennzeichnet werden. Manchmal ist das Feld zusätzlich mit einer Linie aus Kreideschlamm oder eine V-förmigen Furche markiert.

Die Spieler kommen auf das Feld; es sind üblicherweise elf in jeder Mannschaft, obwohl eine Anzahl nicht in den Regeln festgeschrieben ist. Ein Spieler wird von dem Mannschaftskapitän nicht auf das Spielfeld gelassen, da aus seinem Schuh ein Eisenstück ragt. Er muss seine Schuhe wechseln, darf dann am Spiel teilnehmen.

Die Kapitäne geben sich die Hand, einer von ihnen wirft eine Münze in die Luft. Zuvor haben sie sich geeinigt, wer welche Seite nimmt. Die Mannschaft des Kapitäns, dessen Seite nach oben zeigt, hat den Anstoß.

Der Ball, eine mit aneinandergenähten Lederstücken umhüllte Tierblase. Das Spiel beginn mit einem Schuss vom Mittelpunkt des Spielfeldes, wobei der anstoßende Spieler sich die Richtung aussuchen kann. Alle gegnerischen Spieler müssen 9,15 m vom Ball entfernt sein, bis dieser im Spiel ist. Und er ist im Spiel, wenn er sich einmal um die eigene Achse gedreht hat.

Das Spiel geht munter los; einer der Stürmer dribbelt auf das Tor und versucht, den Ball möglichst lange zu spielen. Alle anderen Spieler laufen hinter ihm her, um im Verlustfall den Ball zurückgewinnen zu können. Ein Spieler der Mannschaft B stellt sich dazwischen und lenkt den Ball ab. Er geht über die Seitenlinie ins Aus. Alle Spieler rennen auf den Ball und derjenige, der als erstes den Ball berührt, wirft ihn von der Stelle, an dem der Ball ins Aus ging, im rechten Winkel wieder ins Feld und spielt ihn direkt.

Mannschaft A stürmt weiterhin auf das Tor, d.h. einer der Stürmer dribbelt, während alle anderen ihm folgen. Er schießt auf das (gerundet) 7,32 m breite Tor, doch der Ball wird abermals von einem Spieler der Mannschaft B abgelenkt – nun ins Toraus. Und abermals rennen alle Spieler auf den Ball. Ein Spieler der Mannschaft A berührt als erstes den Ball, daher gibt es Abstoß vom Tor der Mannschaft B. Und zwar von jenem Torpfosten, an dessen Seite der Ball ins Aus ging. (Hätte ein Spieler der Mannschaft B ihn als erstes berührt, hätte diese Mannschaft einen indirekten Freistoß (gerundet) 13,72 m hinter dem Tor der Mannschaft A erhalten.)

So schießt nun ein Spieler der Mannschaft A den Ball vom gegnerischen Torpfosten natürlich nur ein Stück weit, damit der Ball nicht dem eigenen Tor zu nahe kommt. Ein Spieler der Mannschaft A nimmt ihn an, doch er verspringt ihm etwas. Ein Mitspieler kann ihn jedoch berühren und hat nur noch drei Gegenspieler vor sich. „Abseits!“ rufen die gegnerischen Spieler und haben Recht: Der Mitspieler befand sich beim ungewollten Zuspiel zwischen Ball und gegnerischem Tor – das ist Abseits. Der besagte Mitspieler geht zurück und die Kapitäne einigen sich, dass das Spiel von der Stelle des Zuspiels fortgesetzt wird. Mannschaft A ist also wieder am Zug und tankt sich Stück für Stück vor das gegnerische Tor. Ein Spieler zieht ab und schießt den Ball in sechs Meter Höhe zwischen den Torpfosten ins Toraus – es steht 1:0.

Beide Mannschaften wechseln die Seiten. Das Spiel beginnt mit dem Anstoß von Mannschaft B vom Mittelpunkt. Kurz danach stellt ein Spieler der Mannschaft A seinem Gegenspieler ein Bein und hält ihn, Mannschaft B beschwert sich. Sowas macht ein Gentleman nicht! Man einigt sich aber irgendwie, denn in den Regeln ist für diesen Fall nichts vorgegeben.

Mannschaft B kommt nahe vor das Tor A. Der bisherige Spieler, der am nächsten zum Tor stand, der Torhüter, agiert mittlerweile als Stürmer. Der nun dem Tor am nächsten steht und daher als Torhüter gilt, fängt zur Verteidigung seines Tores den Ball mit den Händen. Wieder Protest, denn es war ein unerlaubtes Handspiel. Doch auf hierfür gibt es keine festgeschriebene Regelung. Die Kapitäne einigen sich darauf, dass es als Tor gewertet wird. Es steht 1:1.

Wieder werden die Seiten getauscht, nun tritt Mannschaft A den Ball an. Diesen Schuss fängt ein Spieler der Mannschaft B mit den Händen, ohne, dass der Ball zuvor etwas oder jemand anderes berührt hat. Mannschaft B freut sich sehr über diesen Fair Catch und das Spiel wird mit einem Freistoß für Mannschaft B fortgesetzt.

Ein Spieler der Mannschaft A dribbelt den Ball wieder nahe vor das Tor, alle Mitspieler folgen ihm im Windschatten. Doch drei Meter vor dem gegnerischen Tor wird er von einem Gegenspieler unfair von den Beinen geholt. Wieder besprechen sich die Kapitäne und einigen sich auf irgendeine Weise.

Einige Minuten später gibt es wieder einen Protest. Ein Spieler der Mannschaft A beteuert, dass er den Ball völlig unabsichtlich mit der Hand gespielt habe. Bei der Bewegung passiere es eben mal, dass der Arm etwas in der Luft ist. Dass in diesem Moment der Ball dagegen kommt, sei nicht seine Absicht gewesen. Die Kapitäne glauben seinen Beteuerungen, wenngleich der Kapitän der Mannschaft A ihn ermahnt, etwas besser achtzugeben.

Der weitere Verlauf des Spieles ist nicht der Rede wert. Nach der vorher von den Mannschaften festgelegten Zeit – üblicherweise sind es 2x 45 Minuten, unterbrochen von einer sehr kurzen Pause – beenden die Spieler diese Begegnung.

Das Spiel endet 1:1.

 

 

Titelbild: Adrian Roebuck: An early draft of the original hand-written ‚Laws of the Game‘ drawn up on behalf of The Football Association by Ebenezer Cobb Morley in 1863 on display at the National Football Museum, Manchester. Wikipedia.