Regelgeschichte
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Eine ganz kurze Geschichte der Schuhstollen

Bis ins 20. Jahrhundert hinein hatten Fußballschuhe („boots“) nicht nur Stollen („studs“), sondern auch Balken („bars“). Diese durften nach den Spielregeln von 1887 nur an der Unterseite der Schuhe angebracht werden. Für uns heute eine Selbstverständlichkeit, aber nicht vor 130 Jahren, sodass der Passus in die Regeln aufgenommen wurde.

Diese Balken mussten mindestens 1,5 Zoll (ca. 38 mm) lang und 0,5 Zoll (12,7 mm) breit und zudem quer und flach sein.

Stollen mussten einen Durchmesser von 0,5 Zoll haben – heute muss der Durchmesser zwischen 0,4 Zoll und 0,5 Zoll (oder zwischen 10 mm und 12 mm) liegen. Bis 1910 mussten sie verdeckt sein, ab 1910 dann nicht mehr, aber konisch geformt. Sie wurden zunächst aus Leder, später aus Gummi (1938), Aluminium oder ähnlichem Material (1955) hergestellt.

Seit 1973 gibt es eine weitere Differenzierung: Auswechselbare Stollen müssen aus einem der oben genannten Materialien bestehen, nicht auswechselbare Stollen können auch aus Kunststoff und Polyurethan und ähnlichen weichen Materialien hergestellt werden, aber ohne Metalloberfläche. Außerdem sind Aluminiumstollen seit 1974 auf Aschegruben nicht mehr erlaubt und das Stützmaterial zur Stabilisierung der Stollen darf nicht mehr als 5 mm aus der Sohle herausragen.

Apropos überstehen: Wie weit Balken und Stollen überstehen dürfen, ist in den Gesetzen erst ab 1951 geregelt – obwohl Schuhe mit Balken und Stollen in der Nachkriegszeit zunehmend durch reine Stollenschuhe ersetzt wurden. Zuvor mussten die Schuhe auch Balken haben. Die klassischen Stollenschuhe („multi-studded“) wurden 1971 vom IFAB zugelassen.

1951 durften Balken und Stollen jeweils maximal 0,75 Zoll (ca. 19 mm) aus der Sohle herausragen. Für Stollen galt diese Vorgabe bis 1963, danach durften sie zehn Jahre lang nicht mehr als 0,25 in (63,5 mm) herausragen, seither maximal 0,5 in (seit 1997 auch: 12 mm).

Ab 1967 begann die FIFA, Schuhe von Sportherstellern zu testen und in Absprache mit dem IFAB zu entscheiden, ob sie zugelassen werden sollten oder nicht. Die ersten getesteten Schuhe entsprachen nicht den Spezifikationen, und viele weitere folgten in den 1970er Jahren.

Um 1970 wurden jedoch viele Stollenschuhe verwendet, die nicht beanstandet wurden, obwohl sie die Anforderungen nicht erfüllten. Der einzige Schuh, der in den 1970er Jahren auf den Markt kam, war der „Turfspin“.

Im Jahr 1990 wurden auch alle Vorgaben für Schuhe und Strümpfe aus diesem Passus gestrichen, so dass erst seit diesem Zeitpunkt allgemein gilt, dass kein Spieler etwas tragen darf, das für ihn oder andere gefährlich sein könnte.

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