d-rumherum, und Drumherum.
Schreibe einen Kommentar

Das Thema Fußballtransfer

Fußballtransfer Emblem Players Union

Das Thema Fußballtransfer und die Transfersummen sind nicht erst seit den letzten Jahren ein Thema, dass die Gemüter erhitzt. Eine Reise ins England des 19. Jahrhunderts, ins Victorian Age, kurz nachdem hier der Fußball professionell wurde.

Profifußball = Transfergebühren

Mit Beginn des erlaubten Profifußballs gab es zunächst einige Fußballtransfer-Restriktionen, die Lohn der Spieler und ihren Wohnort betrafen. Diese Einschränkungen wurden im Laufe der Jahre immer mehr gelockert und zu Beginn des 20. Jahrhundert schien es, als sei ein Ende der dieser in Sicht.

Das beschrieb auch John Cameron in seiner 1908 erschienen Schrift Association Football and How to play it: Es sei schon vieles besser geworden, da die Spieler das Recht auf einen besonderen Einspruch bei Komitee der Liga haben und der geforderte Betrag für den Fußballtransfer der Spieler stark reduziert wurde. Er wünschte, er würde bald ganz aufgehoben werden, denn „der Spieler soll ein Mensch und kein Sklave sein“ 1)Vgl. Cameron, John: Association Football and How to play it. London [1908]. S. 65..

Natürlich sollen Vereine eine Entschädigung für wechselnde Spieler erhalten, fand Cameron, aber sie sollen nicht mehr Fußballtransfer-Gebühren bekommen als sie ihm an Lohn gezahlt haben. Und für die Lohnobergrenze von 4 Pounds pro Woche gibt es Vor- und Nachteile. Nachteil sei der fehlende monitäre Anreiz, sein Bestes zu geben. Doch sei zu beachten, dass die Karriere des Fußballers nur eine kurze sei.

Die Gründung der Players‘ Union

Was Cameron zu spät wahrnahm oder seine Schrift schon vorher fertig gestellt hatte: 1907 kam es am 2. Dezember wegen der Lohnobergrenze zu einer Versammlung vieler Profifußballer. Wenige Wochen später gründeten sie eine Gewerkschaft („union“), um ihre Interessen zu wahren: The Players‘ Union. Ihre Mitgliederzahlen stiegen direkt nach der Gründung rapide an. Die Union versprach: Wenn ein Spieler Hilfe braucht, sie sich aber nicht leisten konnte, half ihm die Union mit legalen Ratschlägen fast („quite“) kostenlos.

Im Februar 1909 spitzte sich die Lage zu. Die Clubdirektoren gingen auf Konfrontation und nahmen ein Amnestieangebot der FA an, das die Verfolgung der Teams wegen früherer Verstöße gegen die 4-Pfund-Obergrenze verbot. Gleichsam versprachen die Clubdirektoren, die Obergrenze einzuhalten und illegale Gebote für Spieler einzuhalten.

Die Mitglieder der Union drohten daraufhin mit Streik bei Football- League-Spielen. Sie überlegten, Teil der Allgemeinen Gewerkschaftsvereiningung Englands zu werden.

Die Clubdirektoren informierten die FA über das Vorhaben der Players‘ Union und FA verlangte, dass die Streitigkeiten vor dem FA-Gericht gebracht werden müssen. Das sahen die Spieler nicht ein und forderten als Arbeiter den gleichen rechtlichen Schutz wie andere Arbeitnehmer – und, vor ein allgemeines Gericht ziehen zu dürfen.

Die Lage spitzt sich zu

Als die FA dann ein Benefizspiel für den Wohltätigkeitsfond der Union verbat, überlegten die Union-Mitglieder, wie sie künftig alle Spiele ohne FA und FL durchführen könnten. Mittlerweile waren auch zahlreich der bestbezahltesten Profifußballer Mitglied der Union.

In der Sitzung am 7. Mai 1909 in Manchester beschlossen sie, Teil der allgemeinen Gewerkschaftsvereinigung zu werden. Anschließend bereiteten sie sich auf einen Streik vor. Während des Streiks sollten alle Mitglieder einen Pound pro Woche erhalten.

Direktoren und Presse waren fassungslos, dass die Spieler andere Interessen auf diese Art äußerten und starteten eine Kampagne, in der Gewerkschaftsführer beschimpft wurden, um Spaltung der Fußballspieler zu erreichen.

Die FA drohte auf die Streikandrohung der Union, die Registrierung aller Spieler, die am 1. Juli noch Mitglied bei der Players‘ Union waren, zu löschen. Was die FA aber nicht beachtete, war, dass die Mitgliedschaften in der Union immer zum 1. Juli endeten und erst mit dem Beginn der neuen Saison automatisch wieder begannen. So kam es erst zum Jahresende wieder zu erheblichen Spannungen.

Der Kompromiss

Die Spannungen führten nun aber binnen drei Monaten zu einem Kompromiss:

  • Die Players‘ Union gab ihre Zugehörigkeit zur GFTU auf
  • Die FA strich die finanzielle Vereinbarung aus dem Regeln
  • Die FA erkannte die Players‘ Union an
  • Die während der Aussetzungen fälligen Spielerlöhne wurden bezahlt
  • Die FA erlaubte Spielern, vor allgemeines Gericht in Berufung zu gehen, wenn sie mit Entscheidung des FA-Gerichts unzufrieden waren

 

Literatur

  • Cameron, John: Association Football and How to play it. London [1908]. S. 64-67.
  • Tischler, Steven: Footballers and Businessmen. The Origins of professional soccer in England. New York/London 1981.

Fotocredit: Players‘ Union badge used on armband, c. 1909, aus: Charlie Roberts display at Old Trafford. URL: https://en.wikipedia.org/wiki/File:Players_Union_badge.svg.

Fußnoten   [ + ]

1. Vgl. Cameron, John: Association Football and How to play it. London [1908]. S. 65.
Kategorie: d-rumherum, und Drumherum.

von

Petra Tabarelli, studierte Historikerin, leitet ein Stadtarchiv und schaut Fußball seit ihrem dritten Lebensjahr. Neben der Landesgeschichte ist die Fußballgeschichte ein großes Interessengebiet. Ihr Schwerpunkt ist Entstehung der Fußballregeln und des Schiedsrichterwesens in England und Deutschland.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.