Regelgeschichte

Handspiel – The Laws of the Game 2020/21

Das Handspiel wird durchgehend diskutiert. Was ist erlaubt? Was ist verboten? Was ist wirklich ein unerlaubtes Handspiel?

An dieser Stelle möchte ich die Textänderungen diskutieren, um die Handspielregel in den Spielregeln 2020/21 verständlicher zu machen. Ich beziehe mich dabei auf den englischen Wortlaut

For the purposes of determining handball offences, the upper boundary of the arm is in line with the bottom of the armpit.”

Zum ersten Mal wurde die Bandbreite des Handspiels definiert. Genauer gesagt, bis wohin der Fußballbegriff „Arm“ reicht: bis zur Höhe der Achselhöhle. Alles darüber ist Teil der Schulter. Diese Klarstellung macht Handspiel nicht zu einer Schwarz-Weiß-Entscheidung, aber sie schränkt den Interpretationsspielraum ein. Zuvor gab es Diskussionen, ob die Schulter im fußballerischen Sinne zum Arm gehört und bis wohin diese Schulter reicht.

after the ball has touched their or a team-mate’s hand/arm, even if accidental, immediately

Es wurde auch klargestellt, dass ein Tor nur dann nicht anerkannt werden muss, wenn das Handspiel (ob versehentlich oder nicht) unmittelbar vor dem Tor geschossen wurde. Es geht also nicht um die gesamte Angriffsphase, sondern um die Unmittelbarkeit.

Ein paar kurze Gedanken zum Handspiel habe ich vor kurzem here niedergeschrieben.

Die Entwicklung des Handspiels

Das Handspiel der Feldspieler*innen war nicht immer verboten

Das Handspiel im Fußball ist ein Thema, das sehr unterschiedlich bewertet wurde und ist einer der beiden großen Unterschiede zum Rugby. Im frühen football, vor Trennung in Fußball und Rugby und andere Football-Arten, gab es noch gemischte Varianten, sogar in den FA-Regeln. Der Fair Catch, der direkte Fang des Balles aus der Luft, war bis 1871 auch im Fußball üblich. Dies war mit dem Freistoß verbunden, der eine Auszeichnung für den Fair Catch war. Erst seit 1874 wird ein Freistoß als Strafe gegen eine Mannschaft verhängt, die gegen die Regeln verstoßen hat. Davor gab es nur die Mittel der Verwarnung und des Platzverweises.

Und das Mittel des Fair Catch war durchaus willkommen. Denn nachdem auf der Jahreshauptversammlung der FA beschlossen worden war, den Fair Catch zu verbieten, gab es alternative Vorschläge. Zum Beispiel wollte der FC Barnes hinzufügen, dass ein Ball beim ersten Aufprall gefangen werden kann. Und die Clapham Rovers schlugen vor, dass zumindest den Verteidigern erlaubt werden sollte, den Fair Catch anzuwenden und das Spiel dann mit einem Dropkick wieder aufzunehmen. Beide Vorschläge wurden der Jahreshauptversammlung nicht vorgelegt und daher nie umgesetzt.

Wie bereits geschrieben: Es wurde auf der Jahreshauptversammlung nie diskutiert, was zum Arm im Sinne des Fußballs gehört. Es wurde jedoch besprochen, wie man mit dem Schießen eines Tors umgeht, dem ein Handspiel vorausging. Es war kurz nachdem der Sheffield FA die (Londoner) FA-Regeln verabschiedet hatte. 1878 wurde der Vorschlag der Old Harrovians und Finchley angenommen:

“If the handball happens near the own goal (no goalkeeper handball) and the referee considers the the ball would otherwise have went into the goal, a goal is obtained.”

1882 wurde auf Vorschlag der FA von Sheffield klargestellt, dass „in der Nähe des Tors“ maximal 2 Schritte (Yards) sein durfte. Dies ist eine Parallele zu heute, wo die Unmittelbarkeit zum Ziel später hinzugefügt wurde. Wenn auch hier ebenfalls mit Hilfe der Entfernungs- und nicht der Zeitkomponente ab 2020/21.

Nur Handball, der …. begangen wird, ist verboten.

  • 1897: „wilfully“
  • 1898-1995: „intentionally“
  • since 1995: „deliberately“

Seit 2014 wird versucht, die Handspielregel besser zu formulieren und zu konkretisieren, um die Grenzen zwischen dem Erlaubten und dem Vergehen deutlicher zu machen.