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Mut

„Sie nicht zu verheizen ist eines meiner Ziele.“

In einem Interview nannte der damalige Vorsitzende der DFB-Schiedsrichter-Kommission, Herbert Fandel, Bibiana Steinhaus eine „Ikone des Frauen-Schiedsrichterwesens“. Steinhaus war zu diesem Zeitpunkt – 2011 – bereits seit vier Jahren Schiedsrichterin in der 2. Männer-Bundesliga, seit 2007 durchgehend DFB-Schiedsrichterin des Jahres und hatte erste Einsätze als Vierte Offizielle in der 1. Männer-Bundesliga hinter sich. Fandels Zitat fiel im Kontext der erneuten Nicht-Beförderung von Bibiana Steinhaus in das Oberhaus des Männerfußballs. Fandels „nicht verheizen“ – darin steckt viel Fürsorge. Und in dieser Fürsorge steckt viel Sorge, um nicht zu sagen: Angst. Angst, die einen hindert, den nächsten Schritt zu machen. In den Vordergrund zu treten und damit unweigerlich alle Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, ob man will oder nicht. Nur: Diese Sorge geht (nicht nur hier) gar nicht von den betroffenen Frauen aus.

Mit Sorge kommt man als Frau im Fußball nicht weit. Das ist etwas, das nicht nur Bibiana Steinhaus sicherlich zu diesem Zeitpunkt bereits wusste, sondern auch viele andere Frauen im (Männer-)Fußball kennen. Steinhaus, die im Nachhinein ihre erstes Spiel in der 2. Männer-Bundesliga (2007) als „wie ein Naturspektakel“ bezeichnete, nannte während eines Vertrages bei einer Handwerkskammer ihre Erfolgsfaktoren, denn „Frauen müssen nach wie vor mehr leisten als Männer, um akzeptiert zu werden“: Spaß, Ziel, Vision, Engagement, Durchhaltevermögen, Vorbilder, Unterstützer und Förderer, Familie und Freunde – und Mut.1)Martina Jahn: 5 Tipps von Schiri Bibiana Steinhaus. So erreichen Sie Ihre Ziele. In: Handwerk.com. Link: https://www.handwerk.com/5-tipps-von-schiri-bibiana-steinhaus-so-erreichen-sie-ihre-ziele.

Mut.

Keine Sorge.

2017, als sie Schiedsrichterin in der 1. Männer-Bundesliga wurde, wird sie häufig gefragt, ob sie Angst oder Befürchtungen habe. Sie negierte sie immer. Aber es gab zahlreiche Wortmeldungen, die befürchteten, dass der Druck zu groß werden könnte.

In einem Interview wird Bibiana Steinhaus zitiert: „Ich hatte nie vor, den Emanzipationsweg zu beschreiten. Ich tue nur das, was ich liebe.“2)SID-Meldung, u.a. Link: https://www.fr.de/sport/fussball/bibiana-steinhaus-erfuellt-sich-ihren-traum-11022398.html.  und „In den ersten Jahren war ich sehr bemüht, unter dem Radar zu fliegen, mit der Gruppe der Schiedsrichter eins zu werden. Bis ich gemerkt habe, dass mir das niemals gelingen wird. Diese andere Rolle anzunehmen, hat lange gedauert.“3)Lorenz Wagner: „Ich kenne das Risiko. Es ist mir voll bewusst. In: SZ-Magazin, 25.5.2017. Link: https://sz-magazin.sueddeutsche.de/sport/ich-kenne-das-risiko-es-ist-mir-voll-bewusst-83666.

Das ist etwas, dass sie mit vielen anderen Schiedsrichterinnen und generell Frauen im Fußball gemein hat. Es ist schwer, als Frau im Fußball Fuß zu fassen, sich Anerkennung zu verschaffen. Auf die Frage, wie sie sich vorbereite, antwortete Bibiana Steinhaus zunächst mit „Vor allem durch Fachkenntnisse, also die Regeln.“ Anerkennung verschafft frau sich durch Kompetenz und erhält dadurch automatisch Sichtbarkeit in dem weiterhin männerdominierten Fußball – ob man möchte oder nicht.

Auch Stéphanie Frappart wurde vor ihrem Spiel zwischen Liverpool FC und Chelsea FC im Supercup 2019 gefragt, ob sie Angst habe. „Wir haben keine Angst, wir sind immer bereit.“ wird sie zitiert – und: „Für mich ist es dasselbe. Der Fußball ist derselbe, die Regeln sind dieselben.“4)dpa-Meldung, u.a.: Link: https://www.waz.de/sport/fussball/an-der-zeit-schiedsrichterin-frappart-bereit-fuer-supercup-id226771927.html.

Gerade weil Fußball dank weltweit bekannter Regeln ein universeller, grenzenüberschreitender Sport ist, ein Plädoyer zum Schluss, der sich insbesondere an die Männer richtet: Hemmt nicht Frauen im Fußball, sei es aus Sorge vor den Folgen oder anderen Gründen. Natürlich erst recht nicht wegen sexistischer Kackscheiße (pardon!). Lasst sie laufen, rennen, springen. Wenn ihr uns vermehrt wahrnehmt, sind wir schon längst ausgebrochen aus der Masse, fliegen nicht mehr unter dem Radar, sondern haben bereits den Mut zusammengenommen und stehen mit beiden Füßen auf der Kompetenz, die wir erlangt haben. Wir sind längst flügge. Wir sind auch Fußball.

Fußnoten   [ + ]

1. Martina Jahn: 5 Tipps von Schiri Bibiana Steinhaus. So erreichen Sie Ihre Ziele. In: Handwerk.com. Link: https://www.handwerk.com/5-tipps-von-schiri-bibiana-steinhaus-so-erreichen-sie-ihre-ziele.
2. SID-Meldung, u.a. Link: https://www.fr.de/sport/fussball/bibiana-steinhaus-erfuellt-sich-ihren-traum-11022398.html.
3. Lorenz Wagner: „Ich kenne das Risiko. Es ist mir voll bewusst. In: SZ-Magazin, 25.5.2017. Link: https://sz-magazin.sueddeutsche.de/sport/ich-kenne-das-risiko-es-ist-mir-voll-bewusst-83666.
4. dpa-Meldung, u.a.: Link: https://www.waz.de/sport/fussball/an-der-zeit-schiedsrichterin-frappart-bereit-fuer-supercup-id226771927.html.
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Petra Tabarelli, studierte Historikerin, leitet ein Stadtarchiv und schaut Fußball seit ihrem dritten Lebensjahr. Neben der Landesgeschichte ist die Fußballgeschichte ein großes Interessengebiet. Ihr Schwerpunkt ist Entstehung der Fußballregeln und des Schiedsrichterwesens in England und Deutschland.

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