Schiedsrichter:in, Schiedsrichterassistent:in, Spieloffizielle, Vierte:r Offizielle:r
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Schiedsrichterinnen im Männerfußball

Hier eine alphabetische Übersicht über Schiedsrichterinnen, die in den oberen bzw. Profi-Männerligen schiedsen oder schiedsten. Hinweise über zu ergänzende Frauen gerne an mich oder hier in die Kommentare.

Dagmar Damková

Die 1974 geborene Tschechin begann mit 14 Jahren das Fußballspielen und wurde mit 21 Jahren Schiedsrichterin. Sie war die erste Frau, die in Tschechien Wettbewerbsspiele im Männerfußball pfiff (erstmals in Oktober 2003). 2011 beendete die Englischlehrerin ihre Laufbahn als Schiedsrichterin und wurde das erste weibliche Mitglied der UEFA-Schiedsrichter-Kommission.

Amy Fearn, geb. Rayner

1977 in England geboren, wollte sie gerne Fußballspielen, doch es gab für sie als Mädchen keine Möglichkeit. So begann sie mit 13 Jahren einen Schiedsrichterkurs zu besuchen – zusammen mit ihrem Vater. Die studierte Wirtschaftswissenschaftlerin und Wirtschaftsprüferin ist seit 2004 Schiedsrichterin in der Football Conference (fünfthöchste Männerliga) und seit 2005 Schiedsrichterassistentin in der Football League (zweithöchste Männerliga). Sie war aber dennoch die erste Frau in England, die ein Spiel in der Football League leitete: 2010 erlitt bei der Partie Coventry gegen Nottingham Forest der Hauptschiedsrichter Tony Bates eine Wadenzerrung. Amy Fearn übernahm daraufhin die Leitung für die restlichen 20 Minuten des Spiels. 2013 wurde sie außerdem die erste Schiedsrichterin, die ein FA-Cup-Spiel im main draw leitete.

Stéphanie Frappart

1983 im französischen Herblay-sur-Seine geboren, begann sie mit elf Jahren das Fußballspielen und legte mit 14 Jahren die Schiedsrichterprüfung erfolgreich ab. Nach ein paar Jahren als Spielerin und Schiedsrichterin entschied sie sich für die Aufgabe als Spieloffizielle. 2003 pfiff sie zum ersten Mal Männerspiele, im Sommer 2014 in der Ligue 2 (wurde außerdem als Vierte Offizielle in der Ligue 1 eingesetzt) und schließlich im Frühjahr 2019 in der Ligue 1. Sie war in Frankreich die erste Frau, die in den oberen Männerligen als Schiedsrichterin eingesetzt wurde. Auch beruflich ist sie im Sport tätig und arbeitet für den französischen Arbeiter-Sport- und Turnverband.

Gertrud Gebhard, geb. Regus

1980 wurde die damals 18jährige eine Schiedsrichterin, nachdem sie bereits als Spielerin im Fußball aktiv war. Sie war die erste Frau in Deutschland, die ein Frauenländerspiel leitete (1991) und das Endspiel im DFB-Pokal der Frauen (1992). In diesem Jahr wurde sie auch als Schiedsrichterin der damaligen Männer-Regionalliga als dritthöchste Liga eingesetzt, ein Jahr später auch als Schiedsrichterassistentin in der 2. Bundesliga. Es folgten 1995 und 1996 je auch ein Spiel als Schiedsrichterassistentin in der 1. Bundesliga. Danach wurde sie degradiert und sollte keine Spiele mehr in den beiden oberen Männerligen schiedsten. „Ohne Perspektive“, so die Begründung. Es folgte eine Auseinandersetzung mit ihrem Verbandsschiedsrichterausschuss, der dazu führte, dass sie auch von der FIFA-Liste gestrichen wurde. Daraufhin trat sie Anfang 1997 als aktive Schiedsrichterin zurück. Heute ist die Verwaltungsangestellte aber als Schiedsrichterbeobachterin im Amateurbereich tätig.

Riem Hussein

Die 1980 geborene promovierte Apothekerin ist seit 2001 Schiedsrichterin. Seit 2015 schiedst sie in der 3. Liga. Auch sie war Fußballspielerin und hatte wohl auch Anfragen vom HSV und VfL Wolfsburg. Sie entschied sich dann aber mit Mitte 20, nur noch Spiele zu leiten.

Sian Massey-Ellis

Die 1985 geborene MBE ist die erste weibliche Schiedsrichterassistentin, die in der Premier League eingesetzt wird (2019). Sie ist außerdem Mutter eines kleinen Kindes. In einem Interview sagte sie zur Vereinbarkeit, dass die Zeit nach der Geburt eine Herausforderung für sie war und sie um ihre Karriere gefürchtet hatte. „Die Ärzte sagten mir, dass ich nie wieder Schiedsrichterin werden könnte. […] Ich hätte eine andere Rolle als Schiedsrichterin annehmen können, aber ich war nicht bereit, meine Karriere aufzugeben, nur weil ich ein Baby bekommen habe.“

Kateryna Monzul

Zu der 1981 geborenen Ukrainerin konnte ich nicht allzu viel über ihre Einsätze im Männerfußball herausfinden.

Sie leitet seit 2011 in der Perscha Liha, der zweithöchsten Männerliga, Spiele und seit 2016 in der höchsten Liga, der Premjer Liha.

Sie ist studierte Architektin und Stadtplanerin.

Tania Morais

Nachdem die 1982 geborene Luxemburgerin zunächst Schiedsrichterassistentin in der BGL Ligue, der höchsten Männerfußballliga in Luxemburg, war, ist sie bereits seit der Saison 2013/14 ist sie Schiedsrichterin in dieser Liga.

Salma Mukansanga

Sie pfeift in der höchsten ruandischen Liga und wird auch die erste afrikanische Frau, die ein Länderspiel von Männern leiten wird. Sie hat Krankenpflege und Geburtshilfe studiert und ist leidenschaftliche Sportlerin. Als Jugendliche wollte sie professionelle Basketballspielerin werden. In ihrem letzten Jahr auf der weiterführenden Schule wurde sie Fußballschiedsrichterin. 2008 schiedste sie dann in obersten Liga der Frauen und in der zweithöchsten Liga der Männer.

Nicole Petignat

Die 1966 geborene Schweizerin war eine der ersten Frauen, die in den höchsten Profiligen schiedsten, darunter in der schweizerischen Super League und der österreichischen Bundesliga. Außerdem war sie die erste Frau, die ein Männer-UEFA-Cup-Spiel pfiff: Am 14. August 2003 das Qualifikations-Hinspiel zwischen AIK Solang vs Fylkir Reykjavik. Die Physiotherapeutin und Musiklehrerin war seit 1983 Schiedsrichterin und beendete 2008 ihre Karriere.

Guadalupe Porras Ayuso

Mit 16 Jahren legte die 1987 geborene Spanierin erfolgreich ihre Schiedsrichterinnenprüfung ab und weitere 16 Jahre später assistentierte sie erstmals in der Primera División in Spanien ein Spiel. Sie ist in Spanien die erste Spieloffizielle, die in der Primera División eingesetzt wurde. (Mit Dank an @Mirai_Torres für den Hinweis.)

Katrin Rafalski

Die 1982 geborene ehemalige Torhüterin und Mittelfeldspielerin konnte wegen einer gebrochenen Schulter nicht mehr ihre Spielerinnenkarriere weiterführen. Allerdings war sie bereits seit ihrem 15. Lebensjahr auch Schiedsrichterin. Mittlerweile ist sie röntgentechnische Assistentin und wird seit 2016 als Schiedsrichterin der 3. Liga und als Schiedsrichterassistentin in der 2. Bundesliga der Männer eingesetzt.

Nicole Schumacher

In ihrer Jugend war die 1979 geborene Polizeikommissarin als Leichtathletin aktiv, aber auch als Schiedsrichterin. 2007/08 wurde sie einerseits als Schiedsrichterin den früheren Regionalligen Süd und Nord als dritthöchste Klasse eingesetzt und andererseits auch als Schiedsrichterassistentin in der 2. Männer-Bundesliga. Obwohl man ihr eine erfolgreiche Zukunft beschied, beendete sie 2008 ihre Schiedsrichterinnenkarriere aus persönlichen Gründen. Sie gab an, dass nichts Negatives vorgefallen sei, ihr aber Einschränkungen der Privatsphäre zu groß geworden seien.

Esther Staubli

Die 1979 geborene Lehrerin schiedst seit der Saison 2014/15 in der schweizerischen Challenge League, der zweithöchsten Liga im Männerfußball. Die Lehrerin war auch durchaus erfolgreiche Spielerin, aber nach eigener Aussage nicht gut genug für die Nationalmannschaft. Weil sie aber den Sport weiterhin betreiben wollte, wurde sie Schiedsrichterin und fand so ihre „große Leidenschaft“ (Staubli).

Bibiana Steinhaus

Ebenfalls 1979 wurde Bibiana Steinhaus geboren. Die Polizeibeamtin ist seit ihrer Jugend Schiedsrichterin und wird in der 1. Männer-Bundesliga seit 2007 als Schiedsrichterassistentin (Vierte Offizielle, um genau zu sein) und seit 2017 als Schiedsrichterin eingesetzt. Ehemals als linke Verteidigerin aktiv, wurde sie von ihrem Vater (ebenfalls ein Schiedsrichter) überredet, die Schiedsrichterprüfung zu machen.

Sarah Telek

Eine der aktuell jüngsten in der Runde der Schiedsrichterinnen ist die 1988 geborene Österreicherin Sara Telek, die im Februar 2020 erstmals als Schiedsrichterassistentin in der 1. Bundesliga der Männer in Österreich eingesetzt wurde. Letztes Jahr gab sie ihr Debüt in der 2. Männer-Bundesliga, ebenfalls als Assistentin an der Seitenlinie. In ihrer Jugend spielte sie Fußball, wollte sich dann aber mit 18 Jahren in Regelkunde weiterbilden und hat einen Schiedsrichterkurs besucht – und erfolgreich abgeschlossen. Schon bald danach wechselte sie ihr Trikot von der Spielerin zur Schiedsrichterin. Fußball ist nicht nur ihr Hobby, sondern auch ihr Beruf: Sie ist nicht nur Schauspielerin und Sprecherin, sondern moderiert und kommentiert als Sportjournalistin Fußballspiele im TV.

Wendy Toms

Die 1962 geborene Paketdienstangestellte („parcel post manager“) wurde Ende der 1980er Jahren Schiedsrichterin und bereits 1991 als Vierte Offizielle in der früheren englischen dritten Männer-Liga eingesetzt. 1997 bis 2005 war sie mehrfach als Schiedsrichterassistentin in der Premier League. Heute schiedst sie nicht mehr in den oberen Ligen, aber in der Football Conference (fünfthöchste Liga).

Claudia Umpierrez

Die Uruguayerin, 1983 geboren, stammt aus einer Fußballfamilie: Ihr Vater war Fußballtrainer, ihr Opa mütterlicherseits Schiedsrichter, ihr Onkel ein Profispieler. Als sie 16 Jahre als war, nahm ihre Tante erfolgreich an einem Schiedsrichterkurs teil. Zwei Jahre später begann Claudia Umpierrez zeitgleich ihre Schiedsrichterausbildung und ihr Jurastudium. Die heutige Bankangestellte und gelegentliche Privatrechtsanwältin wurde in ihrem Land eine Pionierin für Schiedsrichterinnen und schrieb Geschichte als sie 2016 als erste Schiedsrichterin in den oberen beiden uruguayischen Männerligen eingesetzt wurde. Sie wurde zu Beginn des Jahres 2014 Mutter, stand aber bereits kurze Zeit später wieder auf dem Spielfeld, u.a. im Sommer bei der U20-WM 2014 in Kanada.

Nelly Viennot

Die 1,52 m große Französin kam durch ihren Vater zum Fußball und spielte zunächst als Torhüterin. 1987 legte sie erfolgreich die Prüfung zur Schiedsrichterin ab. 1996, mit 34 Jahren, war sie in Frankreich die erste Schiedsrichterassistentin, die in der Ligue 1 eingesetzt wurde. Drei Jahre später wurde sie Teil des Schiedsrichterteams von Éric Poulain und war bis 2007 nicht nur Schiedsrichterassistentin in zahlreichen Spielen in der Ligue 1, sondern auch im Coupe de France, in der Europa League und in der Champions League der Männer. Außerdem leitete sie Spiele als Schiedsrichterin in der dritten französischen Männerliga. 2000 erlitt ihr linkes Ohr 25% Hörverlust, nachdem beim Spiel Strasbourg – Metz ein Böller sie am Kopf traf und explodierte. Nach ihrer aktiven Zeit, 2007, wurde sie Mitglied der Schiedsrichterinnen-Kommission der FFF (= französischer Fußballverband) und leitet als zweifache Mutter im lothringischen Regionalverband noch immer Spiele.

 

Zum Schluss noch ein Link zu einem Artikel von Gherado Bonini auf PlayingPast, einem Online-Magazine für die Sportgeschichte. Gheradi Bonini beschäftigt sich mit Edith Klinger, die Mitte der 1930er Jahren in Österreich Fußball-Schiedsrichterin war und damit sicherlich eine der ersten auf dem europäischen Kontinent. In einer Zeit, in der es noch lange unüblich war, dass Frauen Fußball spielten.

 

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