Regel 1: Das Spielfeld

Regel 1: Das Spielfeld

In den frühen Regelwerken von Cambridge und Uppingham sowie der Sheffield FA vor 1871 wurde das Spielfeld nicht beschrieben, wohl aber im Regelwerk der Football Association von 1863. In den folgenden Jahrzehnten veränderte es sich noch minimal, um seit 1938 fast unverändert zu bleiben.

Die Regel beschreibt die Größe des Spielfeldes mit seinen Markierungslinien und seiner Beschaffenheit, die Tormaße und deren Beschaffenheit, die Größe von Mittellinie und Mittelkreis, der Ecken, des Torraums, des Strafraums und – die einzige Ergänzung seit 1938 – die Technische Zone.

Größe

Die Football Association Rules 1863 schrieben ein Spielfeld von 137×91 qm vor, die Sheffield Rules von 1871 183×91 qm. 1938 wurde das Spielfeld  ein etwas kleineres Feld von 90-120 m Länge und 45-90 m Breite . Das entspricht in etwa die Größe, die die DFB-Regeln des frühen 20. Jahrhunderts notierten (100-110 m Länge und 65-75 m Breite), die wiederum der Spielfeldgröße in den Spielbüchern von Johannes Scharfe und Ernst Kohlrausch entspricht1)Vgl. Scharfe, Johannes: Fußball ohne Aufnehmen des Balles. Leipzig 1921. S. 13. Vgl. Kohlrausch, Ernst.: Bewegungsspiele. Berlin 3^1914. S. 118.. Ludwig Lechner empfahl in seinem Spielbuch (1897) ein Spielfeld von 90-180 m Länge und 40-80 m Breite, wobei er für eine Mannschaft von 10-14 Schülern ein Feld von 20×55 qm für ausreichend erachtet.2)Vgl. Lechner, Ludwig: Schule und Jugendspiele. Teil 1: Leitfaden für Freunde des Jugendspieles und Spielleiter insbesondere. Wien 2^1897. S. 12-16.

Beschaffenheit des Spielfeldes

In den Regelwerken gab es lange Zeit keine Beschreibung der Beschaffenheit. Nicht, weil es belanglos war, sondern vielmehr nicht der Rede wert. Die erste und bislang einzige Bestimmung, dass auch auf Kunstrasen Fußball gespielt werden kann, wurde zwischen 1977 und 2015 dem Regelwerk hinzugefügt.

Dafür finden sich umso mehr Beschreibungen und Empfehlungen in den Spielbüchern: Der Platz sollte eben sein, in zugfreier Lage und von niedrigem, aber dichtem Grasbewuchs. Der Grasbewuchs sollte ständig gepflegt werden – hierzu sollte man am besten einen Landwirt um Rat fragen.

„Die Erfahrung auf einem Spielplatz bei Dresden, wo man das Spiel durch ein ganzes Jahr aussetzte, um der Grasnarbe Zeit zur Befestigung zu geben, und im nächsten Jahre nach sechswöchentlicher Benützung doch nur wieder eine Wüste hatte, geben den nöthigen Fingerzeig; man vertheile die Arbeit der Berasung auf mehrere Jahre und nehme sie parcellenweise vor mit mindestens zweijähriger Schonung der jeweiligen Anlage.“3)Lechner, Ludwig: Schule und Jugendspiele. Teil 1: Leitfaden für Freunde des Jugendspieles und Spielleiter insbesondere. Wien 2^1897. S. 12.

Die 1893 vom Jenaer Fußballverein herausgegebenen Regeln („Jenaer Regeln“) schrieben vor, dass das Spielfeld frei von Bäumen und Steinen sein muss. Die Stelle wird oft mit Bäume und Sträucher wiedergegeben, aber hierbei handelt es sich um einen Lesefehler, der häufig kopiert wurde. Die einzigen Bäume, so wiederum Lechner, dürfen am Spielfeldrand stehen, um den Zuschauern Schatten zu spenden. Den Zuschauern wohlgemerkt, denn Lechner war Befürworter des Fußballsspiels als militärischen Drill für Jungen. Schatten, Trinkquellen und Trinkpausen diene nur der „Verweichlichung“ und sei keine gute Vorübung für die Entbehrungen eines Soldaten auf dem Kriegsplatz.4)Vgl. Lechner, Ludwig: Schule und Jugendspiele. Teil 1: Leitfaden für Freunde des Jugendspieles und Spielleiter insbesondere. Wien 2^1897. S. 15-16.

Markierungslinien

Markierungslinien gab es noch bis in die 1860er Jahren nicht. Es markierten nur vier Fahnen die vier Ecken des Spielfeldes. Entsprechend schwierig war es zu manchmal erkennen, ob sich der Ball kurzzeitig im Tor- oder Seitenaus befand. In den nächsten Jahren setzte es sich durch, die Außenränder des Spielfeldes mit einer Lösung aus Kreideschlamm aufzuzeichnen. In anderen Fällen wurde entlang der Seitenlinie und Torlinie eine V-förmige Rinne ausgegraben.5)Vgl. Scharfe, Johannes: Fußball ohne Aufnehmen des Balles. Leipzig 1921. S. 16. Wie viele Verletzungen so eine Rinne mit sich gebracht haben muss, kann man sich nur allzu leicht ausmalen.
In den 1890er Jahren entstand die Optik, die wir heute gewohnt sind6)Vgl. dazu auch die Grafiken im Blogartikel bei Brown, Paul: How the football field was marked out in 1892 and how it wasn’t in 1869. In: Goalpost. URL: http://www.goalpostbooks.co.uk/how-the-football-field-was-marked-out-in-1892-and-how-it-wasnt-in-1869/ (Letzter Zugriff: 26.06.2017).: Zusätzlich zu der Spielfeldumrandung kam 1892 ein Viertelkreis von 1 m Radius an jeder Ecke, die Mittellinie und der Mittelkreis mit einem Radius von 9,15 m – die Kreise zeigen den Bereich an, den Gegner beim Eckstoß oder Anstoß vom Mittelkreis nicht betreten dürfen. Den Strafraum mit Elfmeterpunkt und Torraum gab es 1892 noch nicht, sondern eine Elfmeterlinie parallel zur Torlinie in 11 m Abstand, von der ein Strafstoß geschossen werden musste. Diese Linie wurde aber weniger Jahre später durch den Elfmeterpunkt ersetzt. Seit den 1930er Jahren ergänzt ein zusätzlicher Halbkreis von 9,15 m Radius mittig vor den Strafraum gezeichnet, das heute bekannte Bild eines Spielfeldes.
Auch die Breite der Linien ist vorgegeben: Sie orientiert sich an dem Durchmesser der Torpfosten, nämlich maximal 12 cm.

Mittelkreis

Die Mittellinie teilt das Spielfeld in zwei gleichgroße Hälften der Länge nach. In ihrer Mitte befindet sich der Anstoßpunkt, um den ein Kreis mit 9,15 m Abstand gezeichnet ist. 9,15 m waren der „gebührende Abstand“ der Gentlemen bei Duellen. Die Regelwerke von Cambridge und Uppingham thematisierten ihn nicht, aber in den Regelwerkenvon Sheffield und der Football Association ist er genauso beschrieben wie heute.

Tor

In den Regelwerken von Cambridge, Uppingham und Sheffield finden sich keine Angaben über die Tore, aber Skizzen zeigen, dass Fußball in Cambridge ohne obere Begrenzung gespielt wurde. In Sheffield wurde die Torhöhe nachträglich ergänzt und 1864 auf 3,66 m, 1871 auf 2,74 m festgelegt. Auch das Regelwerk der Football Association nannte zunächst keine maximale Höhe, sondern erst in einer Aktualisierung 1865 (2,44 m Höhe). Es muss aber bereits 1863 eine maximale Höhe mit einer Schnur markiert worden sein, die natürlich zu zahlreichen strittigen Situationen führte, so eben auch schon 1863: In einem Spiel zwischen den Football Association-Mitgliedern Charterhouse und Crusader war die Schnur durch vorherige Szenen nicht mehr ganz straff gespannt. So ließ sich nicht feststellen, ob Kenneth Muir Mackenzie (Charterhouse) über oder in das Tor geschossen hatte.7)Vgl. Brown, Paul: A history of the football crossbar. In: Goalpost. URL: http://www.goalpostbooks.co.uk/the-evolution-of-the-crossbar/ (Letzter Zugriff: 26.06.2017). 1875 wurde deswegen eine Torlatte empfohlen, in Wettbewerbsspielen gefordert; 1882 wurde sie verlangt.
1890 erleichterten dann Tornetze zusätzlich die Torentscheidung. Die Netze waren zunächst aus Eisen und sind mittlerweile aus Kunststoff. 1938 wurde ergänzt, dass die Tornetze am Boden befestigt werden müssen, damit ein scharf geschossener Ball nicht unter dem Tor durchrollen kann.
Die Torpfosten müssen seit den 1950er oder 1960er Jahren nicht mehr eckig und aus Holz sein, sondern können auch rund, halbrund oder elliptisch und aus Metall oder einer aus einer von der IFAB genehmigten Aluminiumlegierung sein. Seit 1988 müssen sie weiß sein. Pfosten und Latte dürfen kein Dämpfungsmaterial enthalten, um das Ballverhalten nicht zu verändern.

Die Torhöhe wurde nach ihrer Fixierung in den Regelwerken 1864/1865 nicht mehr geändert, die Breite von 7,3 m oder 7,32 m seit 1871 (Sheffield FA) / 1877 (Football Association) nicht mehr. In Sheffield sollte das Tor 1864 nicht breiter als 3,66 m sein (es war somit quadratisch), in der Football Association 1865 nicht breiter als 4,5 m.
Aus Sicherheitsgründen müssen alle Tore, auch tragbare, seit 1994 fest im Boden verankert sein. Ja, diese Vorschrift galt schon vor dem Torfall von Madrid vor dem Champions-League-Spiel zwischen Borussia Dortmund und Real Madrid.

Ecke

Wie oben geschrieben, gab es schon vor den Markierungslinien Eckfahnen, die das Spielfeld absteckten. Der Viertelkreis an der Ecke des Spielfeldes kam, wie auch schon genannt, um 1900 als Markierung auf dem Rasen hinzu. Er markiert den Bereich, von dem der Ball ins Spielfeld geschossen werden muss. Manchmal wird es von einem weiteren Viertelkreis mit 9,15 m Radius von der Ecke ergänzt. Dieser zweite Viertelkreis zeigt an, wie weit sich gegnerische Spielerinnen und Spieler dem oder der Ausführenden nähern dürfen. Den Eckstoß gab es aber bereits seit 1858 (Sheffield FA) bzw. 1872 (Football Association).

Torraum

Der Torraum wurde in der Football Association erst um 1900 eingeführt, ist seitdem aber unverändert und misst 5,5×5,5 qm.

Strafraum

Der Strafraum entstand mit der Einführung des Strafstoßes 1891. Zunächst war er die Fläche elf Meter vor beiden Toren. 1902 wurde er zum Rechteck verändert und misst seitdem 16,46×40,32 qm.

Technische Zone (Coaching Zone)

Der Bereich, in dem sich die Teamoffiziellen aufhalten und ihrer Mannschaft taktische Anweisungen geben dürfen, wurde verhältnismäßig spät im Regelwerk ergänzt, nämlich 1993. Seit 2000/01 ist vorgeschrieben, dass sich die Mannschaftsoffiziellen nur kurz für die taktische Anweisung in  diesem Bereich aufhalten dürfen und sich direkt danach wieder setzen müssen. Aber längere Zeit in der Coaching Zone stehende Trainer werden mittlerweile geduldet.
Zur Saison 2016/17 wurde ergänzt, dass Mannschaftsoffizielle aktiv am Spielgeschehen teilnehmen und so auch Strafstöße riskieren, wenn sie ein Tor vereiteln.

Fotografenlinie

Nicht an lauffreudige Teamoffizielle, sondern an Fotografen richtete sich die Einführung einer Fotografenlinie hinter dem Toraus. Die Einführung war zwischen 1949 und 1977 – näher kann ich die Einführung noch nicht eingrenzen, weil mir schlicht die Quellen fehlen. Die Fotografenlinie war allerdings nicht gerade, sondern eine halbe Ellipse: Sie führte jeweils 2 m hinter der Eckfahne, 3,5 m im Bereich zwischen Eckfahne und Torpfosten und 6 m hinter dem Tor selbst entlang.

Cite this article as: Petra: Regel 1: Das Spielfeld. In: Nachspielzeiten, 26. Juni 2017. URL: http://nachspielzeiten.de/regel-1-das-spielfeld/ (zuletzt aufgerufen: 25. Februar 2018).
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Fußnoten   [ + ]

1. Vgl. Scharfe, Johannes: Fußball ohne Aufnehmen des Balles. Leipzig 1921. S. 13. Vgl. Kohlrausch, Ernst.: Bewegungsspiele. Berlin 3^1914. S. 118.
2. Vgl. Lechner, Ludwig: Schule und Jugendspiele. Teil 1: Leitfaden für Freunde des Jugendspieles und Spielleiter insbesondere. Wien 2^1897. S. 12-16.
3. Lechner, Ludwig: Schule und Jugendspiele. Teil 1: Leitfaden für Freunde des Jugendspieles und Spielleiter insbesondere. Wien 2^1897. S. 12.
4. Vgl. Lechner, Ludwig: Schule und Jugendspiele. Teil 1: Leitfaden für Freunde des Jugendspieles und Spielleiter insbesondere. Wien 2^1897. S. 15-16.
5. Vgl. Scharfe, Johannes: Fußball ohne Aufnehmen des Balles. Leipzig 1921. S. 16.
6. Vgl. dazu auch die Grafiken im Blogartikel bei Brown, Paul: How the football field was marked out in 1892 and how it wasn’t in 1869. In: Goalpost. URL: http://www.goalpostbooks.co.uk/how-the-football-field-was-marked-out-in-1892-and-how-it-wasnt-in-1869/ (Letzter Zugriff: 26.06.2017).
7. Vgl. Brown, Paul: A history of the football crossbar. In: Goalpost. URL: http://www.goalpostbooks.co.uk/the-evolution-of-the-crossbar/ (Letzter Zugriff: 26.06.2017).

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