Die Anzahl der Spieler

Jahr (Quelle) Regel(änderung) (auf Vorschlag von, sofern bekannt)
Diverse Berichte über Fußballspiele vor 1870 Es gab weder eine verschriftlichte noch eine nicht verschriftlicht einheitliche Regelung, wie viele Spieler und Spielerinnen einer Mannschaft gleichzeitig an einem Spiel teilnehmen mussten und wie viele es durften. Es gab die Varianten mit acht Spieler(inne)n und mit elf Spieler(inne)n oder auch nur die Vorgabe, dass auf beiden Seiten eine gleiche Anzahl von Spieler(inne)n vorhanden sein muss. Zumindest in der FA scheint aber die Variante mit elf Spieler(inne)n üblich gewesen zu sein.
1849, Surrey FC elf Spieler
1857 (Sheffield FC) Keine Vorgaben. Man war der Ansicht, dass ein Gentleman nichts zu seinem Vorteil nutzen würde, was seinem Gegner schaden würde.
1897 (IFAB) Die erste Erwähnung einer Anzahl: Für jede Mannschaft müssen elf Spieler oder Spielerinnen auf dem Spielfeld stehen.
1921 (IFAB) Wenn ein Spieler oder eine Spielerin auf das Spielfeld möchte, nachdem das Spiel begonnen hat, muss er oder sie sich beim Schiedsrichter anmelden (FA).
1924 (IFAB) Wenn der Schiedsrichter oder die Schiedsrichterin der Meinung ist, dass ein Spieler oder eine Spielerin ernstlich verletzt ist, soll er oder sie das Spiel unterbrechen, damit der Spieler oder die Spielerin vom Feld gebracht werden kann. Ist der Spieler oder die Spielerin leicht verletzt, wird das Spiel nicht gestoppt, bis der Ball im Feldaus ist (schottische FA).
1978 (IFAB) Wenn ein Freistoß für eine Mannschaft im eigenen Torraum gegeben wird, darf der Freistoß von irgendeinem Punkt innerhalb des Torraums ausgeübt werden  (FA).
1997 (IFAB) Ein Spieler oder eine Spielerin mit blutender Wunde darf nicht weiterspielen und muss das Spielfeld zur Behandlung verlassen.
2002 (IFAB) Eine verletzter Spieler oder eine verletzte Spielerin, der oder die behandelt wurde, kann erst wieder auf das Spielfeld, wenn das Spiel fortgesetzt wurde (FIFA).

 

Nicht angenommene Vorschläge für eine Regeländerung:

  • 1924: Bei Verletzung eines Spielers oder Spielerin wird das Spiel nicht unterbrochen, bis der Ball aus dem Feld ist. Dann soll der verletzte Spieler oder die verletzte Spielerin vom Feld und das Spiel wird neu gestartet (schottische FA)

 

Spielerauswechslungen

Erste Regeländerungen zu Auswechslungen gab es erst seit den 1950ern. Dennoch wurde vorher immer wieder über dieses Thema diskutiert. 1923 erlaubte das IFAB Auswechslungen bei Nicht-Wettbewerbsspielen. Voraussetzung war, dass sich die Kapitäne der beiden Teams vorher darüber verständigt haben. Die Deutsche Sport-Zeitung, aus der meine folgenden Quellen entnommen sind, stand dieser Auffassung aber deutlich konträr gegenüber („Unsitte“). Der Grund für Carl Koppehel wie auch die vier britischen Verbände lag darin, dass der Schiedsrichter schwerlich sehen könne, ob wirklich eine schwere Verletzung vorliegt oder der Spieler nur für einen fitteren Spieler Platz machen solle. Nur die wenigstens wären ehrlich. Das sei eine Unsportlichkeit und habe damit im Sport nichts verloren.1)Vgl. Carl Koppehel: Nützliches Regelwissen, Regel-Kleinigkeiten, die man beachten muss. Folge 2. In: Deutsche Schiedsrichter-Zeitung 11 (1929), 01.01.1929. S. 2. Ebenso vgl. Carl Koppehel: Soll man Spieler austauschen? Eine aktuelle Frage. In: Deutsche Schiedsrichter-Zeitung 12 (1930), 01.06.1930. S. 3. Fair dagegen sei: „Man nimmt […] lieber das Ausscheiden eines verletzten Spielers und die damit bedingte Schwächung der Mannschaft in Kauf, als man einer Mannschaft einen unsportlichen Vorteil zukommen läßt, indem man das unkontrollierbare Auswechseln angeblich verletzter Spieler gestattet.“2)Vgl. NN: Die Lektion des Monats. Die neuen Regelbestimmungen. In: Deutsche Schiedsrichter-Zeitung 13 (1931), 01.02.1931. S. 32. In den skandinavischen Ländern waren Auswechslungen bei nationalen Spielen anscheinend üblich3)Vgl. NN: Die FIFA tagte. In: Deutsche Schiedsrichter-Zeitung 20 (1938), 01.07.1938. S. 156. und die FIFA reichte beim IFAB den Vorschlag ein, Auswechslungen zu erlauben.4)Vgl. Carl Koppehel: Wieder Fußball-Regeländerungen. Die Beschlüsse des International Board. In: Deutsche Schiedsrichter-Zeitung 13 (1931), 01.07.1931. S. 148. Als Reaktion unterband das IFAB aber Auswechslungen von verletzten Feldspielern in Nicht-Wettbewerbsspielen (in anderen blieb sie generell verboten). Nur die Auswechslung eines verletzten Torhüters war erlaubt. Dessen Name musste dem Schiedsrichter vor Spielbeginn mitgeteilt werden.5)Vgl. Carl Koppehel: Ersatz verletzter Spieler. In: Deutsche Schiedsrichter-Zeitung 20 (1938), 16.04.1938. S. 85.

 

1923 (IFAB) Bei Nicht-Wettbewerbsspielen können sich die Mannschaften vor dem Spiel darauf einigen, verletzte Spieler oder Spielerinnen durch andere zu ersetzen (FA).
1953 (IFAB) Bis zu diesem Jahr durfte kein Spieler und keine Spielerin während des Spieles ausgewechselt werden. Nur, wenn es sich nicht um ein Wettbewerbsspiel handelte, konnten die Vereine mit dem Schiedsrichter vor Spielbeginn aushandeln, dass verletzte Spieler oder Spielerinnen ersetzt werden durften.
1953 (IFAB, nur intern. Spiele) Ab den Qualifikationsspielen zur Weltmeisterschaft 1954 wurde erlaubt, auch in Wettbewerbsspielen Spieler oder Spielerinnen auszuwechseln. Allerdings nur bei Verletzung und ein Spieler oder eine Spielerin pro Mannschaft und Spiel.
1957 (IFAB) Jedes Land kann selbst entscheiden, ob es Auswechselspieler oder -spielerinnen bei Verletzung zulässt oder nicht (IFAB).
1965 (FA) U.a. die FA erlaubt eine Auswechslung pro Spiel bei einer Verletzung.
1966 (FA) Pro Spiel und pro Mannschaft können nun unabhängig einer Verletzung ein Spieler oder eine Spielerin ausgewechselt werden.
1967 (IFAB) Bei Freundschaftsspielen können bis zu zwei Spieler oder Spielerinnen pro Mannschaft unabhängig einer Verletzung ausgewechselt werden, sofern der nationale Fußballverband Auswechselspieler erlaubt. Vor dem Spiel muss der Schiedsrichter oder die Schiedsrichterin über die Namen der möglichen Auswechselspieler informiert werden. Ein Spieler oder eine Spielerin, der oder die vor dem Spiel vom Spiel ausgeschlossen wird, darf nur durch einen der genannten Spieler oder Spielerinnen ersetzt werden. Ein Ersatzspieler oder eine Ersatzspielerin, der oder die vor oder während des Spieles des Feldes verwiesen wird, darf nicht ersetzt werden. Der Schiedsrichter oder die Schiedsrichterin muss über eine Auswechslung informiert werden und der Ersatzspieler oder die Ersatzspielerin darf nur während einer Spielunterbrechung und nach Erlaubnis des Schiedsrichters oder der Schiedsrichterin das Spielfeld betreten. Ein Ersatzspieler oder eine Ersatzspielerin gilt als Spieler oder Spielerin und untersteht entsprechend der Jurisdiktion des Schiedsrichters oder der Schiedsrichterin (IFAB).
1968 (IFAB) Auswechslungen von bis zu zwei Spieler oder Spielerinnen pro Mannschaft und Spiel unabhängig einer Verletzung sind möglich.
1971 (IFAB) Die zwei Auswechselspieler oder -spielerinnen müssen aus fünf zuvor Nominierten ausgewählt wurden.
1972 (IFAB) Keine maximale Anzahl an Ersatzspielern oder -spielerinnen bei Freundschaftsspielen, sondern gegenseitige Vereinbarung. Bei Wettbewerbsspielen können maximal zwei Spieler oder Spielerinnen ausgewechselt werden; Ersatzspieler oder Ersatzspielerinnen dürfen maximal fünf nominiert werden, deren Namen dem Schiedsrichter oder Schiedsrichterin vor dem Spiel bekannt gemacht werden (FA).
1972 (IFAB) Ein- und Auswechselspieler oder -spielerinnen verlassen bzw. gehen an der Mittellinie aus/in das Spielfeld.
1973 (IFAB) Nicht der Schiedsrichter oder die Schiedsrichterin gibt das Zeichen zur Auswechslung, sondern der neue Spieler darf erst auf das Spielfeld, wenn es der andere Spieler verlassen hat.
1980 (IFAB) Ein Spieler oder eine Spielerin, der oder die ausgewechselt wurde, verliert mit Übertritt des oder der Eingewechselten auf das Spielfeld seinen Status als Spieler oder Spielerin und darf auch nicht wieder eingewechselt werden (FA).
1980 (IFAB) Hat sich ein Einwechselspieler oder Einwechselspielerin nicht zuvor beim Schiedsrichter oder der Schiedsrichterin angemeldet, wird er oder sie je nach den Umständen verwarnt oder des Feldes verwiesen. Das Spiel wird mit einem Schiedsrichterball an dem Ort fortgesetzt, an dem sich der Ball befand, als das Spiel unterbrochen wurde (FA).
1985 (IFAB) Hat sich ein Einwechselspieler oder Einwechselspielerin nicht zuvor beim Schiedsrichter angemeldet, wird das Spiel sofort gestoppt und nach der Verwarnung durch einen Schiedsrichterball an dem Ort fortgesetzt, an dem der Ball sich bei der Spielunterbrechung befand. Ergänzung: Es sei denn, der Ball befand sich zu diesem Zeitpunkt im Torraum, in diesem Fall wird er auf den Teil der Torraumlinie fallen gelassen, der parallel zur Torlinie verläuft, an dem Punkt, der dem Ort am nächsten liegt, an dem der Ball wie bei Spielunterbrechung liegt (irische FA).
1987 (IFAB) Jeder Wettbewerb kann die erlaubte Anzahl an Auswechslungen festlegen (FA).
1994 (IFAB) Die Anzahl der erlaubten Auswechslungen wird auf „2+1“ erhöht, d.h. zwei Feldspieler bzw. Feldspielerinnen und ein Torhüter bzw. eine Torhüterin (FIFA).
1995 (IFAB) Die im Jahr zuvor erlassene „2+1-Regel“ wird etwas verändert. Nun sind drei Auswechslungen möglich, unabhängig davon, ob es sich um Feldspieler bzw. Feldspielerinnen oder Torhüter bzw. Torhüterinnen handelt. Bei anderen Spielen sind bis zu fünf Auswechselspieler oder -spielerinnen erlaubt. Alle müssen weiterhin vorher feststehen und der Schiedsrichter oder die Schiedsrichterin über die Namen informiert werden (schottische FA).
1996 (IFAB) Für jeden Wettbewerb soll festgelegt werden, wie viele Ersatzspieler oder Ersatzspielerinnen vor dem Spiel nominiert werden dürfen; die Zahl muss zwischen drei und sieben liegen (walisische FA).
1997 (IFAB) Bis zu fünf Auswechselspieler oder -spielerinnen dürfen bei Wettbewerbsspielen nominiert werden.
2000 (IFAB) Bei Nicht-Wettbewerbsspielen können sich die beiden Mannschaften vorher auf eine Anzahl einigen. Der Schiedsrichter oder die Schiedsrichterin ist darüber zu informieren (schottische FA).
2004 (DFB) Bei Freundschaftsspielen sind nun pro Spiel und Mannschaft drei bis zwölf Auswechslungen möglich.
2015 (IFAB) Freigestellt für nationale Verbände: Zurücknahme von Auswechslungen (nur im Amateurbereich). Diese wurde zuvor zwei Jahre in der FA und SFA mit Erfolg getestet. Die Teilnehmerzahl der Spieler stieg deutlich an. Darüber hinaus verhinderte es, dass Teams zur Jahresmitte ausscheiden mussten, und half den Spielern oder Spielerinnen, die von Verletzungen zurückkehrten, indem es ihre Spielzeit besser managte.

 

Nicht angenommene Vorschläge für eine Regeländerung:

  • 1948, 1949: Wenn ein Torhüter oder eine Torhüterin verletzt ist, darf er oder sie ersetzt werden. Der Ersatzspieler oder Ersatzspielerin ist aber nicht gezwungen, die Position des Torhüters bzw. der Torhüterin einzunehmen (schottische FA), abgelehnt.
  • 1955: In Wettbewerbsspielen darf kein Spieler oder Spielerin ausgewechselt werden. Der Torhüter bzw. die Torhüterin darf ausgewechselt werden, wenn er verletzt ist (schottische FA), vertagt.
  • 1956: In Wettbewerbsspielen darf kein Spieler und keine Spielerin ausgewechselt werden (schottische FA), abgelehnt.
  • 1956, 1957: Der Torhüter bzw. die Torhüterin darf ausgewechselt werden, wenn er oder sie verletzt ist, in Wettbewerbsspielen aber nur gegen einen anderen Torhüter bzw. Torhüterin (FIFA), abgelehnt.
  • 1963: Wenn ein des Feldes verwiesener Spieler oder Spielerin wieder auf das Feld kommt, macht er oder sie sich dem unsportlichen Verhalten schuldig und muss mit Konsequenzen leben. Das Spiel muss vom Schiedsrichter oder der Schiedsrichterin unterbrochen werden, der schuldige Spieler oder die schuldige Spielerin (erneut) verwarnt werden. Das Spiel wird mit einem Schiedsrichterball fortgesetzt (schottische FA), vertagt.
  • 1966: Jedes Team besteht auf 13 Spieler oder Spielerinnen, von denen 11 spielen (eine oder einer davon als Torhüter bzw. Torhüterin). Die beiden verbleibenden Spieler oder Spielerinnen können irgendeine/n Spieler oder Spielerin der Startelf einmal während des Spiels ersetzen. Ein Spieler oder eine Spielerin, der oder die vom Feld verwiesen wurde, darf nicht ersetzt werden (FIFA), vertagt.
  • 2015: CONMEBOL, Sri Lanka und US Soccer schlagen eine vierte Auswechslung pro Mannschaft vor, die in der Verlängerung eines Spiels möglich ist (FIFA), abgelehnt.

 

Fußnoten   [ + ]

1. Vgl. Carl Koppehel: Nützliches Regelwissen, Regel-Kleinigkeiten, die man beachten muss. Folge 2. In: Deutsche Schiedsrichter-Zeitung 11 (1929), 01.01.1929. S. 2. Ebenso vgl. Carl Koppehel: Soll man Spieler austauschen? Eine aktuelle Frage. In: Deutsche Schiedsrichter-Zeitung 12 (1930), 01.06.1930. S. 3.
2. Vgl. NN: Die Lektion des Monats. Die neuen Regelbestimmungen. In: Deutsche Schiedsrichter-Zeitung 13 (1931), 01.02.1931. S. 32.
3. Vgl. NN: Die FIFA tagte. In: Deutsche Schiedsrichter-Zeitung 20 (1938), 01.07.1938. S. 156.
4. Vgl. Carl Koppehel: Wieder Fußball-Regeländerungen. Die Beschlüsse des International Board. In: Deutsche Schiedsrichter-Zeitung 13 (1931), 01.07.1931. S. 148.
5. Vgl. Carl Koppehel: Ersatz verletzter Spieler. In: Deutsche Schiedsrichter-Zeitung 20 (1938), 16.04.1938. S. 85.