Schiedsrichter („umpires“) gab es auch schon in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts Schiedsrichter beim Fußballspiel der Privatschulen. Für Eton ist überliefert, dass es eine schlichtende Instanz gab (1845) 1)Vgl. Mangan, J. A.: Prologue. In: J. A. Mangan (Hg): Sport in Europe. Politics, Class, Gender. Preston 1999. S. iv-viii, hier S. vii., die außerhalb des Spielfeldes saß und auf Anrufung der Captains (eine Art Spielertrainermanager), nachdem diese sich nicht einigen konnten.

Das Fußballspiel war Ende des 19. Jahrhunderts weder fairer noch unfairer als heute, ein Schiedsrichter daher nötig. Denn schon in diesem Jahrhundert gab es zahlreiche Versuche, den Schiedsrichter zu täuschen, sei es durch verdeckte Fouls, ständige „Hand!“- und „Abseits!“-Rufe und andere Handlungen, die sich keineswegs verändert haben.

„You know very well that that last shot was not a goal.“, sagte ein nicht näher bekannter Schiedsrichter Ende des 19. Jahrhunderts zu einem Spieler. Der Spieler antwortetete: „Of course I do, but I didn’t know that you did, and nothing is lost by appealing.“.2)Brown, Paul: How referees are tricked – a Victorian football football[!] ref reveals all. In: Goalpost. URL: www.goalpost.co.uk/how-referees-are-tricked (Letzter Zugriff: 30.06.2017).

 

Jahr (Quelle) Regel(änderung) (auf Vorschlag von, sofern bekannt)
1847 und folgend (Eton Field Game) Jede Mannschaft wählte ihren umpire, der dann auf Anrufung seiner Mannschaft Recht sprechen musste.
1858 (Harrow Football) Jede Mannschaft wählte ihren umpire, der dann auf Anrufung seiner Mannschaft Recht sprechen musste.
1871 (Sheffield FA) Einführung von umpires. Jede Mannschaft wählte ihren umpire, der dann auf Anrufung seiner Mannschaft Recht sprechen musste.

Aufgaben: Einhaltung der Regel zum Schuhwerk.

1874 (FA) Einführung von umpires. Jede Mannschaft wählte ihren umpire, der dann auf Anrufung seiner Mannschaft Recht sprechen musste.

Aufgaben: Einhaltung der Regel zum Schuhwerk.

1875 (Sheffield FA) Zur besseren Signalgebung nutzten die umpires Fahnen.
1877 (FA) Weitere Aufgaben der umpires: Verwarnungen beiHandspiel, unerlaubtem Spiel und Verstoß gegen die Abseitsregel. Sie zeigen auch an,  wann und wo Ball im Aus war (Clydesdale FC).
1878 (FA) Zur besseren Signalgebung nutzten die umpires eine Trillerpfeife.
1881 (FA) Die umpires ergänzt ein referee, der auf Anrufung der umpires reagieren kann. Er wird im gegenseitigen Einvernehmen der teilnehmenden Mannschaften ausgewählt.Aufgaben: Zeit messen, Spieler verwarnen oder des Platzes verweisen (Birmingham FA).
1882 (FA) Der referee hat das Recht, das Spiel zu beenden, wenn Zuschauer ins Spiel eingriffen (Upton Park FC, Old Etonians).
1889 (IFAB) 1889 wurden die umpires gestrichen und der referee der alleinige Schiedsrichter oder Schiedsrichterin, der zudem nun aktiv am Spiel teilnahm statt auf eine Anrufung zu warten. Sie waren weiterhin befugt, das Spiel so lange zu beenden, wie sie es für angemessen hielten, sie maßen die Zeit und führten Aufzeichnungen über das Spiel. Außerdem konnten sie Spieler verwarnen, der Feldes verweisen oder das Spiel beenden – von einem Platzverweis und einer vorzeitigen Spielbeendigung mussten sie den nationalen Verband informieren und seine Handlung begründen. Dass ihre Entscheidungen bindend und nicht zu ändern waren, musste nach 1889 nach 1893 und 1895 im Regelwerk betont werden. Dieser Modus war bereits vorher bei Pokalwettbewerben durchgeführt worden.
1891 (IFAB) Der Schiedsrichter bzw. die Schiedsrichterin kontrolliert der Spielerausrüstung.
1897 (IFAB) Der Schiedsrichter bzw. die Schiedsrichterin muss den Torhüterwechsel während des Spieles erlauben.
1898 (IFAB) Der Schiedsrichter bzw. die Schiedsrichterin können dann auch Recht sprechen, wenn das Spiel unterbrochen ist.
1903 (IFAB) Wenn Torhüterwechsel nicht beim Schiedsrichter oder bei der Schiedsrichterin angezeigt oder durchgeführt wurde, ob wohl es verweigert wurde, wird ein Strafstoß verhängt.
1903 (IFAB) Spielberichte müssen binnen drei Tagen beim nationalen Verband vorliegen.
1906 (IFAB) Die Schiedsrichterin bzw. der Schiedsrichter muss zusätzlich ein Spielprotokoll nach Abpfiff anfertigen, unabhängig eines Fehlverhaltens des Spielers bzw. Spielerin oder einem Spielabbruch.
1909 (IFAB) Die verlorengegangene unterbrochene Spielzeit wird nachspielen gelassen.
1914 (IFAB) Verletzte Spieler müssen möglichst schnell vom Feld ins Toraus getragen werden, damit das Spiel fortgesetzt werden kann.
1924 (IFAB) Ergänzte Ausführungsbestimmung: Ein Spieler oder eine Spielerin darf den Schiedsrichter oder die Schiedsrichterin nach dem Grund dessen Entscheidung fragen, ist aber nicht berechtigt, durch Wort oder Tat Widerspruch zu erheben. Ein Schiedsrichter oder Schiedsrichterin ist verpflichtet, den Verstoß gegen diese Anweisung als unhöfliches Verhalten zu behandeln (FA).
1924 (IFAB) Wenn ein Spieler den Ball berührt, bevor er den Boden berührt, wird gegen ihn ein Freistoß verhängt (FA).
1924 (IFAB) Wenn der Schiedsrichter oder eine Schiedsrichterin der Meinung ist, dass ein Spieler oder eine Spielerin ernstlich verletzt ist, soll er oder sie das Spiel unterbrechen, damit der Spieler oder die Spielerin vom Feld gebracht werden kann. Ist der Spieler oder die Spielerin leicht verletzt, wird das Spiel nicht gestoppt, bis der Ball im Feldaus ist (schottische FA).
1936 (IFAB) Während der Spielunterbrechungen und solange der Schiedsrichter oder die Schiedsrichterin vor und nach dem Spiel auf dem Spielfeld ist, kann er zwar keine Regelverletzungen bestrafen, aber Fehlverhalten oder unsportliches Verhalten (FA).
1938 (IFAB) Der Schiedsrichter bzw. die Schiedsrichterin achtet darauf, dass keine andere Person außer den Linienrichtern oder Linienrichterinnen sowie Spielern oder Spielerinnen auf dem Spielfeld ist, unterbricht das Spiel nur bei einer seiner oder ihrer Ansicht nach schwerer Verletzung, verweist Spieler oder Spielerin bei gewalttätigem Spiel ohne Vorwarnung des Feldes und gibt zu jeder Spielfortsetzung ein Signal (FAW)
1950 (IFAB) Für Länderspiele werden neutrale Schiedsrichter oder Schiedsrichterinnen von der offiziellen Liste der International Referees gewählt (schottische FA).
1958 (DFB) Es wurde bestimmt, dass eine Spielerin oder ein Spieler mit blutender Wunde das Spielfeld verlassen muss, bis die Blutung gestoppt oder gestillt wurde.
1960 (IFAB) Wenn ein Schiedsrichter oder eine Schiedsrichterin nicht ein Fehlverhalten meldet, wird er oder sie suspendiert oder anderweitig bestraft (FA).
1965 (IFAB) Der Schiedsrichter bzw. die Schiedsrichterin hat Ermessensspielraum, jedes Fehlverhalten von Spieler oder Spielerinnen, Mannschaftsoffiziellen und Zuschauern oder Zuschauerinnen zu melden, egal, ob es auf dem Spielfeld passiert und im direkten Umfeld (inklusive Umkleidekabinen und den dorthin führenden Korridoren) (FAW).
1969 (IFAB) Ausführungsbestimmung: Der Bericht der Schiedsrichter oder Schiedsrichterinnen muss binnen zwei Tagen (Sonntage ausgenommen) beim nationalen Verband vorliegen (FIFA).
1970 (IFAB) Ausführungsbestimmung: Wenn die Linienrichter oder Linienrichterinnen neutral sind, operiert der Schiedsrichter oder die Schiedsrichterin im Diagonal-System. Sind sie es nicht, soll der Schiedsrichter oder die Schiedsrichterin sie informieren, welche Methode er oder sie zu benutzen beabsichtigt (FIFA).
1971 (IFAB) Bei der diesjährigen IFAB-Hauptversammlung wirft Stanley Rous OBE die Überlegung in den Raum, zwei Schiedsrichter einzuführen.
1973 (IFAB) Festlegung der Signale von Schiedsrichter oder Schiedsrichterin sowie seinen Assistenten oder Assistentinnen bei Eckstoß, Abstoß, Foul, Vorteil, Verwarnung, Abseits, Einwurf und Tor (IFAB).
1982 (IFAB) Ausführungsbestimmung: Das Zeichen für Auswechslungen wird festgelegt (schottische FA).
1992 (IFAB, DFB) Das maximale Alter von Schiedsrichterinnen und Schiedsrichtern wurde auf 47 in Deutschland, 45 Jahren bei FIFA-Spielen begrenzt.
1994 (IFAB) Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter müssen nicht mehr schwarze Kleidung tragen, sondern können jede Farbe wählen, solange sie sich von den Trikotfarben der Spielerinnen bzw. Spieler unterscheidet.
1995 (IFAB) Ein Schiedsrichter bzw. Schiedsrichterin (oder gegebenenfalls ein Linienrichter bzw. Linienrichterin oder vierter Offizieller) haftet nicht für (1) Verletzungen eines Spielers oder Spielerin, Offiziellen sowie Zuschauers oder Zuschauerin, (2) Sachschäden jeglicher Art oder (3) andere Verluste, die einer Person, einem Verein, einer Firma, einem Verband oder einer ähnlichen Einrichtung entstehen, die fällig sind oder die auf eine Entscheidung zurückzuführen sind, die er im Sinne der Spielregeln oder in Bezug auf die üblichen Verfahren zur Durchführung, Durchführung und Kontrolle eines Spiels treffen kann (FIFA).
2002 (IFAB) Ein verletzter Spieler oder eine verletzte Spielerin, der oder die behandelt wurde, darf erst wieder auf das Spielfeld, wenn das Spiel fortgesetzt wurde (FIFA).
2012 (IFAB) Das bereits vorher in den USA eingesetzte Freistoßspray auch für FIFA-Mitglieder vorgeschrieben, um bei Freistößen die Lage des Balles oder (bei indirekten) auch des gebührenden Abstands auf dem Rasen zu markieren.
2016 (DFB) Man testet Videoschiedsrichter und Videoschiedsrichterinnen für eine Saison in der 1. Bundesliga passiv, d.h. sie entscheiden zwar vor Ort, aber ihre Entscheidung geht nicht an den Schiedsrichter.
2017 (DFB) Videoschiedsrichter und Videoschiedsrichterinnen werden in der 1. Bundesliga genutzt.
2018 (IFAB) Videoschiedsrichter und Videoschiedsrichterinnen werden bei der WM 2018 eingesetzt und außerdem den Mitgliedsverbänden freigestellt, sie künftig auch im nationalen Wettbewerb zu nutzen.

 

Nicht angenommene Vorschläge für eine Regeländerung:

  • 1914: wurde der Vorschlag der irischen FA, Torrichter einzuführen, abgelehnt. Man befürchtete, nicht genügend Offizielle zu finden.
  • 1924 wurde ein Vorschlag der schottischen FA überprüft, ob bei Verletzung eines Spielers oder Spielerin das Spiel nicht unterbrochen wird, bis der Ball aus dem Feld ist. Dann soll der verletzte Spieler oder die verletzte Spielerin vom Feld getragen und das Spiel neu gestartet werden.
  • 1937 ersuchte die FA das IFAB, es den Vereinen unter der Zuständigkeit des Fußballverbandes zu gestatten, zwei Schiedsrichter oder Schiedsrichterinnen in ihren Trainingsspielen einzusetzen. Die Entscheidung wurde vertagt.
  • 1963 wurde der Vorschlag der walisischen FA abgelehnt, dass nur Schiedsrichter und Schiedsrichterinnen entscheiden, ob bei schlechten Bodenverhältnissen durch Wettereinflüsse auf einem Spielfeld gespielt werden kann.

 

Cite this article as: Petra Tabarelli: Regel 5: Die Schiedsrichter. In: , 30. Juni 2017. URL: https://nachspielzeiten.de/regel-5-die-schiedsrichter/ (zuletzt aufgerufen: 19. August 2019).

Fußnoten   [ + ]

1. Vgl. Mangan, J. A.: Prologue. In: J. A. Mangan (Hg): Sport in Europe. Politics, Class, Gender. Preston 1999. S. iv-viii, hier S. vii.
2. Brown, Paul: How referees are tricked – a Victorian football football[!] ref reveals all. In: Goalpost. URL: www.goalpost.co.uk/how-referees-are-tricked (Letzter Zugriff: 30.06.2017).