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Fußball und Technologie – Ein knapper Überblick

Es wird im Fußball Technologie immer wichtiger. Im Spiel selbst wird sie noch nicht sehr lange eingesetzt.

Fußball & Technologie sind seit 100 Jahren zusammen. Auf der einen Seite haben sie sich gegenseitig gefördert, auf der anderen Seite haben sie zu Diskussionen geführt. So trugen beispielsweise Radio- und Fernsehübertragungen zur Popularität des Fußballs bei, und die Begeisterung für den Sport wirkte sich positiv auf die Medien aus. Andererseits gibt es seit den 1960er Jahren Diskussionen über die Zeitlupe in Fernsehübertragungen oder deren Verwendung als Videobeweis.

Ein kurzer Überblick

GLT (Goal line technology/Torlinientechnik)

Nach zwei Jahren intensiver Tests entschied sich das IFAB bei einer Sondersitzung im Anschluss an die Europameisterschaft 2012 für die Hawkeye-Technologie.

Bei der nächsten Jahreshauptversammlung im Frühjahr 2013 beschloss das IFAB, dass jeder Wettbewerb entscheiden kann, GLT zu verwenden. Die Bedingung war, dass entweder alle teilnehmenden Teams GLT verwenden oder keines von ihnen. Wenn GLT verfügbar ist, muss es verwendet werden.

Seit 2016 ist das Reglement zur Torlinientechnik Teil der Spielregeln (Laws of the Game). Im Jahr 2019 wurde das Testhandbuch durch das FIFA-Qualitätsprogramm für BMS ersetzt.

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Torrichter

Im Laufe der Diskussionen und Tests zur GLT kamen die Torhüter ins Gespräch. Aber sie waren keine neue Idee.

Bereits 1893 wurde auf der Jahreshauptversammlung des IFAB diskutiert, ob es sinnvoll wäre, Torrichter („goal judges“) einzuführen. 1893 bedeutet, dass zwei Jahre nach der Einführung des unabhängig agierenden Schiedsrichters auf dem Spielfeld verstrichen waren. Es war auch das Jahr, in dem die Entscheidungen des Schiedsrichters als faktische Entscheidungen festgelegt wurden.
Die Idee der Torrichter fand jedoch keine Mehrheit und es ist die einzige Erwähnung einer solchen Idee in den Protokollen.

„Mr Reid proposed and Mr Gregson seconded, that the supplementary notices proposed by the Welsh and Irish Associations be considered passed.
Law 12. Proposed by Mr Reid, seconded by Mr Dawson.
„That the following be inserted in this rule:- „That goal judges be appointed (subject to the decision of the referee) to decide when the ball has passed between the posts“.
The meeting discussed the proposal and eventually decided that owing to the increase of officials rendered necessary by this rule it [was] found unworkable.
The proposition was then withdrawn.“
– Protokoll der Jahreshauptversammlung des IFAB, 1893.

Dennoch blieb die Idee weiterhin aktuell. So hieß es beispielsweise in den 1920er Jahren in den Fußballregeln des Arbeiterverbandes Turn- und Sport in Deutschland wörtlich übersetzt Torrichter. Da dieser Verband jedoch kein Mitglied der FIFA war, konnte (und kann) er seine eigenen Regeln haben.

Dies betraf aber auch Wettbewerbsspiele, die von Mitgliedern der FIFA ausgetragen wurden. In der obersten spanischen Liga wurden spätestens ab 1914 Torschiedsrichter („juez de gol“) ernannt. Dies war kein kurzes Experiment, obwohl der spanische Fußballverband von Anfang an Mitglied der FIFA war (mit einer kurzen Ausnahme). Torschiedsrichter gab es in Spanien bis 1939. Ein spanischer Bericht verwendete eins der damaligen Fotos für seinen Bericht über Michel Platins Forderung nach Torrichtern „UEFA-Präsident Michel Platini will ihn wieder dazu bringen, die Ereignisse im [Tor-]Raum zu überwachen. Der Torrichter kehrt zurück.“ ist die deutsche Übersetzung der Überschrift des spanischen Artikels. Weitere Artikel über die Torrichter in Spanien (die noch online abrufbar sind) waren „El ‘test del gol’, peor hoy que hace cien años“ und „La UEFA ensaya con dos jueces de gol„.

Und sicherlich sind Deutschland und Spanien nicht die einzigen Länder, in denen Torschiedsrichter diskutiert oder eingesetzt wurden.

VAR (Video assistant referee/Videoassistent*in) & Co

Im Jahr 2015 präsentierte die Generalversammlung des IFAB einen uns allen bekannten Test des niederländischen Verbandes KNVB, der am 6. April 2011 in den Niederlanden gestartet wurde. Weitere Schiedsrichter*innenassistenten sind über Funk mit dem*der Schiedsrichter*in verbunden, haben Zugang zu Fernsehübertragungen und sitzen in einem Kleinbus vor dem Stadion.

Nachdem diese Fußball-Technologie an der Jahresversammlung des IFAB vorgestellt wurde, brachten die Mitgliedsverbände (FIFA und die vier britischen Verbände) ihre Skepsis zum Ausdruck. Aber sie waren sehr daran interessiert, dieses Projekt zu fördern. Einzig die FIFA mit Präsident Joseph Blatter distanzierte sich von weiteren Schritten und erinnerte an die Rolle des IFAB als „Hüter des Spiels“. Blatter forderte, dass unbedingt weitere Experimente mit der Videounterstützung durchgeführt werden müssten, damit mögliche Vor- und Nachteile vollständig geklärt werden könnten, bevor eine Entscheidung getroffen werden könne.

Es war die letzte Generalversammlung von Blatter. Im Jahr 2016 saß Gianni Infantino an seiner Stelle. Und Infantino unterstützte dieses Projekt, so dass eine zweijährige Testphase in verschiedenen Ligen in verschiedenen Ländern gestartet wurde.

Seit 2018 können VAR und AVAR in einem Wettbewerb eingesetzt werden. Es ist nicht festgelegt, ob sich der VOR, der Video-Operationssaal, in einem Transporter vor dem Stadion oder in einem definierten Raum in einem Gebäude befindet.

Auch die RRA, der Bereich mit dem Monitor am Spielfeldrand, wurde eingeführt. Auf ihm können Schiedsrichter*innen die betreffenden Szenen anhand von Fernsehbildern noch einmal ansehen können. Dies ist die OFR, die Überprüfung auf dem Spielfeld. Die RRA befindet sich auf einem sichtbaren Feld außerhalb des Spielfelds und ist deutlich gekennzeichnet. Mindestens eine RRA muss vorhanden sein. Mit Ausnahme des*der Schiedsrichter*in (und – nach Aufforderung – die Assistent*innen) darf sie niemand betreten.

Drei Links

An dieser Stelle möchte ich einen Beitrag über Videobeweise vor der Einführung von VAR empfehlen.

Außerdem finden Sie hier eine Übersicht über die Kosten der VAR in der Bundesliga.

Außerdem großartig: Die Seite des Deutschen Patent- und Markenamtes. Die listet nicht nur alle bekannten und skurrilen Patentanmeldungen zu den hier besprochenen Techniken auf, sondern lässt einen auch an der Entwicklung des Balles und anderen Dingen teilhaben.

Kalibrierte Abseitslinie

Bei einem Spiel des SC Sandhausen in der 2. Bundesliga im Oktober 2017 testete die FIFA mehrere Anbieter. Es zeigte sich, dass einige Anbieter die ersten Anforderungen sehr gut umsetzen können. Beispielsweise könnten bereits bei der Weltmeisterschaft 2018 in Russland die kalibrierten Linien VAR und AVAR helfen, knappe Abseitsentscheidungen besser und schneller zu treffen. Eine Videografik wird auch den Fernsehsendern zur Verfügung gestellt, wenn eine Abseitsentscheidung von VAR überprüft wird.

In der ersten Hälfte des Jahres 2020 wurden Tests durchgeführt, um Abseitsentscheidungen mit Hilfe künstlicher Intelligenz noch klarer zu machen. Diese Tests sind bislang sehr versprechend verlaufen. Geplant ist, diese Fußball-Technologie bei der WM 2022 (m) einzusetzen.

EPTS (Elektronische Leistungs- und Trackingsysteme)

EPTS wird seit 2013 in den Hauptversammlungen des IFAB diskutiert. Der schottische Verband schlug dieses Jahr vor, dass das IFAB eine Arbeitsgruppe bilden sollte, um die zukünftigen Möglichkeiten solcher Systeme zu untersuchen. Sie schlug auch vor, dass die Nutzung der Daten auf die Hälfte der Zeit und auf Teamärzte beschränkt werden sollte. Mannschaftsärzte sollten in der Lage sein, eine eingeschränkte Version des Systems zu benutzen. Der Vorschlag fand jedoch keine Mehrheit im Vorstand. Ein Jahr später wurde das EPTS erneut diskutiert und das Thema an die neu gebildeten TAP und FAP, den Technischen Beirat und den Fußball-Beratungsausschuss des IFAB verwiesen, um weitere Daten und Informationen für eine Entscheidung zu sammeln. In der folgenden Generalversammlung informierten FAP und TAP, dass sie EPTS als Experiment getestet hatten. Es habe „einen grossen Erfolg im Amateur- und Freizeitfussball“ gezeigt. Die Zahl der teilnehmenden Spieler*innen nahm deutlich zu. Darüber hinaus verhinderte es das Ausscheiden von Mannschaften Mitte des Jahres und half den Spieler*innen, die nach einer Verletzung zurückkehrten, indem sie ihre Spielzeit besser verwalten konnten“. Nach dem Bericht wünschte der Vorstand weitere Untersuchungen zu a) einer Qualitätsbewertung der verschiedenen Systeme, b) der Verwendung der Daten und c) dem Lizenzierungsverfahren. Er betonte auch, dass die Daten nicht in Echtzeit, sondern nur für medizinische Zwecke verwendet werden sollten.
Im Jahr 2016 wurde EPTS genehmigt, und gleichzeitig wurde die Entwicklung eines IFAB-Standards für EPTS fortgesetzt. In der Zwischenzeit ist die Nutzung von EPTS für Teambeamte erlaubt, aber nur mit kleinen mobilen Geräten wie Mikrofon, Kopfhörer, Smartphone, Tablet, Laptop usw. Darüber hinaus darf EPTS nicht nur für medizinische Zwecke, sondern auch für das Coaching genutzt werden.

Die Ausrüstung der Spieloffiziellen

Heute gehören nicht nur Pfeife, Karten, Block und Stift zur Ausrüstung des*der Schiedsrichter*in. Oder eine einfache Fahne zur Ausrüstung der Schiedsrichterassistent*innen. Fußballtechnik wird natürlich auch von den Spieloffiziellen eingesetzt.

Im Jahr 2000 gab es noch eine Debatte darüber, ob die Funkkommunikation für Spieloffizielle eingeführt werden sollte, und sie wurde zweimal getestet (2002 und 2006). Im Jahr 2012 wurde sie unter der Bedingung erlaubt, dass nur Spieloffizielle den Funkverkehr nutzen und dieser nicht aufgezeichnet oder übertragen wird.

EPTS und Fitnessgeräte sind nun ebenfalls erlaubt, während Schmuck und andere elektronische Geräte verboten sind. Auf der höchsten Ebene tragen die Schiedsrichter*innen ein Vollduplex-Funkgerät mit einem angepassten Headset, um mit ihren Assistenten zu kommunizieren, und die Schiedsrichterassistent*innen verwenden elektronische Flaggen, die beim Drücken einer Taste ein Signal an den Schiedsrichter*in senden. Und während der Spiele mit Torlinientechnologie tragen die sie ein Gerät an ihrer Person, um die Hinweise des Systems zu erhalten.

Noch eine Fußball-Technologie: Kunstrasen

Bis zum Jahr 2000 war die Verwendung von Kunstrasenflächen in den höheren Ligen nur unter bestimmten Bedingungen erlaubt. Im Fußball hatte sich die Technologie zur Herstellung einer rasenähnlichen Oberfläche aus künstlichen Materialien in den 1990er Jahren jedoch erheblich verbessert. Im Jahr 2000 wurde die Verwendung von Kunstrasen gelockert („die nationalen Verbände dürfen dieses Material in größerem Umfang verwenden“), und 2002 wurde er für die Weltmeisterschaft in Südkorea und Japan zugelassen.

Bei der Jahreshauptversammlung 2002 betonte der IFAB den Vorteil von Kunstrasen in Regionen, in denen das Klima für Naturrasen zu kalt oder zu heiß ist, und auch den wirtschaftlichen Vorteil, da der Platz für mehrere Zwecke genutzt werden kann. Die FIFA entwickelte rasch einen Qualitätsstandard. Seit 2004 ist es nicht mehr notwendig, auf Rasen zu spielen, solange der Kunstrasen die Anforderungen erfüllt (FIFA-Qualitätskonzept für Kunstrasenstandard, 2009 in FIFA-Qualitätskonzept für Fußballrasen umbenannt).

Zwei weitere Vorgaben beziehen sich auf die Definition der Farbe Grün (2007) und darauf, dass Linien, die für Fußballspiele nicht zugelassen sind, zur Unterscheidung in einer anderen Farbe ausgeführt werden müssen (2011).

Seit 2016 sind hybride Systeme aus Natur- und Kunstrasen erlaubt, sofern die Wettbewerbsregeln dies zulassen.