Regel 12: Verbotenes Spiel und unsportliches Betragen

Regel 12: Verbotenes Spiel und unsportliches Betragen

„In den englischen Privatschulen, in denen der moderne Fussball seinen Ursprung hatte, ging man von der Annahme aus, dass ein Gentleman niemals absichtlich ein Foul beging.“.1)FIFA: Die Geschichte des Regelwerks. URL: http://de.fifa.com/news/y=2007/m=1/news=die-geschichte-des-regelwerks-522345.html (Letzter Aufruf: 07.07.2017.

Bis zur Einführung des Platzverweises

Aus diesem Grund gab es bis 1877 keine festgelegten Bestrafungen. Das heißt nicht im Umkehrschluss, dass alles erlaubt war, aber es gehörte zum guten Ton, nicht schon im Vorhinein zu vermuten, die gegnerische Mannschaft spiele unfair. Und so wurden auch nicht immer alle möglichen Vergehen in den Regelwerken genannt. Allgemein lässt sich aber feststellen, dass das Handspiel ebenso immer verboten war (Ausnahme bis 1871: Der Fair Catch, siehe hier unter „Fair Catch und Rouge“.) wie Halten, Drücken, Beinstellen, Umstoßen und Treten.

Vom Platzverweis 1877 bis heute

Zwanzig Jahre nach der Einführung des Platzverweises wurde die Abstufung der Strafen durch die Begriffe „vorsätzlich“ und „absichtlich“ unterschieden, ab 1904 zusätzlich das „gefährliche Spiel“. Dann wurde lange Zeit nichts verändert und ergänzt, bis 1970 bei der WM in Mexiko (nicht, wie manchmal zu lesen 1968 beim Olympischen Fußballturnier in Mexiko) erstmal gelbe und rote Karten erprobt wurden und 1974 in der Bundesliga eingeführt wurden. Es scheint für viele erschreckend gewesen sein, wie viele gelbe Karten gegeben wurden, zeigen Medienberichte. Und das ist auch verständlich, wurde vorher nur zwischen Foul und grobem Foul (= Platzverweis) unterschieden. Dass es unter allen Fouls so viele verwarnwürdige Fouls in dem ach so fairen Fußball gespielt wurden, hat viele Elfenbeintürme berstenlassen. Als allerdings Walter Frosch in 37 Spielen 27 gelbe Karten erhielt, zog man die Reißleine und führte zur Eindämmung der gelben Karten ab 1978 ein Spiel Sperre für Spielerinnen und Spieler ein, die vier gelbe Karten innerhalb einer Saison erhielten. Die Sperre galt automatisch für das folgende Spiel nach dem Erhalten der vierten gelben Karte. 1991 wurde die Gelbsperre durch die Einführung der gelb-roten Karte für wiederholtes Vergehen ersetzt; wohl ohne die erhoffte Wirkung, denn 1993 wurde die Gelbsperre, nun nach fünf gelben Karten, wieder eingeführt und die gelb-rote Karte nicht revidiert (Dank an Collinas Erben!).

Zur Saison 1983/84 wurde auch ein Platzverweis für zehn Minuten eingeführt. 2)NN: Raus und Rein. In: Der Spiegel 49 (1982). URL: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-14356544.html (Letzter Zugriff: 07.07.2017). Ob dieser länger als eine Saison praktiziert wurde, entzieht sich meiner Kenntnis.

Zwischen 1949 und 1977 wurde die Vorteilsbestimmung im Regelwerk ergänzt, nach der Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter im Zweifel keine Strafe verhängten. In dubio pro reo.

Seit 2016 können Fouls außerhalb des Feldes können nun geahndet werden – mit Freistoß oder Strafstoß, je nach Ort des Fouls. Ebenso erfolgt seitdem ein Strafstoß, kein Schiedsrichterball mehr, wenn ein Teamoffizieller ein Tor verhindert.

Fouls

Vor der Einführung der Karten führte die Intensität eines Fouls dazu, ob es zu einem Platzverweis oder keinem kam (Ausnahme: Beleidigung führte ab 1909 immer zum Platzverweis). Diese Intensität des Fouls lag im Ermessen des Schiedsrichters. Erst seit der Einführung der gelben und roten Karten wurde explizit vorgeschrieben, Spielende für manche unfaire Handlungen zu verwarnen, für andere vom Platz zu stellen.

Fouls bis 1974 (und seit wann es geahndet wurde)

  • Hartes Treten (spätestens Cambridge Rules 1856)
  • Beinstellen (spätestens Cambridge Rules 1856)
  • Von hinten stoßen (spätestens Cambridge Rules 1856)
  • Halten / Hindern (spätestens Cambridge Rules 1856)
  • Handspiel (spätestens Cambridge Rules 1856 ohne Fair Catch / ab 1871 jegliches Handspiel verboten)
  • Absichtliches Treten (spätestens Cambridge Rules 1856)
    Drücken (spätestens Cambridge Rules 1856, außer in Sheffield Rules 1858 und 1863)
  • Heftiges Rempeln (1863)
    Zum Rempeln äußerte sich Girulatis „Läuft man mit dem Ball und der Gegner ist auf gleicher Höhe dicht daneben, so kann man ihn durch einen kräftigen Ruck mit der Schulter seitlich wegdrängen. Das ist die einzige, durch die Regel erlaubte Art des Rempelns und kein tüchtiger erfahrener Schiedsrichter wird dagegen einschreiten.“3)Girulatis, Richard: Fußball. Theorie, Technik, Taktik. Leipzig 4^[1923]. S. 38., um dann indirekt Schiedsrichterkritik bei DFB-Spielen zu äußern, werde doch das erlaubte Rempeln kaum gespielt, „weil wir seine erlaubte Art nicht beherrschen, und weil unsere Schiedsrichter sich zu häufig veranlaßt sehen, einzugreifen“.4)Girulatis, Richard: Fußball. Theorie, Technik, Taktik. Leipzig 4^[1923]. S. 38.
  • Unterlaufen (Sheffield 1871-1877, dann ab um 1900, ansonsten/davor nicht thematisiert)
  • Schlagen (vor 1877)
  • Betreten oder Verlassen des Spielfeldes ohne Erlaubnis (1891)
  • Anspringen (1900)
  • Rempeln des Torwarts (um 1900)
  • Torwarthandspiel  (um 1900) (dazu mehr weiter unten)
  • Beleidigung (ab 1909). 1997 definiert: „Anstößige, beleidigende oder schmähende Äußerungen oder Gebärden“ ersetzt „unflätige und beleidigende Äußerungen“

Seit 1974 verwarnungswürdig (und seit wann es geahndet wurde)

  • Keine Einhaltung des vorgeschriebenen Abstandes (1976)
    Überschwänglicher Jubel, sofern kein „anstößiges, beleidigendes oder schmähendes Gebärden“ (1984)
    Spielverzögerung (1997)
    „Schwalbe“ (1999)
    Kartenfordern (2016)

Seit 1974 mit dem Platzverweis zu ahnden (und seit wann es geahndet wurde)

(„rohes Spiel“, „grobes Foul“, „gesundheitsgefährdend“)

  • Anspucken von Spielern und Offiziellen (ab 1980)
    „Notbremse“ (ab 1983)
    Durch Handspiel verhinderte Torchance (ab 1991)
    „Blutgrätsche“/Grätsche von hinten (ab 1993)
    Täuschungsversuch (ab 1999)

Torwarthandspiel

Bis 1912 durfte der Torwart auch außerhalb des Strafraums den Ball mit den Händen tragen, allerdings nur zwei Schritte lang. Denn Ende des 19. Jahrhunderts wurde die „Zwei-Schritte-Regel“ eingeführt, die dann von 1967 von der „Vier-Schritte-Regel“ abgelöst wurde. Seit 1997 gilt die „Sechs-Sekunden-Regel“ für das Torwarthandspiel.

Seit 1992 dürfen Torwarte keine gezielten Rückpässe von Spielerinnen und Spielern der eigenen Mannschaft mit den Händen aufnehmen („Rückpass-Regel“), sonst liegt ein Handspiel vor. Zusätzlich kommt es seit 1997 zum indirekten Freistoß im eigenen Strafraum, wenn der Torwart einen Einwurf einer Teamkollegin bzw. eines Teamkollegen direkt mit den Händen gefangen hat.

Cite this article as: Petra: Regel 12: Verbotenes Spiel und unsportliches Betragen. In: Nachspielzeiten, 7. Juli 2017. URL: https://nachspielzeiten.de/regel-12-verbotenes-spiel-und-unsportliches-betragen/ (zuletzt aufgerufen: 24. Mai 2018).

Fußnoten   [ + ]

1. FIFA: Die Geschichte des Regelwerks. URL: http://de.fifa.com/news/y=2007/m=1/news=die-geschichte-des-regelwerks-522345.html (Letzter Aufruf: 07.07.2017.
2. NN: Raus und Rein. In: Der Spiegel 49 (1982). URL: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-14356544.html (Letzter Zugriff: 07.07.2017).
3. Girulatis, Richard: Fußball. Theorie, Technik, Taktik. Leipzig 4^[1923]. S. 38.
4. Girulatis, Richard: Fußball. Theorie, Technik, Taktik. Leipzig 4^[1923]. S. 38.

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