Alle Artikel in: Kurz und knapp

Warum Regeln nicht immer fair sein können

Ein paar Gedanken. Gesetz ≠ Gerechtigkeit. Ein Gesetz ist normiert und daher objektiv, Gerechtigkeit ist ein moralischer Wert und daher subjektiv. Interpretationen, Auslegungen sollten das Recht gerechter machen. – Stichwort „Geist des Spiels“. – Sie machen aber auch die Regeln „subjektiv“. Stichwort „Grauzone“. Das bedeutet, dass dies für eine Person fair ist, oder zumindest die fairste Möglichkeit innerhalb der Grenzen der Regeln – und im Hinblick auf das Spiel. Für eine andere Person ist es nicht fair. Es kann also nicht nur von Schiedsrichter zu Schiedsrichter unterschiedlich sein.

Advent in den Blogs – Der Fußball-Weihnachtskalender, Tür 20: What about sports?

„Sport umfasst einen Begriff, den wir nicht durch eine Erklärung zu verdeutlichen im Stande sind.“ Dieser Satz ist aus dem Handbuch des Damen-Sports von Leopold v. Heydenbrand, 1886 in Wien gedruckt (Seite 1). Er ermuntert vielleicht im ersten Moment zu einem leichten Schmunzeln, vielleicht auch zu einem verwunderten Zucken der Augenbrauen. Das Wort Sport gab es nicht vor der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, wurde dann aber sehr schnell in die deutsche Sprache übernommen und nicht eingedeutscht. Das ist schon verwunderlich, da zur gleichen Zeit Konrad Koch und der Zentralausschuss zur Förderung der Volks- und Jugendspiele in Deutschland erfolgreich für die Einführung deutscher Begriffe im Fußball plädierten. Und die Enzyklopädien, Lexika und Handbücher des 19. Jahrhunderts versuchten sich in Übersetzungen, um das unbekannte Wort zu erklären. Etymologisch gesehen trafen sie mit den Begriffen Liebhaberei, Vergnügen, Belustigung, Zeitvertreib, Unterhaltung oder Scherz auch durchaus ins Schwarze, denn „sports“ leitet sich vom mittelenglischen „disport“ und dieses wiederum vom altfranzösischen „desport“ bzw. altitalienischen „diporto“ ab: Belustigung, Freude, Vergnügen. Aber Sport nur mit Vergnügung oder einem Zeitvertreib zu übersetzen ist …

Advent in den Blogs – Der Fußball-Weihnachtskalender, Tür 19: Scientific game – Kombinationsfußball, der Zauberfussball des 19. Jahrhunderts

In diesem Beitrag geht es um die Anfänge des combination game im Fußball – um Kombinationsfußball. Wer hat’s erfunden? Nun, das ist umstritten: Manche Quellen nennen schottische Fußballspieler, die ihre eigene Idee eines Fußballspiels nach England brachten und mit ihrem Doppelpassspiel andere Mannschaften locker ausspielten. Oder waren es Clubs aus Sheffield, die in ihrer Football Association das auch für Zuschauer attraktivere „backing up and passing on“ spielten? Durch die Absicherung wurde ein schnelles, sauberes Spiel möglich. Zudem wurden die Begriffe combination game und scientific game schon Jahrzehnte vorher im Rugby und Cricket verwendet und bezeichnete immer eine neuartige Spielweise. Es bezeichnet ein Spiel mit Feinheiten, das vorausgeplant wurde. Der Assoziations-Kombinationsfußball wird schlicht an mehreren Orten in den 1870er und 1880er Jahren entstanden sein. Grund dafür ist auch die erste Veränderung der Abseitsregel 1866 (London Association) bzw, 1871 (Sheffield Association). Bis 1866 gab es eine sehr restriktive Abseitsregel: Abseits ist, wer von den angreifenden Spielern vor die Balllinie kam. Es blieb also als spielerische Möglichkeit nur, den Ball immer nach vorne zu treiben. Wie sollte sie unter …

Advent in den Blogs – Der Fußball-Weihnachtskalender, Tür 18: Als Fußball in Deutschland ein Massenphänomen wurde

In Deutschland war wurde Fußball nach dem Ersten Weltkrieg ein Massenphänomen und zudem Nationalsport. Wie kam es dazu, da Assoziationsfußball vor dem ersten Weltkrieg doch vielerorts noch argwöhnisch beobachtet und als Fußlümmelei verschrien wurde? Generell muss man den integrativen Moment der Fußball wie des modernen Sports betonen: Fußball funktioniert als Integrationsmodell. Besonders Ende der 1910er Jahre, nach dem ersten Weltkrieg, da er keine Beschränkungen für Personen verschiedener Religionen, Konfessionen, politischer Überzeugungen und ihres sozialen Milieus macht. Fußball wirkte und wirkt integrativ, kann über die Verschiedenheiten hinweg einer gemeinsamen Identität stiften. Steigende Anzahl von Spieler, Verbänden. Wehrsport und Ventil. So vervierfachten nicht nur die Zahl der in Verbänden organisierten Fußballer enorm, sondern auch die Zahl der Verbände und der ausgespielten Meisterschaften. Der größte Verband war zweifelsohne der DFB, gefolgt vom Arbeiter-Sport und Turn-Verband. Viele von ihnen haben Fußball als Wehrsport im Krieg kennengelernt, sodass nach dem ersten Weltkrieg die „Grenze zwischen Militär- und Zivilsport […] bis zur Unkenntlichkeit verwischt“ war. [1]Eggers, Erik: Fußball in der Weimarer Republik. In: Stadion. Internationale Zeitschrift für Geschichte des Sports 25 …

Advent in den Blogs – Der Fußball-Weihnachtskalender, Tür 17: Die ersten Sportzeitschriften

Die Fußballberichterstattung kam in Deutschland wie in Österreich in den 1890er Jahren auf. Sportjournalisten gehörten zusammen mit Sportartikelherstellern und -händlern, Bau- und Transportunternehmern, Buchmachern und Getränkeherstellern zu den Personengruppen, die direkt vom modernen Sport profitierten. Die ersten Fachjournalisten waren meistens aktive Fußballer, die versuchten, auf diese Weise den Markt für diese neue Art der Zerstreuung zu erschließen. Die allererste Sportzeitschrift erschien aber bereits im Oktober 1792. „The Sporting Magazine, or Monthly Calendar of the Transactions of the Turf, the Chase and every other Diversion interesting to the Man of Pleasure, Enterprize, and Spirit“ ging es allerdings um die damals beliebtesten Sportarten der Oberschichten: Jagd und Pferderennen.[1]Behringer, Wolfgang: Kulturgeschichte des Sports. Vom antiken Olympia bis zur Gegenwart. München 2012. S. 236. Hier stelle ich die beiden Sportzeitungen Sport im Bild von Andrew Pitcairn-Knowles und Spiel und Sport von John Bloch vor.   Sport im Bild Andrew Pitcairn-Knowles (1871-1956) war einer der ersten Sportjournalisten im Deutschland des späten 19. Jahrhunderts und bezeichnenderweise Engländer. Er wuchs als Sohn eines Wollhändlers in der Wiesbadener Engländerkolonie auf und studierte später …