Nachdem ich nun die Regelwerke aus den letzten Jahren der 1840er Jahre, und den letzten Jahren der 1850er Jahre vergleichen habe, sind nun Regelwerke vom Anfang der 1860er Jahre dran, d.h. Regelwerke, die zeitgleich mit den FA Rules entstanden sind. Das sind die Rules of Blackheath Football Club von 1862, die Laws of Eton Field Game von 1862, The Simplest Game (Uppingham School) von 1862, die Rules of Football as played at Shrewsbury School von 1863, die Cambridge University Rules von 1863 und die FA Rules von 1863. Auch hier vergleiche ich nur Regelwerke für Fußball ohne oder mit wenig erlaubtem Handspiel.

Ein erster Blick – Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Wie in den etwa fünf Jahre vorher entstandenen Regelwerke haben auch hier alle Bestimmungen zu Handspiel, unerlaubtem Spiel und der Torerzielung, außerdem noch der Abstoß und das Abseits.

Hier nun der Blick auf die einzelnen Regeln:

Seitenwahl

Die Seitenwahl wird in Cambridge und bei der FA durch den Münzwurf entschieden. Für Blackheath, Eton, Shrewsbury und Uppingham gibt es keine schriftlich fixierten Vorgaben.

Anstoß

Der Anstoß ist bei allen sechs Regelwerken genannt und auch fast überall wird er durch einen Platzstoß von der Mitte des Feldes ausgeführt, nur in Eton nicht. Hier gibt es zu Beginn ein Gedränge. In Uppingham durfte man sich bis zur Ausführung des Anstoß nicht mehr als 3,6 m, bei der FA nicht mehr als 9,15 m dem Ball nähern.

Fair Catch (und Running)

Den Fair Catch, den fairen Fang, kennen die Regeln in Blackheath, Shrewsbury und der FA. Es ist immer das erlaubte Handspiel, der erlaubte Fang es eines Balles, bevor er den Boden berührt hat. In Blackheath wird die rugbyähnliche Variante beschrieben: Entweder machte man mit der Ferse eine Markierung in den Boden und erhielt einen Freistoß an dieser Stelle oder man rannte den Ball tragend Richtung gegnerisches Tor, konnte dabei aber angegriffen werden. Die FA Rules haben übernommen, dass eine Markierung mit der Ferse für den Freistoß erforderlich, haben aber das Tragen des Balles abgelehnt. Shrewsbury beschreibt nichts dergleichen, merkt aber an, dass sich die gegnerischen Spieler bei dem folgenden Freistoß nicht mehr als 4,57 m dem Ball nähern dürfen.

Handspiel

Drei Vereine bzw. Schulen verbieten jegliches Handspiel (Fair Catch ausgenommen), nämlich FA, Cambridge University und Blackheath Football Club . Die anderen drei, Eton School, Shrewsbury School und Uppingham School ist das Fangen des Balles erlaubt, wobei nicht klar ist, ob hiermit auch ein anderes Fangen als den Fair Catch gemeint ist.

Einwurf

Der Einwurf ist auch in fast allen Regelwerken thematisiert, nur nicht in dem der Shrewsbury School. Der Rest variiert bei dem Wie, Wer und Wo der Ball wieder ins Spielfeld gebracht wird.

  • Blackheath FC: Wurf durch ersten Berührer von der Berührungsstelle,
  • FA: Wurf durch ersten Berührer von der Seitenauslinie parallel zur Berührungsstelle,
  • Cambridge University: Schuss durch ersten Berührer von der Berührungsstelle,
  • Uppingham School: Schuss von dem, der Ball ins Seitenaus brachte von dem Punkt, an dem der Ball ins Seitenaus ging.

In Eton School galt weiterhin, dass in diesem Fall das Spiel durch ein Gedränge gegenüber der Stelle, an der der Ball aus ging, fortgesetzt wird.

Unerlaubtes Spiel

In den meisten Regelwerken ist ein aus heutiger Sicht unerlaubtes Spiel nicht erlaubt. Selbst in Blackheath, die sich auf Grund des Verbotes von hacking und running aus der FA zurücktraten, war das Angreifen auch nur dann erlaubt, wenn der Spieler mit dem Ball rannte. Die FA und Uppingham School verbieten zu hartes Angreifen des Gegners. Das Regelwerk der Cambridge University erlaubt das Angreifen eines Gegenspielers, aber nicht, ihn zu halten, schieben, gegen sein Schienbein zu treten und ihm ein Bein zu stellen. Nur das Eton Field Game und Shrewsbury School erlauben mehr. Nach beiden war jedes Angreifen mit den Beinen erlaubt (alles mit den Armen und Händen aber verboten).

Abseits

Mittlerweile fand sich in allen Regelwerken eine Abseitsregel. In Blackheath, Cambridge, Shrewsbury und Uppingham sowie bei allen FA-Mitgliedern galt die restriktive Abseitsregel. Jeder, der sich zwischen Ball und gegnerischem Tor befand, war abseits. Nur in Eton gab es bereits eine offene Abseitsregel, die ein Kombinationsspiel möglich machte und das nicht erst 1862: Jeder zwischen Ball und gegnerischem Tor, wenn drei oder weniger Gegenspieler vor ihm waren.

Torerzielung

Diese Regel war in allen sechs Regelwerken gleich: Ein Tor wird erzielt, wenn der Ball zwischen den Torpfosten ins Toraus geht. Eine Höhenbegrenzung gab es in keiner Regel dieser Jahre.

In Shresbury gewann man ein Spiel aber nicht nur durch die Anzahl der Tore. Hier wurden immer drei Spiele gespielt. Der beste dieser drei Runden gewann dann das Spiel.

Schuhwerk

Vorgaben zu Schuhwerk sind in den FA Rules und von Blackheath vorhanden: An den Schuhen darf nichts herausstehen, damit das Verletzungsrisiko hier möglichst gering ist. Dieses Verbot galt übrigens auch schon in den 1840er an der Rugby School.

Tormaße

Die Torbreite ist dagegen nicht bei allen angegeben, lediglich für Cambridge (15 ft = 4,57 m), Eton (7 ft = 2,13 m) und bei der FA (8 yd = 7,32 m). Sie unterscheiden sich deutlich.

Spielfeldmaße

Ebenso sind auch die Spielfeldmaße nicht immer angegeben. Bei denen sie angegeben sind, unterscheiden sie sich aber nicht allzu deutlich:

  • Cambridge: 150 x 100 yd (137,16 x 91,44 m)
  • Shrewsbury: 150 x 120 yd (137,16 x 109,73 m)
  • FA: 200 x 100 yd (182,88 x 91,44 m)
Seitenwechsel

In Cambridge und Eton wurde zur Halbzeit die Seite gewechselt, bei der FA nach jedem Tor.

Eckstoß / Abstoß

Hier gab es verschiedene Varianten. Bei Blackheath FC & Uppingham School gab es einen Platzschuss von der Torlinie durch die Mannschaft, der das Tor gehörte. In Shrewsbury dagegen ein Platzschuss durch die gegnerische Mannschaft (Ort nicht genannt) und zwar als unbehinderter Schuss oder als „Seilzug“ (wirft Ball in die Luft und tritt ihn in der Luft, bevor er auf den Boden trifft).

In Cambridge gab es einen Schuss von 25 yd (22,86 m) außerhalb des Spielfeldes (nicht angegeben, wer ihn ausführt) und bei der FA unterschied man, wer den Ball im Toraus als erstes berührte. Gehörte ihm auch das Tor, gab es einen Platzschuss von dem Torpfosten, der zum Berührungspunkt am nächsten lag. Gehörte er zur angreifenden Mannschaft, so gab es für ihn einen Platzschuss 15 yd (13,72 m) hinter der gegenüberliegenden Torlinie und die andere Mannschaft durfte erst aufs Feld, wenn der Ball schossen worden war.

Freistoß

Einen Freistoß gab es in Eton bei einem Regelverstoß verhängt, in Cambridge und bei der FA als Belohnung für einen Fair Catch. Bei beiden letzteren konnte der Schuss auf beliebige Weise ausgeführt werden. In Cambridge wurde zusätzlich darauf geachtet, dass alle Spieler mindestens 9,15 m Abstand zum Ball haben und kein Spieler sich im Abseits befand. Bei der FA war nur vermerkt, dass der / Die Ausführende nicht behindert wird. Auch in Eton durfte nicht behindert werden.

Spieldauer

Nur Eton gibt die Spieldauer an, nämlich 60 Minuten.

Schiedsrichter

Nur in Eton gab es Schiedsrichter („umpires“), nämlich je einen pro Mannschaft, der von dieser gewählt wurde.

Einwechslung

Und schließlich hatte auch nur das Eton Field Game Vorgaben zu Einwechslung. Nämlich, dass es keine gab, egal, ob der Spieler zu spät zum Spiel kam oder verletzt ausschied.

 

Die einzelnen Vergleiche:

Regelwerke vom Ende der 1840er Jahre

Regelwerke vom Ende der 1850er Jahre

Regelwerke 1847-1863

Regelwerke um 1870 – Fußball, Rugby und Vermischtes