Regelgeschichte
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Tornetze

„Der war doch im Tor!“ Everton-Fan John Alexander Brodie echauffierte sich wohl zurecht, dass Accrington Stanleys Tor nicht gegeben wurde. Doch der Schuss war fest und der Ball war schnell über die Torauslinie als man schauen konnte. Ging er nun durchs Tor ins Aus oder daran vorbei?!

Ein Fangnetz im Fußballtor!

Brodie war auch Bauingenieur und hatte die Idee, ein Fangnetz für den Ball im Torbereich zuergänzen. Das Tornetz. Er entwickelte eine Lösung und ließ sie sich patentieren. Ein vorheriger Test bei einem Spiel im Stanley Park (Goodison Park und Anfield) verlief erfolgsversprechend. Und für Brodie dürfte sich die Erfindung mindestens finanziell sehr gelohnt haben.

In den 1890ern wurden Tornetze obligatorisch

Bereits im Januar 1891 gab es ein offizielles, großes Wettbewerbsspiel mit Tornetzen, nämlich zwischen Auswahlteams aus Nordengland und Südengland.

Die Birmingham Post statierte damals: „There was no question about any of the goals scored, and the efficacy of the nets could not be judged.“ (Quelle: PunditArena)

Und die Yorkshire Herald: „The goal net introduced by a Liverpool man were used and were considered by the goalkeeper a very useful introduction“(Quelle: PunditArena)

1893, vier Jahre nach der Erfindung, wurden Tornetze für FA-Cup-Spiel obligatorisch, ab 1895 auch für Länderspiele. Doch in die Regeln wurden sie erstmals 1938 erwähnt, d.h. sie wurden vorher nur in den Wettbewerbsregeln vorgegeben, nicht in den Spielregeln.

Keine Zweifel mehr?

Von wegen, wie Diskussionen der kommenden Jahre zeigen. Dass 1896 auf Vorschlag des englischen und walisischen Fußballerbandes vorgegeben wurde, Tornetze am Boden zu verankern, war sicher die Folge einiger Tore, in denen der Ball durch das Netz gerollt war.

Dazu kam, dass die Netz früher diagonal nach hinten liefen. Das hatte zum Nachtteil, dass bei einem Schuss knapp unter die Latte das Netz den Ball zurück aufs Feld befördern konnte. Die Lösung: Ein Dach, dass das Tor zu einer Box mit rechtem Winkel machte.

Uneindeutigkeit entstand auch durch zu stark oder nur schwach gespannte Netze. Ein zu stark gespanntes Netz kostete 1909 West Bromwich Albion den Aufstieg und noch 1970(!) Aston Villa den Klassenerhalt. Der Ball war einfach so schnell wieder im Spiel, dass man nicht sicher sein konnte, ob er im Tor war oder nicht.
Bei schwach gespannten Netzen und einer hohen Mauer dahinter das gleiche Problem: Das Netz gab nach, der Ball prallte gegen die Mauer und war mitunter schneller aus dem Tor als man es erkennen konnte.

Weiterführend: GLT und VAR

Fußball und Technologie – Ein knapper Überblick

Es VAR einmal … Eine kurze Geschichte des Videobeweises

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