Regelgeschichte

Wie die Einführung des Schiedsrichters die Regeln beeinflusste

Die Einführung des Video Assistant Referee hat ein die Spielregeln etwas beeinflusst. Nichts Neues, denn auch die Einführung des Referee auf dem Spielfeld (1891) hat zu neuen oder veränderten Regeln geführt.

Kurz zu der Zeit vor 1891

Grundsätzlich einigten versuchten erst die Kapitäne, sich zu einigen. War das nicht möglich, riefen sie die beiden (parteiischen) Umpires an der Seitenlinie an. Kam es auch hier zu keiner Einigung, entschied der eine (unparteiische) Referee.

Umpires und Referee waren aber immer seitlich des Feldes und reagierten lediglich auf eine Art Challenge. Erst 1888 trat der Schiedsrichter ab und an mal kurzzeitig ins Feld, denn da wurde der Schiedsrichterball eingeführt.

Kommen wir zur Zeit von 1892 bis 1905: Hier gab es einige Änderungen und Neuerungen, die direkt oder indirekt mit der Einführung des Schiedsrichters zu tun haben. Ich liste sie einfach mal auf:

Einfluss des Schiedsrichters auf die Fußballregeln

Hier aufgeführt sind nicht nur die Regeländerungen, sondern auch die Diskussionen, die während der Jahreshauptversammlung (AGM) stattfanden. Beispielsweise gleich beim ersten Punkt, der Tatsachenentscheidung: Sie wurde nicht nach der Einführung 1893 drei mal geändert, aber dreimal wurde über die schlechte Akzeptanz diskutiert und thematisiert, dass man die

  • Spieler und Teamoffizielle ermahnen möchte, die Entscheidungen als endgültig zu akzeptieren
  • Schiedsrichter ermahnen möchte, Entscheidungen nicht nach Wiederanpfiff zu revidieren.

So, los geht’s

➡️ Tatsachenentscheidung (1893, wurde 1895, 1896 und 1897 noch mal deutlich ermahnt, weil die Entscheidungsgewalt des Schiedsrichters offenbar nicht immer akzeptiert wurde)

➡️ Schiedsrichter wurde ermahnt, auf die verbotene wiederholte Ballberührung nach Restarts zu achten (1892: Strafstoß, 1897: Freistoß) 

➡️ Einführung von Tornetzen (quasi GLT light): 1895 Tornetze sind bei Länderspielen verpflichtend. 1896: Tornetze müssen am Boden befestigt werden.

➡️ absichtliches Handspiel: Was ist Absicht? 1897: Jedes Handspiel, das „wilfully“ ausgeübt wurde. 1898: Jedes Handspiel, das „intentionally“ ausgeübt wurde. (Unabsichtliches ist schon immer erlaubt.)

➡️ absichtliches Foulspiel: Entsprechend der Anpassung beim Handspiel wird nun auch fürs Foulspiel festgelegt: Jedes Foulspiel, das „intentionally“ ausgeübt wird, ist verboten.

➡️ Spielfortsetzung erst nach Signal des Schiedsrichters (1894)

➡️ Ball bleibt im Spiel, bis Spieloffizielle anderes anzeigen (1895)

➡️ Ball bleibt auch im Spiel, wenn er gegen Eckfahne, Spieloffiziellen prallt (1896)

➡️ Schiedsrichter entscheidet, ob es Strafstoß gibt (1896)

➡️ Torwartwechsel nur nach Erlaubnis des Schiedsrichters (1896). Wenn nicht, dann gibt es nach Handspiel im Strafraum Strafstoß (1897)

➡️ Schiedsrichter bestimmt Nachspielzeit (1898)

Fazit

Die hier aufgeführten Änderungen verdeutlichen, wie häufig die Entscheidungsgewalt des Schiedsrichters in den ersten Jahren in Frage gestellt bzw. nicht akzeptiert wurde. Tatsächlich waren es vor allem wohlhabende Spieler (Gentleman), die sich durch die Einführung eines agierenden Schiedsrichters angegriffen fühlten. Auch die Assistenten – wie zuvor die Umpires in der Anfangszeit meistens parteiisch – entschieden ohne Aufforderung der Kapitäne auf Einwurf, Abstoß und Eckstoß. 

Warum fühlten sie sich angegriffen? Sie wurden nicht nur ihrer Entscheidungsgewalt beraubt, sondern empfanden es als brüskierend, dass man ihnen nicht mehr zutraute, fair zu entscheiden. Und das nur, weil mehr und mehr Männer gegen Geld Fußball spielten und das Wichtigste der Sieg war – gerne auch mit versteckten Unsportlichkeiten. Für Gentleman war Fußball und jede andere Sportart eine Freizeitbeschäftigung und auch in gewisser Weise eine Vorführung ihrer Gentleman-Tugenden, hatten sie schließlich alle Zeit der Welt für ihren Müßiggang. Würden sie unfair beim Sport handeln, würden sie ihren guten Ruf mit Füßen treten. Warum wurde ihnen nun so ein Mensch vorgesetzt, der Kläger und Richter zugleich war? Ich denke, das erklärt es gut, weshalb es etwa eine Dekade dauerte, bis das Amt des Schiedsrichters allgemeine Akzeptanz erfuhr, aber auch die Amtsbefugnisse des Schiedsrichters geklärt waren.