Simon Rosenberger
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Die Eltern: Eva und Max Rosenberger

Eva Emma Rosenberger, geborene Heymann wurde am 22. Juni 1860 in Trzęsina im südlichen Polen, damals Preußen, geboren. Max Rosenberger wurde am 8. April 1859 in Hultschin (Kreis Oppeln, Oberschlesien) geboren. Am 15. September 1881 heirateten beide in Stuttgart und zogen am 18. Januar 1882 nach München. Da war Eva Rosenberger schon mit ihrem ersten von sechs Kindern schwanger, die sie in zehn Jahren gebar: Dorothea (*16.11.1882), Anna Selma (*01.02.1884), Simon (*02.02.1885), Rosa Elvira (*11.01.1887), Else (*11.08.1888) und Hedwig (*26.01.1892).

Wohnorte

Die Familie zog bis 1907 häufiger innerhalb der Münchener Altstadt und Maxvorstadt um. Nicht immer ist überliefert, wann genau:

  • bis 1892: Hackenstraße 1a
  • 1892-(1893/1898): Sendlinger Straße 12 (2. OG)
  • (1893/1898)-1905: Thal 30 (2. OG)
  • 1905-1907: Fraunhoferstraße 4 (3. OG)

Ab dem 17. Juli 1907 wohnten sich dann in der Türkenstraße 26 im 3. OG, gegenüber der damaligen Kaserne, heute Pinakothek.

Max Rosenbergers Berufe

Vater Max Rosenberger war zu Simons Geburt Kaufmann von Beruf und besaß ein Konfektionsgeschäft für Herren und Jungen. Zunächst in der Sendlinger Straße 16, dann im Färbergraben 12 (2. OG) und schlißlich im Färbergraben 29. Mitte der 1890er Jahre wechselte Max Rosenberger dann seinen Beruf, wurde zunächst für wenige Jahre Immobilienagent, dann bis mindestens 1905 Auktionier. Sein Büro hatte er im Erdgeschoss der Westendstraße 20.

Eva überlebte Mann und Sohn

Max Rosenberger starb bereits 1910 oder 1911 mit fast 50 Jahren, ähnlich wie zwanzig Jahre später sein Sohn Simon. Er wurde auf dem Neuen Israelitischen Friedhof in München beerdigt (Sektion 1, Reihe 6, Platz 7).

Eva überlebte beide, aber nicht die Shoah. Bis zum 1. September 1933 lebte sie in der Wohnung in der dritten Etage der Türkenstraße 26 in Maxvorstadt und erlebte den zunehmenden Antisemitismus, gerade in ihrem Viertel. Am 1. September 1933 zog sie in die erste Etage der Herzog-Rudolf-Straße 13, unweit einer der Synagogen Münchens, oder wurde zu diesem Umzug gezwungen. Ab dem 1. März 1934 wohnte sie in der Mathildenstraße 8, einem jüdischen Altersheim, das schon vor 1933 existierte. Hier lebte sie noch einige Jahre, bevor sie am 15. April 1942 für knapp zwei Monate in das Lager Milbertshofen an der Ecke Knorrstraße/Troppauer Straße kam – ein Zwangsarbeitslager. Am 10. Juni 1942 wurde sie mit dem vierten Transport ins Konzentrationslager Theresienstadt deportiert (Transportnummer 180), zusammen mit 49 anderen jüdisch Menschen. Einen Tag später kam sie dort an.

Ermordet im KZ Theresienstadt

Am 11. Juli 1942 wurde sie um 11:30 Uhr im Zimmer 65 des Krankenhauses in der Kavalierskaserne ermordet, starb angeblich an Altersschwäche.

Das Zentralkrankenhauses in der Kavalierkaserne stellte folgenden Totenschein aus:

GHETTO THERESIENSTADT
Der Ältestenrat
Abteilung für Gesundheitswesen

T O D E S F A L L A N Z E I G E

Es starb am 11/7 1942 um 11.30 Uhr in Theresienstadt E.VIII. Kavalier Kaserne Marodenzimmer 64

Rosenberger, geb. Heymann, Emma[1]Im Schreiben der NSDAP wurde sie immer mit ihrem zweiten Vornamen genannt, in Schreiben aus der Weimarer Republik meistens mit Eva oder Eva Emma. Sie scheint beide Vornamen gleichrangig verwendet zu … Continue reading, Tr.Nr. 180/II-4

geboren am 22.6.1860 in Oppeln

Stand: Witwe. Beruf: Private. Religion: mos. National.: jüd.

Tag u. Ort der letzten Eheschließung: /

Anzahl der Kinder aus der letzten Ehe: /

Staatszugehörigkeit: Deutsches Reich. Heimatgemeinde: /

Letzter Wohnort/Adresse: München Knorrstraße 148

Wohnhaft in Theresienstadt/Gebäude: E.V.II. Kav. Kaserne Zimmer Nr. 64

Name u. Vorname der Eltern/auch verstorbener/Beruf u. letzter Wohnort; /

Behandelnder Arzt: Dr. Walter Wolf

Krankheit/in Blockschrift: MARASMUS SENILIS, COLITIS AC.[2]Marasmus senilis = Abbau der Muskeln (Altersschwäche), colitis ac[ne?] = Darm(entzündung?).

Todesursache/in Blockschrift: MARASMUS SENILIS

Die Leichenbeschau führte durch: Dr. Franz Schreier[?] am 11/7 um 11.30

Ort, Tag und Stunde der Beisetzung: /

Verwandte in Theresienstadt: keine

Nächste Verwandte im Protektorat: /

Zustellungsurk. […]timation Nr. A.I. 2100, ausgestellt am 9. Juni 1942 von Geheimer Staatspolizei München

[Unterschriften 1) des Referenten des Beerdigungswesens, 2) des Chefarztes, 3) des Amtsarztes]

12.-III-25.1.42[3]Yad Vashem, ohne Permalink und Archivsignatur.

Sie wurde am 13.07.42 auf dem Friedhof in Theresienstadt beerdigt (Reihe M XXIII Grab Nr, 7).[4]Handschriftliche Ergänzung auf der Rückseite des Totenscheins. Ihre Sterbeurkunde wurde erst 1981 vom Arolsen Archive ausgefüllt.

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Fußnoten

Fußnoten
1 Im Schreiben der NSDAP wurde sie immer mit ihrem zweiten Vornamen genannt, in Schreiben aus der Weimarer Republik meistens mit Eva oder Eva Emma. Sie scheint beide Vornamen gleichrangig verwendet zu haben.
2 Marasmus senilis = Abbau der Muskeln (Altersschwäche), colitis ac[ne?] = Darm(entzündung?).
3 Yad Vashem, ohne Permalink und Archivsignatur.
4 Handschriftliche Ergänzung auf der Rückseite des Totenscheins.

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