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Fußballregeln 2019/2020 und die historische Entwicklung

Das Fußballregeln Laws of the Game Wordle 2016

Da sind sie, die neuen Fußballregeln. Das IFAB hat heute seine Änderungen für die Fußballregeln der kommenden Saison bekanntgegeben. Stichtag für die neuen Fußballregeln ist der 1. Juni 2019, aber dennoch wird das Finale in der Champions League der Herren noch nach den für die Saison 2018/19 gültigen Fußballregeln gespielt, da das Spiel ja noch dieser Saison zählt. Aber die Weltmeisterschaft der Frauen beginnt am 7. Juni 2019 und wird dann schon nach dem neuen Regelwerk gespielt. Das IFAB hat daraufhin eine kurze Pressemitteilung veröffentlicht. Außerdem gibt es auf dem youtube-Kanal der FIFA mehrere Aufnahmen der heutigen Pressekonferenz.

Die komplette Auflistung der Änderungen in den Fußballregeln findet sich u.a. auf der Webseite der Sportschau – samt Erwähnung und Verlinkung von Nachspielzeiten. Vielen Dank, lieber Chaled Nahar!

Erwartungsgemäß wurden alle Änderungen der Fußballregeln übernommen. Im Vorfeld wurden die meisten von ihnen schon öffentlich, sodass ich schon auf sie eingehende konnte (siehe Beitrag Mögliche IFAB-Regeländerungen 2019 historisch betrachtet).

 

Ergänzung, 14. März 2019: Das IFAB veröffentlichte am 12. März 2019 alle Änderungen in einer Kurzform und in detaillierter Form.
Daher lösche ich den vormals hier folgenden Blogtext, gehe auf alle Regeländerungen samt ihrer Begründung durch das IFAB und gebe, sofern möglich, eine kurze historische Erläuterung zur Entwicklung des geänderten Regelabschnittes. Nicht betroffen sind Regeländerungen, die der Einheitlichkeit zu Regel 12 dienen (durch die geänderten Bestimmungen zum Handspiel). Diese sind aber in der detaillierten Version des IFAB ersichtlich.

Regel 3: Spieler

Eine Spielerin oder ein Spieler, die/der ausgewechselt wird, verlässt das Feld am nächsten Punkt der Begrenzungslinie. Danach muss sie/er wie schon zuvor sofort in die technische Zone oder den Umkleideraum gehen. Macht sie/er es nicht, begeht sie/er eine Unsportlichkeit.

  • Grund: Die Möglichkeiten für Zeitspiel während eines Wechsels wird verringert. Der direkte Gang in die technische Zone oder Umkleidekabine soll Probleme mit Ersatzspieler/innen, Zuschauer/innen oder Schiedsrichterassistent/innen vermeiden.
  • Historische Entwicklung: 1972 wurde dann zusätzlich festgelegt, dass Ersatzspielerinnen und Ersatzspieler an der Mittellinie das Feld verlassen bzw. betreten müssen. Für eine knappe Entwicklung mit allen Bestimmungen zur Auswechslung von Spielerinnen und Spielern siehe Beitrag Mögliche IFAB-Regeländerungen 2019 historisch betrachtet.

Regel 4: Ausrüstung der Spieler

Shirts, die unter dem Trikot getragen werden, können mehrfarbig oder gemustert sein, wenn sie genau so mehrfarbig oder gemustert sind wie das Trikot.

  • Grund: Fabriken können Unterziehshirts herstellen, die gleichartig gemustert sind wie die Trikots.
  • Historische Entwicklung: Seit 1987 muss bei Thermohosen darauf geachtet werden, dass sie die gleiche Farbe wie das Trikot haben.
Regel 5: Schiedsrichter

Die Schiedsrichterin bzw. der Schiedsrichter kann die Spielfortsetzung nicht revidieren, kann aber unter bestimmen Umständen Karten für einen früheren Vorfall zeigen.

  • Grund: Zeigt eine Schiedsrichterassistentin oder ein Schiedsrichterassistent (AR) an, dass wegen eines Verstoßes eines gelbe oder rote Karte verhängt werden soll, aber die Schiedsrichterin bzw. der Schiedsrichter sieht oder hört davon erst nach dem Neustart, können die Karten nachträglich noch verhängt werden. Der mit der Regelwidrigkeit verbundene Neustart gilt dann aber nicht.
  • Historische Entwicklung: Die Tatsachenentscheidung ist seit Einführung des Schiedsrichters auf dem Spielfeld (1889) Teil der Regeln.

Eine Entscheidung kann noch geändert werden, nachdem die Schiedsrichterin bzw. der Schiedsrichter das Feld für eine VAR-Bewertung verlassen hat oder um Spielerinnen oder Spieler am Ende einer Halbzeit auf das Feld zurückzurufen. Disziplinarstrafen werden nur dann verhängt, wenn eine Schiedsrichterassistentin oder ein Schiedsrichterassistent eine Regelwidrigkeit erkennt und versucht hat, sie der Schiedsrichterin bzw. dem Schiedsrichter mitzuteilen, bevor das Spiel wieder aufgenommen wird. Der mit der Sanktion verbundene Neustart gilt nicht.

  • Grund: 1) „terminated“ wird zwecks Eindeutigkeit durch „abandoned“ ersetzt. 2) Eine Entscheidung am Ende der ersten Halbzeit kann geändert werden, wenn die Schiedsrichterin bzw. der Schiedsrichter am Ende der ersten Halbzeit den Spielerinnen oder Spielern sagt, sie sollen für ein VAR-Review auf das Feld zurückkehren.
  • Historische Entwicklung: keine.

Wenn ein Strafstoß verhängt wurde und die ausführende Person verletzt ist, darf sie auf dem Platz behandelt werden.

  • Grund: Es ist unfair, dass eine Spielerin oder ein Spieler wegen einer Verletzung nicht den Strafstoß ausführen kann.
  • Historische Entwicklung: Seit der Saison 2018/19 müssen behandelte Spielerinnen und Spieler nicht mehr das Spielfeld verlassen, wenn ihr Gegner für das Foul verwarnt oder des Feldes verwiesen wurde.

Regel 7: Dauer des Spiels

Klärung des Unterschieds zwischen Kühlpausen (90 Sekunden bis drei Minuten) und Getränkepausen (max. eine Minute).

  • Grund: Im Interesse der Spielerinnen und Spieler können die Spielregeln bei bestimmten Wetterbedingungen (zum Beispiel hohe Luftfeuchtigkeit und Temperatur) Trink- und Kühlpausen erlauben.
  • Historische Entwicklung: Es gibt seit ein paar Jahren die Möglichkeit, zur Erfrischung eine Pause anzuordnen. Hier wird nun zwischen Trink- und Kühlpausen unterschieden und eine jeweils unterschiedliche maximale Dauer festgelegt.
Regel 8: Beginn und Fortsetzung des Spiels

Das Team, dass den Münzwurf gewinnt, kann entscheiden, ob es den Anstoß ausführt oder die Seite wählt. Das andere kann entsprechend der Entscheidung des ersten die Seite wählen oder anstoßen.

  • Grund: Die letzten Regeländerungen haben den Anstoß dynamischer gemacht, weshalb Kapitäninnen und Kapitäne, die den Münzwurf gewinnen, daran interessiert sind, den Anstoß auszuführen.
  • Historische Entwicklung: Zwischen 1862 und 1878 (Sheffield FC und Sheffield FA) bzw. 1863 und 1873 (FA) konnte wie bislang die Gewinnerin bzw. der Gewinner des Münzwurfs die Spielseite wählen. Von 1873 bis nach 1997 konnte die Gewinnerin bzw. der Gewinner dann wählen, ob man anstößt oder die Seite wählt, von (nach 1997) bis heute hatte man nur die Wahl der Seite. Das wird nun abermals zurückgeändert. (Ich kann es leider derzeit nicht näher datieren. In den Laws of the Game 1997 ist die Option zwischen Seitenwahl und Anstoß noch enthalten. In den folgenden Agenden und Protokollen des IFAB lässt sich nicht ersehen, wann es revidiert wurde.)

Bei einem Schiedsrichterball erhält eine Spielerin oder ein Spieler den Ball, deren Mannschaft zuletzt in Ballbesitz war. Wenn der Ball im Strafraum war oder die letzte Berührung im Strafraum stattfand: die Torhüterin bzw. der Torhüter. Alle anderen Spielerinnen bzw. Spieler müssen 4,5 yd / 4 m entfernt bleiben.

  • Grund: Die übliche Vorgehensweise bei einem Schiedsrichterball wird als unfair angesehen. Um zu verhindern, dass ein Team einen unfairen Vorteil erhält, müssen alle anderen Spielerinnen bzw. Spieler Abstand halten.
  • Historische Entwicklung: Der Schiedsrichterball wurde 1888 durch das IFAB eingeführt: Die Schiedsrichterin bzw. der Schiedsrichter lässt den Ball aus den Händen fallen, wirft ihn weder hoch noch nach unten. (Das erwähne ich, weil verschiedene deutsche Fußballregelwerke, die vor Gründung des DFB veröffentlicht wurden, anmerken, dass der Ball bei einem Schiedsrichterball hochgeworfen wird.) Er wird an der Stelle ausgeführt, an der sich der Ball befand, als das Spiel unterbrochen wurde. 1901 wurde ergänzt, dass es bei Regelwidrigkeiten einen Freistoß gibt, wenn der Ball im Spiel ist (Bodenberührung) oder eine Wiederholung, wenn er noch nicht im Spiel ist (also noch im Fallen war). Ebenfalls die Wiederholung des Schiedsrichterballs wurde 1902 verordnet, wenn der Ball ohne Berührung durch eine Spielerin oder einen Spieler ins Feldaus ging. Die nächste und bislang letzte Änderung zum Schiedsrichterball kam 1985: Wenn sich der Ball zuletzt in einem der Torräume befand, dann wird der Ball auf der parallel zur Torlinie verlaufenden Torraumlinie fallengelassen – und zwar an dem Punkt, der dem Ort am nächsten liegt, an dem der Ball bei der Spielunterbrechung war.
Regel 9: Ball in und aus dem Spiel

Der Ball gilt als aus dem Spiel, wenn der Ball eine Spieloffizielle bzw. einen Spieloffiziellen berührt und 1) ein Team daraus einen aussichtsreichen Angriff startet oder 2) der Ball direkt ins Tor geht oder 3) das gegnerische Team in Ballbesitz kommt. In allen Fällen wird das Spiel mit einem Schiedsrichterball fortgesetzt.

  • Grund: Es kann sehr unfair sein, wenn ein Team einen Vorteil erhält oder ein Tor erzielt wird, weil der Ball eine Spieloffizielle oder einen Spieloffiziellen berührt hat.
  • Historische Entwicklung: Das Regelwerk kennt nicht die Festlegung, dass der Schiedsrichter oder die Schiedsrichterin Luft sei, also ihre Berührungen mit dem Ball nicht gewertet werden. Letzteres wird aber durch Umschreibungen deutlich. Hier eine historische Entwicklung darzustellen, ist mir daher nicht möglich.

Regel 12: Fouls und unsportliches Betragen

Ein Handspiel ist immer regelwidrig, auch bei abprallenden Bällen aus kurzer Distanz, wenn:

  1. der Arm oder die Hand absichtlich zum Ball geht, um ihn zu berühren,
  2. durch das Handspiel eine aussichtsreiche Torchance kreiert wird oder der Ball so kontrolliert wird, dass daraus ein Tor entsteht,
  3. durch das Handspiel direkt ein Tor erzielt wird.
  • Grund: 1) Ein Tor kann nie durch ein Handspiel erzielt werden (auch nicht unabsichtlich). 2) Es darf nie ein Tor absichtlich mit einem Handspiel vorbereitet werden.

Ein Handspiel ist üblicherweise regelwidrig, auch bei abprallenden Bällen aus kurzer Distanz, wenn:

  1. bei Vergrößerung der Körperfläche,
  2. wenn der Ball berührende Arm oder Hand oberhalb der Schulter ist (so genannte unnatürliche Haltung)
  • Grund: Den Arm und die Hand oberhalb der Schulter zu haben ist kaum eine natürliche Haltung.

Ein Handspiel ist üblicherweise nicht regelwidrig, wenn:

  1. der Ball vom eigenen Körper oder Kopf des Spielers kommt,
  2. der Ball vom Kopf oder Körper eines anderen nahestehenden Spielers kommt,
  3. die Hand und der Arm nahe am Körper ist und nicht die Körperfläche vergrößert,
  4. der Ball bei einem fallenden Spieler gegen die Stützhand (oder -arm) geht.
  • Grund: 1) Es ist natürlich, sich beim Fallen abzustürzen. 2) Wenn der Ball vom eigenen Körper oder Kopf oder von einem nahestehenden Spieler abprallt, ist es oft unmöglich, den Kontakt mit dem Ball zu vermeiden.

Historische Entwicklung des Handspiels: (Kopie von Mögliche IFAB-Regeländerungen 2019 historisch betrachtet). Das Handspiel war im Fußball nicht immer verboten. Das gilt insbesondere für die Regelwerke aus der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts, die an das Rugbyspiel erinnern. Aber auch die frühen Regelwerken, die das Handspiel nicht erlaubten als in auch den FA Rules selbst gab es zwei Arten von Handspiel, das erlaubt war bzw. ist. Einerseits das Torhüterhandspiel, das auch heute noch erlaubt ist, und andererseits der Fair Catch, den es bis heute im Rugby und American Football gibt. Er wurde 1871 verboten. Ein Fair Catch ist das Fangen eines Balles, bevor dieser den Boden berührt. Hat man im Rugby und American Football dann die Wahl zwischen Fair Catch (Arm heben (früher mit Ferse Markierung in den Boden ritzen), dann Freistoß von dieser Stelle) und dem Laufen mit Ball im Arm, wurde im Fußball nur der Fair Catch übernommen. Es war auch nur über den Fair Catch möglich, einen Freistoß zu erlangen. Erst ab 1874, also drei Jahre nach dem Verbot des Fair Catch, wurde der Freistoß bei Regelverletzungen als Strafe für die missachtende Mannschaft eingeführt. Das Handspiel von Feldspielerinnen und Feldspielern war, wie schon gesagt, immer verboten. Seit 1902 wird jedoch laut Regeltext zwischen absichtlichem und unabsichtlichem Handspiel entschieden und nur das absichtliche unter Strafe gestellt. Seitdem wurde die Handspielregel nicht mehr verändert. Lediglich 2015 schlug der walisische Verband vor, Handspiel grundsätzlich zu verbieten und nicht mehr zwischen absichtlichem und unabsichtlichem Handspiel zu unterscheiden. Eine Entscheidung wurde damals vertagt.

Ein regelwidriges Handspiel (= nach Einwurf oder absichtlichem Rückpass) der Torhüterin oder des Torhüters im eigenen Strafraum wird nicht mit einer gelben oder roten Karte sanktioniert. Das Spiel wird weiterhin mit einem indirekten Freistoß fortgesetzt.

  • Grund: Für diese Regelwidrigkeit soll keine Sanktion anfallen, es reicht, das Spiel zu unterbinden.
  • Historische Entwicklung: Wenngleich es erst 1871 in die FA Rules aufgenommen wurde, war vermutlich schon vorher erlaubt. In den nächsten Jahrzehnten wurde die Regeln immer genauer definiert: Die Torhüterin bzw. der Torhüter darf den Ball nicht tragen (1873), dann für zwei Schritte tragen (1920) [vier Schritte wurden erst in der Nachkriegszeit erlaubt]. Außerdem wurde das Torhüterhandspiel 1882 auf die eigene Hälfte beschränkt, dann auf eigenen Torraum (1903) und schließlich auf den eigenen Strafraum (1912).

Wenn die Torhüterin bzw. der Torhüter nach einem Einwurf oder absichtlichen Pass von einer Mitspielerin bzw. einem Mitspieler (= Rückpass) den Ball ohne Erfolg versucht, zu treffen, dann darf sie bzw. er den Ball aufnehmen.

  • Grund: Wenn klar ist, dass die Torhüterin bzw. der Torhüter den Ball schießen wollte und es misslingt, zeigt es, dass keine Regelwidrigkeit begangen werden sollte. Daher ist das Aufnehmen des Balles danach nicht zu sanktionieren.
  • Historische Entwicklung: 1992 wurde verboten, dass Torhüterinnen und Torhüter einen absichtlichen Pass vom Mitspieler mit den Händen aufnehmen dürfen. Das Spiel sollte so schneller, torreicher gemacht werden.

Die Schiedsrichterin bzw. der Schiedsrichter kann das Zeigen einer gelben oder roten Karte bis zur nächsten Unterbrechung verzögern, wenn das Spiel mit einem Freistoß schnell fortgesetzt und eine Torchance kreiert wird. Der Freistoß darf aber nicht (schnell) ausgeführt werden, wenn die Schiedsrichterin bzw. der Schiedsrichter gerade dabei ist, eine Karte zu zeigen.

  • Grund: Es ist unfair, wenn der Schiedsrichter eine schnelle Spielfortsetzung unterbindet, weil er noch eine Karten zeigen muss.
  • Historische Entwicklung: keine.

Die gelbe Karte für unangemessenen Torjubel bleibt auch bestehen, wenn das Tor aberkannt wird. Das Spiel wird durch einen indirekten Freistoß fortgesetzt.

  • Grund: Sicherheit, Spielimage, etc.
  • Historische Entwicklung: Die Verwarnung (Trikotausziehen) oder Platzverweis für unangemessenen Torjubel wurde 2004 eingeführt.

Einführung von gelben und roten Karten für Fehlverhalten von Teamoffiziellen. Kann die Person nicht identifiziert werden, wird die Trainerin bzw. der Trainer („senior coach“) verwarnt oder des Feldes verwiesen.

  • Grund: Erfolgreiches Experiment in vergangenen Jahren. Eindeutigkeit, ob Teamoffizielle verwarnt oder des Feldes verwiesen werden.
  • Historische Entwicklung: Bislang wurden Teamoffizielle mündlich ermahnt, verwarnt oder des Feldes verwiesen (durch Schiedsrichterin bzw. Schiedsrichter oder Kapitänin/Kapitän der Mannschaft. Zur Einführung und Entwicklung der gelben, gelb-roten und roten Karten siehe Mögliche IFAB-Regeländerungen 2019 historisch betrachtet).

Übersicht, welche Vergehen von Teamoffiziellen wie sanktioniert werden sollen:

  • Ermahnung (Wiederholung führt zur Verwarnung oder Feldverweis)
    • Betreten des Spielfeldes in einer respektvollen Art und Weise,
    • Missachtung einer Anweisung oder Anfrage einer Schiedsrichterassistentin oder eines Schiedsrichterassistenten oder vierten Offiziellen,
    • kleine Meinungsverschiedenheiten mit einer Entscheidung,
    • gelegentliches Verlassen des technischen Bereiches ohne weitere Regelwidrigkeit.
  • Verwarnung
    • Klares Nichtrespektieren der technischen Zone,
    • Verzögerung der Spielfortsetzung für sein Team (Zeitspiel),
    • nicht konfrontierendes, aber absichtliches Betreten der technischen Zone des Gegners,
    • Widerspruch in Wort und Tat, einschließlich 1) Werfen einer Getränkeflasche oder eines anderen Gegenstands, 2) Gesten, die einen deutlichen Mangel an Respekt vor den Spieloffiziellen zeigen, zum Beispiel sarkastisches Klatschen,
    • Betreten der Review Area und dabei übertriebenes oder andauerndes Fordern einer Karte oder Zeigen des Zeichens für ein VAR-Review,
    • provokante oder aufhetzerische Gesten oder Handlungen,
    • anhaltend unannehmbares Verhalten (inkl. wiederholter Verwarnungsdelikte).
  • Feldverweis
    • Verzögerung der Spielfortsetzung durch gegnerische Mannschaft,
    • absichtliches Verlassen der technischen Zone, um 1) einem Spieloffiziellen zu widersprechen oder zu protestieren, 2) provokant und aufrührerisch zu wirken,
    • Betreten der technischen Zone des Gegners auf konfrontierende Weise (auch in der Halbzeit oder nach 90 Minuten),
    • Störung des gegnerischen Spiels oder einer/eines Spieloffiziellen,
    • Betreten des Video Operating Rooms,
    • physisches oder aggressives Verhalten gegen Gegner inklusive Teamoffizielle, Spieloffizielle, Zuschauer oder gegen andere Person,
    • zweite Verwarnung,
    • Verwendung anzüglicher, beleidigender und schmähender Sprache oder Gesten,
    • Verwendung nicht zugelassener elektronischer oder Kommunikationsmittel und/oder unangemessenes Verhalten infolge der Verwendung von elektronischer oder Kommunikationsmittel.

Das Treten eines Objekts wird genauso bestraft wie das Werfen eines Objekts. Das Spiel wird durch einen indirekten Freistoß fortgesetzt.

  • Grund: Beides ist eine Unsportlichkeit.
  • Historische Entwicklung: keine.

Regel 13: Freistöße

Wenn klar ist, dass aus einem indirekten Freistoß nicht direkt ein Tor erzielt werden kann (auf Grund der Weite zum gegnerischen Tor, Z. B. Bei indirekten Freistößen nach Abseitsvergehen), braucht die Schiedsrichterin oder der Schiedsrichter das Zeichen für einen indirekter Freistoß nur bis zur Ausführung des Freistoßes anzeigen, nicht bis zur nächsten Berührung.

  • Grund: Viele indirekte Freistöße werden zu weit vor dem gegnerischen Tor gegeben als dass daraus ein Tor entstehen könnte. Weil Laufen und Anzeigen des Signals nicht einfach ist, braucht er es in diesem Fall nur bis zur Ausführung anzuzeigen.
  • Historische Entwicklung: Das Zeichen für Freistöße (und andere Spielsituationen, die die Schiedsrichterassistentin und der Schiedsrichterassistent anzeigt) wurde 1973 festgelegt.

Der Ball muss nicht mehr beim Freistoß im eigenen Strafraum direkt aus selbigem geschossen werden. Der Ball ist im Spiel, wenn er sich deutlich bewegt („clearly moves“). Gegenspielerinnen und Gegenspieler müssen außerhalb des Strafraumes stehen und zudem minimal 9,15 m / 10 yd vom Ball entfernt sein.

  • Grund: Daraus entsteht ein schnelleres und kreativere Spielfortsetzung. Minimierung des Zeitspiels.
  • Historische Entwicklung: Diese Regel wurde 1936 eingeführt zum Schutz des Torhüters / der Torhüterin „vor wilden Angriffen und Verletzungen“1)Vgl. Koppehel, Carl: Wieder Regeländerungsanträge. Ballgewicht, Freistoß im Strafraum und Schiedsrichterball. In: DSZ 19 (1937), Nr. 9. S. 97-99, hier S. 98. Weitere Berichte zur Änderung der Abstoßregel 1936: 1) Koppehel, Carl: Klarheit um die Abstoßregel. In: DSZ 19 (1937), Nr. 1. S. 1-2, hier S. 1. 2) Hülsmeier, H.: Des „Wippertjes“ Ende. In: DSZ 19 (1937), Nr, 1. S. 11.. Diese Regeländerung wurde in Deutschland deutlich bemängelt, siehe Beitrag Mögliche IFAB-Regeländerungen 2019 historisch betrachtet.

Wenn es eine defensive „Mauer“ von mindestens drei Spielerinnen oder Spielern gibt, müssen alle angreifenden Teammitglieder mindestens 1 m / 1 yd von der „Mauer“ entfernt sein.

  • Grund: Häufig entsteht so Zeitspiel und „management problems“, außerdem gegen das Spielimage.
  • Historische Entwicklung: Das Regelwerk kannte bislang nicht die Mauer als Begriff, aber durch Umschreibungen. Hier eine historische Entwicklung darzustellen, ist mir daher nicht möglich. Nur zum Mauerstellen habe ich einen Hinweis in der Deutschen Schiedsrichter-Zeitung von 1939 gefunden. Dort steht in einem Beitrag „Regelauslegung und Spieltaktik“: „Modern geworden ist die Mauer der verteidigenden Spieler bei einem Freistoß in Toresnähe“. Sie wurde mit fünf Spielern gebildet. Die Deutsche Schiedsrichter-Zeitung findet: „Das [Mauerstellen generell] ist unsportlich und muß verhindert werden. Solche künstlichen Vorteile dürfen nicht gelten.“.2)Vgl. Koppehel, Carl: Regelauslegung und Spieltaktik. In: Deutsche Schiedsrichter-Zeitung. Amtliches Organ für die Schiedsrichter im Fachamt Fußball des DRL 21 (Nr. 15, 01.08.1939). S. 157-158, hier S. 158.
    Ergänzung, 14.04.2019: Auch noch in 1987 wurde die Mauer als „detrimental to the best interests of the game of football“ gesehen. So hält es das Protokoll der AGM des IFAB von 1987 fest. Das Editorial Committee solle Verbesserungsvorschläge machen. Wie diese ausfielen, ist nicht dokumentiert. Dokumentiert ist aber, dass man sich auch schon 1987 Gedanken über die Mauer machte: Eine Mauer muss aus mindestens drei Spielerinnen oder Spielern bestehen. Aber es ist immer noch die Frage, wo oder in welcher Distanz die anderen Spielerinnen oder Spieler der verteidigenden Mannschaft zu stehen haben. Ohne Regelung dessen „could cause the referee major problems“. Diese großen Probleme werden nun gelöst.
Regel 14: Strafstoß

Torpfosten, Torlatte und Netze dürfen sich beim Strafstoß nicht bewegen und der Torhüter darf sie nicht berühren.

  • Grund: Kein Grund genannt; nur, dass der Schiedsrichter in solchen Fällen nicht das Spiel freigeben darf.
  • Historische Entwicklung: Keine.

Der Torhüter / Die Torhüterin muss nur noch mit einem Fuß auf Höhe der Torlinie sein, nicht mehr mit beiden Füßen. Er bzw. sie darf auch Springen, aber dann nur im Lot zur Torlinie.

  • Grund: Erleichtert das Erkennen, ob der Torhüter einen Fuß auf der Linie hat, als beide.
  • Historische Entwicklung: Der Bewegungsradius des Torhüters / der Torhüterin hat sich seit Einführung des Strafstoßes 1891 mehrfach geändert:
    • 1891-1902: alle Spieler:innen dürfen sich bis auf 6 Schritte / 5,5 Meter dem Ball nähern, d.h. auch der Torhüter / die Torhüterin konnte sich soweit aus dem eigenen Tor nähern,
    • 1902-1929: der Torhüter / die Torhüterin muss auf der Torlinie oder dahinter stehen,
    • 1929: der Torhüter / die Torhüterin „must stand on his [her] goal line“ -> verursacht unterschiedliche Auslegungen: In England musste der Torhüter / die Torhüterin regungslos auf der Linie stehen, in Deutschland musste er / sie auf der Torlinie stehen, konnte sich aber nach rechts und links bewegen,
    • 1930-(1997/2002): der Torhüter / die Torhüterin muss auf der Torlinie still stehen (= darf Füße nicht bewegen),
    • 1980: nicht angenommen:
      der Torhüter / die Torhüterin muss mit beiden Füßen auf der Torlinie stehen,
    • (1997/2002)-heute: der Torhüter / die Torhüterin muss auf der Torlinie stehen, darf sich aber nach rechts und links bewegen.
Wenn eine Regelwidrigkeit beim Strafstoß zwischen Freigabe durch Schiedsrichterin oder Schiedsrichter und dem Schuss geschieht, kann sie bzw. er noch disziplinarische Maßnahmen durchführen.

  • Grund: Bestrafen von Regelwidrigkeiten ermöglichen.
  • Historische Entwicklung: keine.
Regel 15: Einwurf

Die gegnerischen Spielerinnen und Spieler müssen mindestens 2 m / 2 yd von dem Punkt an der Seitenlinie entfernt sein, an dem ein Einwurf erfolgen soll, auch wenn der Werfer von der Linie zurückkehren.

  • Grund: Dies gilt für Situationen, in denen ein Spieler einen Einwurf in einige Entfernung von der Berührungslinie macht.
  • Historische Entwicklung: Nur in den Regeln des Sheffield FC und der Sheffield FA war ein Abstand beim Einwurf vorgeschrieben (= 1858-1877). Hier waren es 5,5 m / 6 yd. Dies galt aber für alle anderen Spieler.
Regel 16: Abstoß

Der Ball muss nicht mehr bei Abstoß und Freistoß im eigenen Strafraum direkt aus selbigem geschossen werden. Der Ball ist im Spiel, wenn er sich deutlich bewegt („clearly moves“). Gegenspieler müssen außerhalb des Strafraumes stehen und zudem minimal 9,15 m / 10 yd vom Ball entfernt sein. Wenn noch nicht alle Gegenspieler aus dem Strafraum sind, weil der Abstoß schnell ausgeführt wird („did not have time to leave“) wird das Spiel nicht unterbrochen. Gegenspieler dürfen den Ball nicht berühren oder herausfordern („challenges“), bis er im Spiel ist.

  • Grund: Daraus entsteht ein schnelleres und kreativere Spielfortsetzung. Minimierung des Zeitspiels.
  • Historische Entwicklung: Diese Regel wurde 1937 eingeführt zum Schutz des Torhüters / der Torhüterin „vor wilden Angriffen und Verletzungen“3)Vgl. Koppehel, Carl: Wieder Regeländerungsanträge. Ballgewicht, Freistoß im Strafraum und Schiedsrichterball. In: DSZ 19 (1937), Nr. 9. S. 97-99, hier S. 98. Weitere Berichte zur Änderung der Abstoßregel 1936: 1) Koppehel, Carl: Klarheit um die Abstoßregel. In: DSZ 19 (1937), Nr. 1. S. 1-2, hier S. 1. 2) Hülsmeier, H.: Des „Wippertjes“ Ende. In: DSZ 19 (1937), Nr, 1. S. 11.. Diese Regeländerung wurde in Deutschland deutlich bemängelt, siehe Beitrag Mögliche IFAB-Regeländerungen 2019 historisch betrachtet.

 

 

Das Beitragsbild ist ein Wordle aus der deutschsprachigen Ausgabe der Fußballregeln für 2016/17.

Fußnoten   [ + ]

1. Vgl. Koppehel, Carl: Wieder Regeländerungsanträge. Ballgewicht, Freistoß im Strafraum und Schiedsrichterball. In: DSZ 19 (1937), Nr. 9. S. 97-99, hier S. 98. Weitere Berichte zur Änderung der Abstoßregel 1936: 1) Koppehel, Carl: Klarheit um die Abstoßregel. In: DSZ 19 (1937), Nr. 1. S. 1-2, hier S. 1. 2) Hülsmeier, H.: Des „Wippertjes“ Ende. In: DSZ 19 (1937), Nr, 1. S. 11.
2. Vgl. Koppehel, Carl: Regelauslegung und Spieltaktik. In: Deutsche Schiedsrichter-Zeitung. Amtliches Organ für die Schiedsrichter im Fachamt Fußball des DRL 21 (Nr. 15, 01.08.1939). S. 157-158, hier S. 158.
3. Vgl. Koppehel, Carl: Wieder Regeländerungsanträge. Ballgewicht, Freistoß im Strafraum und Schiedsrichterball. In: DSZ 19 (1937), Nr. 9. S. 97-99, hier S. 98. Weitere Berichte zur Änderung der Abstoßregel 1936: 1) Koppehel, Carl: Klarheit um die Abstoßregel. In: DSZ 19 (1937), Nr. 1. S. 1-2, hier S. 1. 2) Hülsmeier, H.: Des „Wippertjes“ Ende. In: DSZ 19 (1937), Nr, 1. S. 11.
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von

Petra Tabarelli, studierte Historikerin, leitet ein Stadtarchiv und schaut Fußball seit ihrem dritten Lebensjahr. Neben der Landesgeschichte ist die Fußballgeschichte ein großes Interessengebiet. Ihr Schwerpunkt ist Entstehung der Fußballregeln und des Schiedsrichterwesens in England und Deutschland.

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