Die für die nächsten Jahrzehnte letzte Laws of the Game, die ich bislang online finden konnte, habe ich mit Hilfe des Protokolls der IFAB-Sitzung von 1914 in Paris rekonstruiert. Die Sitzung fand wenige Wochen vor Kriegsausbruch statt. Das jüngste Regelwerk des DFB, das ich einsehen konnte, ist von 1923 und befindet sich im Anhang der vierten Auflage von Richard Girulatis Buch „Fußball. Theorie, Technik, Taktik“. Ich möchte diese beiden vergleichen.

Es ist zu erwarten, dass sich beide sehr ähneln, da der DFB bereits seit 1904 Mitglied in der FIFA war, die FIFA wiederum 1913 Teil des IFAB war und so das Regelwerk des DFB größtenteils mit den Laws of the Game des IFAB identisch sein muss. Größtenteils identisch, weil zwischen 1914/1918 und 1923 Regeländerungen nichts Ungewöhnliches wären und nationale Eigenheiten im Regelwerk erlaubt sind – zuletzt die Einführung des VAR in Deutschland bevor das IFAB es auch anderen Ländern freistellte es zu nutzen und die FIFA es bei der WM 2018 in Russland einsetzte.

So müssten sich durch den Vergleich die ersten Regeländerungen nach dem ersten Weltkrieg herausarbeiten lassen.

Here we go.

Ja, tatsächlich bei zwei Dritteln der Regeln sind diese beiden Regelwerke identisch, nämlich in den Bestimmungen zu den Markierungslinien, Ballmaße, Spielerausrüstung, Schiedsrichterassistenten, Spieldauer, Torerzielung, Spielfortsetzungen, Abseits, unerlaubtes Spiel und Handspiel, Strafstoß, Einwurf, Eckstoß und wann der Ball in und wann er aus dem Spiel ist.

Drei weitere Regeln wurden wahrscheinlich auch nicht geändert, aber hier wurden in den DFB-Regeln Teile weggelassen, denn es werden keine Tornetze erwähnt, keine Unterscheidung zwischen direkten und indirekten Freistößen unternommen und es gibt auch keine Zeitvorgabe, bis wann der Schiedsrichter über Vorfälle bei Spielen Mitteilung gemacht haben muss. Ob das DFB-Regelwerke den Laws of the Game hinterherhinkte oder absichtlich oder unabsichtlich diese Vorgaben nicht festlegte, weiß ich nicht.

Außerdem schrieb der DFB bei nationalen Spielen ein kürzeres Feld als im Vereinigten Königreich vor. Die Länge sollte hier 90-120 m betragen, nicht 91-183 m. Die Breite von 46-91 m wurde aber nicht geändert.

Letztendlich sind es dann nur drei Änderungen, die wahrscheinlich auch in den Laws of the Game von 1923 zu finden sind:

  • Es wurde eine minimale Anzahl von Spieler/innen vorgeschrieben, nämlich acht.
  • Der Torhüter durfte den Ball nun auch tragen, wenn auch nur maximal zwei Schritte.
  • Der Abstoß wurde nicht aus dem Strafraum ausgeführt, sondern nur noch innerhalb des Torraumes.

Das war’s dann auch schon.